Lindwurm (Wappentier)

Aus Heraldik-Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Artikel stellt die gemeine Figur Lindwurm dar; zur Bedeutung dieses Begriffs als Fabelwesen siehe Lindwurm.
Lindwurm

1903: In Silber ein schwarzer Lindwurm, der einen auf beiden Seiten brennenden Ast im Rachen hält.
( Stammwappen derer von Wurmbrand-StuppachW-Logo.png; nach Otto Hupp, im Münchener Kalender)

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes:
Lindwurm im Wappen der Familie von WurmbW-Logo.png[1]
1322: Zwei Lindwürmer am Baum (Schildsiegel der Grafen von Schwerin)

Der Lindwurm (tautologische Zusammenfügung zweier Substantive, althochdeutsch lint, altnordisch: linnr, linni „Schlange“, mit althochdeutsch lindi „weich/nachgiebig“ verwandt, und althochdeutsch: wurm, altnordisch: ormr „Schlange/Wurm“ [2][3]; auch Lintwurm, Wurm, Lintrache und anderes mehr genannt; französisch lindworm; englisch lindworm, lindwyrm oder lindwurm) ist in der Heraldik ein Wappentier beziehungsweise eine gemeine Figur.

Darstellung

In der Heraldik wird der Lindwurm unterschiedlich dargestellt: zwei-, vier- oder mehrbeinig oder als bekrönter Bein-/Fußloser, oft mit dem Hinterteil eines Löwen. Der Lindwurm ähnelt einem Drachen und wird manchmal als dessen Unterart bezeichnet, hat keine oder nur sehr kurze, stets fluguntaugliche Flügel. Gewöhnlich hat ein Lindwurm einen sehr langen Schwanz und kurze Beine.

Die dominierende Farbgebung (Tingierung) für einen Lindwurm sind schwarz oder grün. Er wird genau wie der Drache auch feuerspeiend erwähnt. In der Darstellung des Lindwurmes im Wappen variieren Wappenkünstler das Motiv und reduzieren es oft auf ein einprägsames Fabelwesen, einer Schlange mit den Hinterbeinen eines Löwens (bzw. ohne Hinterbeine) oder auf etwas ähnliches.

Häufig ist dem Lindwurm eine Linde beigeordnet, um ihn als Lindwurm zu charakterisieren, oder ihm ist, in Bezug auf den Lindwurm der Rolandssage, ein Schwert als Attribut zugeordnet.

Abgrenzung

Lindwurm versus Drache

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Drache

Der heraldische Drache wird in Blasonierungen vom Lindwurm unterschieden. Doch in vielen Darstellungen sind Drache und Lindwurm nicht eindeutig auseinander zu halten, weil sich vermeintliche Differenzen – Beinanzahl (2 oder 4), mit großen/kleinen Flügeln oder ohne Flügel, Tingierung und Feuerspucken et cetera – hier wie dort finden lassen. Diese Merkmale passen sich zuweilen dem Zeitgeist an und variieren, wenn sie im Blason nicht explizit festgehalten sind, bei der Darstellung ein und desselben Wappens im Laufe der Jahrhunderte.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist das Wappen von Klagenfurt, das eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Im ältesten Stadtsiegel aus dem Jahre 1287 wird weder ein Drache, noch ein Lindwurm dargestellt, sondern ein Mischwesen, das aus drei für die Romanik typischen Tiersymbolen besteht: Aus einem Hunde- oder Wolfskopf, einem Vogelkörper und einer dreifach geringelten Schlange. Dieses mythologische Wesen stellt die „Klag“ (Mehrzahl „Klagen“) dar, ein Mischwesen, das an Flussübergängen als Wasserdämon haust, Sterbefälle ankündigt und Menschen verschwinden lässt. Die ursprüngliche Bedeutung geriet im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit und aus der Klag wurde ein Drache.

Datei:Wappen at klagenfurt.png
Klagenfurter Stadtwappen

„Das Wappen der Stadt Klagenfurt zeigt einen schwebenden Drachen (und nicht einen Lindwurm, wie in der offiziellen Blasonierung beschrieben) vor einem Turm. Der Drache steht für die Gründungssage der Stadt(..) Ein Stadtsiegel wurde bereits 1280 erwähnt, das älteste im Original erhaltene Siegel stammt aus dem Jahr 1287. Auf dem Stadtsiegel von 1512 (sicher) sowie dem erneuerten Siegel von 1592 (vermutlich) wird ein zweibeiniger Drache dargestellt, in der Folge wechselt die Darstellung, wie auch bei der Figur auf dem Lindwurmbrunnen, zum vierbeinigen Lindwurm über. Während die Grundmotive und Tinkturen des Wappens immer feststanden, hat man sich erst im 20. Jahrhundert mit dem zweibeinigen Drachen für die Beibehaltung des ältesten Motivs entschieden.

