Ziegenbock (Wappentier)

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1450-1480: Oberhalber Ziegenbock
(Wappen derer von ZyllnhardtW-Logo.png)
Ziegenbock
(Wappen von Wilderswil, Schweiz)
1896: Ziegenbock (eine der ältesten Hausziegenrassen: die Walliser Schwarzhalsziege)
Ziegenbock-Köpfe im Wappen von Cosel, Aufriß von Otto Hupp
Albrecht Dürer: Das Wappen der Scheurl und Tucher, ca. 1512
In Gold zwei schwarze Ziegen übereinander (Wappen Casa de BaiãoInsigne Portugallicum.png)

Der Ziegenbock (auch Geißbock oder ähnlich genannt; frz.: bouc; engl.: he-goat) ist in der neueren Heraldik eine gemeine Figur, die einer männlichen HausziegeW-Logo.png nachempfunden ist; in der Frühzeit des Wappenwesens spielt die Darstellung dieses Haustiers als Wappentier keine Rolle.

Darstellung

Synonyme

Eher unbestimmte Oberbegriffe des Alltags wie Bock oder Ziege haben in der heraldischen Kunstsprache eine spezielle Bedeutung:

Bock Der Ausdruck „Bock“ beschreibt im Wappenwesen gewöhnlich eine gemeine Figur, die nicht einem Haustier, sondern dem Kraft-/Wildtier SteinbockW-Logo.png nachempfunden ist, siehe:
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Steinbock (Wappentier)
Ziege
(frz.: chèvre; engl.: goat)
Das Wappentier „Ziege“ wird stets als männlich angesehen und sollte, wo möglich, mit einem überbetonten männlichen Geschlechtsteil aufgerissen werden.
  • Weibliche Ziegen erscheinen nicht oder selten im Wappenwesen und sind im Blason durch einen entsprechenden Ausdruck deutlich vom Ziegenbock abzugrenzen (indem man sie beispielsweise als Geiß/Gaiß/Goiß/Goaß, Zicke, Zibbe, Hippe oder ähnlich beschreibt); bei einer potentiellen Geißfigur sind die sekundären Geschlechtsmerkmale (Euter etc.) deutlich heraldisch zu stilisieren.
  • Junge Ziegen erscheinen nicht oder selten im Wappenwesen und sind im Blason durch eine entsprechenden Ausdruck deutlich vom Ziegenbock abzugrenzen (indem man sie beispielsweise als Ziegenkitz, Zicklein oder ähnlich beschreibt); bei einer potentiellen Zickleinfigur sind keine primären oder sekundären Geschlechtsmerkmale aufzureißen.

Der (gemeine) Ziegenbock

Der Ziegenbock wird in der Grundstellung nach rechtssehend dargestellt. Er kann laufend oder springend, aber auch aufgerichtet gezeigt sein. Seine Bewehrung (Hörner, Hufe), seine Zunge und sein Gemächt können anders gefärbt (tingiert) sein. Das Tier kommt als Schildhalter und auch hervorbrechend oder wachsend im Oberwappen vor. Beliebt ist auch die Darstellung nur der Hörner.

Typisches Kennzeichen für das Wappentier ist im allgemeinen der Ziegenbart.

„(Die) Ziege, welche (im Gegensatz zum Steinbock -- Ergänzung durch Redaktion) meist stehend, mit fast geradem Gehörn zum Beispiel in einem Felde im Wappen der ehemaligen Republik Venedig und im Wappen der Capris in Italien vorkommt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Kopf/Rumpf von Ziegenbock und Ziege

Ziegenkopf/Ziegenbockkopf und Ziegen-/Ziegenbockrumpf (beispielsweise ein „gestümmelter“ Ziegenbock, also nur Hals und Kopf, ohne Vorderbeine) sind gebräuchliche Ausdrücke für Wappenfiguren. Gewöhnlich wird im Wappenwesen weder in der Darstellung noch in der Wappenbeschreibung zwischen einem Halstück (Ziegenbockkopf mit langem Hals bzw. Ziegenbockrumpf) und einem Kopfbild (nur Ziegenbockkopf, ohne Halsansatz) differenziert. Die genaue Darstellung erfolgt im Rahmen der Gesamtharmonie eines Wappens/Wappeaufrisses und obliegt letzlich der künstlerischen Freiheit.

Ziegen-Varianten


Abgrenzung

Eine Verwechslung der Figur „Ziegenbock“ mit anderen horntragenden Wappentieren (Widder, Gemse, Steinbock) ist möglich. Manchmal wird der Ziegenbock in altertümlicher oder eher natürlich-wilder Form, in der Darstellung an heraldische Löwen erinnernd, aufgerissen. In diesen Fällen ist er insbesondere von der Figur Steinbock kaum noch oder gar nicht zu unterscheiden. Vergleiche beispielsweise die nachstehenden Aufrisse des Wappens von HälsinglandW-Logo.png (Schweden) (der Ziegenbock ist seit 1560 als Kennzeichen für die Stadt überliefert), in denen die Hörner unterschiedlich lang erscheinen. In Zweifelsfällen sollten Wappenbeschreibungen oder die Wappenführenden hinzugezogen werden, um die Figur zu bestimmen.

Symbolik

  • Außerhalb der Heraldik unterscheiden sich der Symbolwert des Ziegenbocks (männlich) und der Geiß (weiblich)

„Während der Bock (griech. tragos) vielfach als Verkörperung der Lüsternheit und Vitalität gilt und oft negativ gesehen wird, steht die genügsame Ziege als Nährerin – die Ziege Amaltheia säugte den jungen Zeus – in den antiken Mythen in hoher Achtung (..) Ein Ziegenhorn ist auch Symbol der fruchtbaren Natur (Füllhorn, cornu copiae). – In der christlichen Symbolwelt spielt die Ziege keine große Rolle und tritt gelegentlich auf Bildern der Geburt Christi neben dem Schaf als fromm lauschende »stumme Kreatur« in Erscheinung. Im mittelalterlichen »Bestiarium« heißt es, daß die Ziege es liebt, auf hohe Berge hinaufzusteigen, was allegorisch gedeutet wird: denn »wie die Ziege liebt auch Christus die hohen Berge, das sind die Propheten und Apostel. Im Hohelied heißt es: ›Siehe, mein Vetter kommt wie eine Ziege, die über die Berge springt, über die Hügel läuft und in den Tälern weidet.‹ Die scharfen Augen der Ziege weisen ebenfalls auf den Herrn hin, der alles voraussieht und von weitem erkennt« (Unterkircher).“

Lexikon der Symbole (1989/1994/1998)[2]
  • Innerhalb der Heralidk ist der Ziegenbock in einigen Wappen eine redende Wappenfigur. Beispiele sind das Wappen von Ziegenrück, Bockenheim an der Weinstraße, Geiswiller, Caprarola (Viterbo) oder Boxholm, Schweden.

Wappenbilderordnung

Paraheraldik

Beim Fußballverein 1. FC Köln wird sein Maskottchen, der Geißbock Hennes, seit 1950 auch im Vereinslogo dargestellt.

Siehe auch

Weblink

 Commons: Ziegenbock in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Lexikon der Symbole: Ziege. Knaurs Lexikon der Symbole. 1989, 1994, 1998. S. 1235


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Ziegenbock_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 7. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.