Panflöte (Heraldik)

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1909: Clarion
(nach Fox-Davies)
 
1889: Panflöte
(nach Siebmacher)
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Panflöte (wird im nachstehenden Artikel behandelt) und
Clarion (siehe dort)

werden in der heraldischen Literatur fälschlicherweise vielfach nicht exakt voneinander abgegrenzt.[1] Bis heute ist unklar, was genau die Clarionfigur darstellt, die spätestens im 13. Jahrhundert in Wappen erscheint; die Panflötenfigur, die dagegen in der Frühzeit des Wappenwesens nicht gebräuchlich ist, sondern erst Jahrhunderte später in Wappen dargestellt wird, ist in ihrer heraldischen Wiedergabe und Bedeutung durch ihr reales Vorbild eindeutig bestimmt.

Die Panflöte (auch Pansflöte, Hirtenflöte, Hirtenpfeife, Syrinx, Rohrflöte, Fozhobel, Fotzhobel, Pfozhobel, Papagenopfeife oder ähnlich genannt; französisch flûte de Pan; englisch pan flute, panpipe, set of panpipes oder syrinx) ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur.

Darstellung

 
Alte europäische Panflöte
(Muzeum Górnośląskie w BytomiuCoat of Arms Polish Crown 01.png)
 
Unten blaue Panflöte
(Wappen von Hilary WestonW-Logo en.png)
Junge in römischer Tracht, eine vorheraldische Syrinx/Panflöte spielend
1. Jhr. v. Chr.: Pan und Daphnis mit vorheraldischer Syrinx/Pan­flöte (römische Nachbildung aus 2. Jhr. v. Chr.)

Die gemeine Figur Panflöte ist -- heraldisch stilisiert -- dem Idealbild eines mittelalterlichen Holzblasinstruments aus dem europäischen Kulturraum nachempfunden (vgl. → „Panflöte“W-Logo.png, Syrinx), welches aus mehreren, nebeneinander zusammengebundenen oder aneinander geklebten Rohren ohne Grifflöcher (Rohrpfeifen, Röhrchen, Pfeifen, Eintonpfeifen, Längsflöten) mit allmählich zunehmender Länge (und gelegentlich zunehmendem Umfang) besteht.

In der Normalform erscheint die Panflötenfigur „aufrecht“, das heißt, die parallelen Enden der Länggsflöten, die im Vorbild mit dem Mund angeblasen werden, stehen obe zum Schild/Feldrand und die sich verjüngenden Rohrenden sind nach unten gerichtet. Andere Stellungen (schrägrechts, gestürzt, überzwerch) sind zu melden. Ist die Anzahl der Einzelpfeifen der Panflötenfigur nicht in der Wappenbeschreibung bestimmt, variiert sie je nach Wappendarstellung zwischen vier bis acht, seltener mehr oder weniger. Die Anzahl kann im Blason festgelegt werden und ist dann bei jedem Aufriss des Wappens zu berücksichtigen.

Wie im Original variieren die Eintonpfeifen der Panflötenfigur in der Länge, wobei die Ausrichtung zueinander gemeldet werden kann, aber nicht muss. Beispielsweise könnte eine Beschreibung lauten „Panflöte mit sich von rechts nach links verjüngende Eintonpfeifen“; oder man bestimmt den Platz der längsten Pfeife (zum Beispiel heraldisch rechts oder heraldisch links). Entfällt eine Meldung, obliegt es dem Wappenkünstler die Verjüngung der Längsrohre im Rahmen des Gesamtharmonie eines Wappens zu gestalten.

Alle heraldischen Farben kommen als Tingierung einer Panflötenfigur in Frage; bevorzugt sollte das Motiv in Silber oder Gold erscheinen. Werden Teile der Panflötenfigur (zum Beispiel einzelne Pfeifen) anders tingiert als die Gesamtfigur, ist dies zu melden.

Verbreitung

Panflötenfiguren finden sich sowohl in Familien- als auch in Kommunalwappen. Beispielsweise erschien im historischen Kommunalwappen von Årslev eine Panflötenfigur als Symbol für den dänischen Komponisten und Dirigenten Carl NielsenW-Logo.png, der in Årslev, Nørre LyndelseCoa Danemark moderne.png geboren wurde. Und nach Rietstap führten beispielsweise die Barone von Falkengren ein Panflöte („flûte de Pan“) in der Helmzier des Familienwappens.[2]

Wappenbilderordnung

Paraheraldik

Die Panflötenfigur wird auch in der Paraheraldik genutzt, zum Beispiel als Logo, Emblem oder ähnliches.

Weblinks

 Commons: Pan flutes in heraldry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikipedia: Panflöte – (deutsch)
Wiktionary Wiktionary: Panflöte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Beispielsweise erscheint sowohl in der Wappenbilderordnung des Herold als auch bei Walter Leonhard die Abbildung einer „Clarionfigur“, die im Text jedoch mißverständlich als „Panflöte“ beschrieben ist. Vgl.:
    • Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 272. Abbildung 4 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).
    • Jürgen Arndt und Werner Seeger (Bearbeiter) mit Wappenskizzen von Lothar Müller-Westphal: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo. Zit.: WBO - Wappenbilder. Hrsg.: Herold, Verein für Heraldik Genealogie und verwandte Wissenschaften (= J. Siebmachers Großes Wappenbuch. B). 2., ergänzte und berichtigte Auflage. Band I. Bauer & Raspe, Inh. Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch 1996, ISBN 3-87947-110-X, S. 216–217. Tafel 76. Abbildung: 9923 (447 S., zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner; Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
  2. Johannes Baptista Rietstap: Armorial général: précédé d'un dictionnaire des termes du blason Armorial General. Band 1. S. 646. (Google)