Die amtliche Blasonierung des Klagenfurter Wappens lautet:

„Das Stadtwappen zeigt in Rot über grünem Schildfuß einen dreizinnigen, gequaderten silbernen Stadtturm mit rundbogigem Tor, vor dem in halber Höhe ein grüner Lindwurm querüber nach rechts schwebt.“

Lindwurm versus Basilisk

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Basilisk

Nie wird der Lindwurm mit einem Hahnenkopf dargestellt. Alle vermeintlichen Drachen und Lindwürmer, die mit einem Hahnenkopf dargestellt werden, sind Basilisken, selbst wenn im Blason etwas anderes steht. In dem Fall irrte der aufreißende Wappenkünstler und stellte einen Basiliken dar, wo laut Blason die Darstellung eines Drachen oder eines Lindwurmes gefordert war.

Begriffsgeschichte, Definition

In der heraldischen Literatur werden die Attribute des Lindwurmfigur teilweise widersprüchlich beschrieben:

Deutschsprachige heraldische Rezeption (Auswahl)
Reinhard

„Wenn (der Drache) keine Fluͤgel hat: so heißt er ein Lindwurm, (lateinisch draco non alatus, französisch dragon sans ailes.“

Querfurt

Lindwurm (richtig geschrieben »Lintwurm«) will man einen ungeflügelten Drachen nennen, namentlich, wenn er vier Beine hat, was jedoch zum Begriffe des Lintwurms nicht unbedingt nöthig ist. Zur Erklärung der Orthographie sei bemerkt: Lint, vorkommend in weiblichen Eigennamen wie Dietelint, Siglint, Gotelint und so weiter, ist ein uraltes Deutsches Wort und bedeutet »Schlange« daher denn der »Lintwurm« eine Tautologie enthält.“

Retberg

„Der ungeflügelte Drache heißt Wurm, Lintwurm, Lintrache.“

Gritzner

Lindwurm (Tafel XXII. Fig. 30—32.) nennt man den Drachen, sobald er vier Füsse hat. Der Lindwurm erscheint in vielen Wappen, welche an seinen Namen anklingen, z. B. Linde, Lindequist, Lindheim. Bei Grünenberg sind die Vorderpranken Kuhfüsse, in neueren Darstellungen hat er indess Löwenpranken; im Uebrigen ähnelt er dem Drachen in allem, kommt aber vielfach widersehend, selten feuerspeiend, anscheinend immer auf allen Vieren stehend vor, auch in Verbindung mit dem Lindenbaum.“

Leonhard

„Der Lindwurm präsentiert sich als vierbeiniges, reptilähnliches Ungeheuer mit großem, spitzen Kopf, geblähten Nüstern, starken Zähnen, stachelhäutigen Fledermausflügeln und einem dicken Ringelschwanz, der in einer Pfeilspitze endet. Eine Variante zeigt dieses Fabelwesen mit unterschiedlichen Beinen, die Vorderbeine in Form von Adlerfangen, die Hinterbeine Löwenpranken. Im Gegensatz dazu besitzt der Drache, ein feuerspeiendes Reptil, nur zwei Beine, einen Schuppenpanzer mit starkem, zackigem Nacken- und Rückenkamm, Hautflügel und einen Ringelschwanz.“

Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst (1978/2000)[9]
Oswald

„Lindwurm: Fabeltier aus Schlange mit den Hinterfüßen eines Löwen. Der Lindwurm ist meist schwarz tingiert und mit einem Lindenbaum dargestellt. Allgemein wird ein Drache ohne Flügel als Lindwurm bezeichnet.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[10]
Volborth

„Der Lindwurm ist ein Drache ohne Flügel. Im Althochdeutschen bedeutet lind oder lint eine Schlange. Im Niederländischen bezeichnet lintworm einen Bandwurm.“

Scheibelreiter

„Wird ein drachenähnliches Ungeheuer mit vier Füßen auf den Schild gemalt, so handelt es sich um einen Lindwurm. Diese feine Unterscheidung, deren Sinn ausschließlich auf eine genaue Differenzierung der Wappenfiguren gerichtet ist, kennt aber nur die deutsche Heraldik, während die fremdsprachige Wappenterminologie zwei- und vierfüßige Untiere dieser Art gleichermaßen als Drachen bezeichnet.“

Wappenbilderordnung

Der Lindwurm wurde zusammen mit dem Ausdruck Drache, vierfüßig in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Fabelwesen: Tiere mit Schlangenleib unter der Nr. 6143 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

Commons: Lindwürmer in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Drachen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Lindwurm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Blason: Auf blauem Schild einen geflügelten, zum Flug aufsteigenden, rot bewehrten und gezungten, goldenen (gold-grünen) Drachen (Lindwurm). Auf dem gekröntem Helm das gleiche Motiv. Die Decken sind Blau und Gold.
  2. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, Seite 803.
  3. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Seite 577.
  4. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 152
  5. Johann Paul Reinhard: Vollständige Wappen-Kunst Zweyte, sehr vermehrte Auflage. Nürnberg, 1778. S. 91 (Google)
  6. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 83.
  7. Ralf von Retberg: Die Geschichte der deutschen Wappenbilder. Aus Ralf von Retbergs Nachlasse. 1884. Posthum in: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien. XIII./XIV. Jahrgang. Wien 1886/1887. Seite 70.
  8. Maximilian Gritzner: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie. Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889
  9. Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 241 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).
  10. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 257
  11. Volborth, Carl Alexander von: Fabelwesen der Heraldik in Familien und Städtewappen, Stuttgart und Zürich 1996 Belser-Verlag, auch 2001. S. 33.
  12. Georg Scheibelreiter: Heraldik. Oldenbourg Verlag, Wien 2006, ISBN 3-7029-0479-4, S. 67.
  13. Blason: In Silber ein widersehender, feuerspeiender grüner Lindwurm.
  14. Blason: In Silber ein gezinntes rotes Stadttor mit offenem Tor, einem hohem schlanken, spitzbedachten und mit goldenem Knauf versehenen Mittelturm sowie zwei fünffach gezinnten Seitentürmen mit je drei betagleuchteten runden Fenstern übereinander; auf denen zwei zugewendete, golden bewehrte und rot gezungte schwarze Lindwürmer sitzen.
    Bedeutung: Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, festgelegt und unter der Nr. 127 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Es wurde 1997 von dem Barsbütteler Hans-Frieder Kühne neu gezeichnet und in der Tingierung der Lindwürmer überarbeitet. (Quelle: WittenburgW-Logo.png)
  15. Blason: Geteilt von Gold und Blau; oben ein schwarzer Lindwurm, unten ein silbernes Kirchengebäude mit Turm.
  16. Blason: In Silber ein aus einem grünen Dreiberg wachsender, feuerspeiender, rot bewehrter schwarzer Lindwurm.
  17. Blason: In Silber ein links gewendeter, widersehender, rot bewehrter grüner Lindwurm mit Flammenzunge.
  18. Blason: Unter silbernem Schildhaupt, darin nebeneinander vier senkrecht stehende, durchgehende rote Rauten, in Blau ein silberner Lindwurm.
  19. Blason: In Gold ein blauer Stab; vorn ein rückschauender, rot bewehrter und rot gezungter schwarzer Lindwurm; hinten zwischen zwei grünen Kleeblättern eine grüne Weizenähre. Das Wappen wurde am 14. August 1996 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 108 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Das Wappen wurde von dem Wismarer Heraldiker Roland Bornschein gestaltet.
  20. Blason: Gespalten und halbgeteilt; vorn in Gold ein widersehender schwarzer Lindwurm; hinten oben in Silber ein roter Vogel; hinten unten in Rot ein aufgerichteter, linksgewendeter goldener Adlerfang.
  21. Blason: In Silber ein feuerspeiender, rot bewehrter grüner Lindwurm mit hochgeschlagenem Ringelschwanz.
  22. Blason: In Silber ein steigender, vierbeiniger, rotgezungter schwarzer Drache (Lindwurm) mit einem grünen Lindenblatt in der linken Vorderkralle. Das Wappen wurde vom Heraldiker Uwe Reipert gestaltet.
  23. Blason: Von Silber und Rot im Wellenschnitt geteilt. Oben ein mit einem goldenen Schwert überdeckter, widersehender Lindwurm, unten ein Göpel in verwechselten Farben.
  24. Blason: Geteilt von Rot über Silber, darin ein Lindwurm in verwechselten Farben. Das Wappen wurde am 5. Oktober 1993 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt. Der Lindwurm soll als „redendes Element“ den Ortsnamen symbolisieren. Die Farben der ehemaligen Gemeinde sind Rot-Weiß. Das Wappen wurde von der Magdeburger Heraldikerin Erika Fiedler gestaltet. (Quelle: WormsdorfW-Logo.png)
  25. Blason: In Gold der silbern gerüstete heilige Georg auf schwarzem silbern gezäumten Ross, mit roter Lanze den sich am Boden krümmenden grünen Lindwurm durchbohrend.
  26. Blason: In Silber der hl. Magnus in rotem Gewand, dem vor ihm kauernden, feuerspeienden grünen Lindwurm mit der Rechten ein schwarzes Kreuz entgegenhaltend, die Linke erhoben.
  27. Blason: In Silber auf einem grünen Lindwurm stehend die heilige Margarethe in blauem Gewand mit goldener Krone, goldenem Nimbus und goldener Haartracht, in der Rechten ein goldenes Kreuz haltend.