Silant

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Eine ästhetisch beeindruckende Variante des Silant mit Adlerkopf/-rumpf, gezahnten Schnabel, Flammen speiend, roten Adlerflügeln, pfeilspitzförmigem Schwanz
(Wappen Kasan; gezeichnet von Hugo Gerard Ströhl, 1902)
Veröffentlichung von 1880: Wappen des Gouvernements Kasan (1708-1920)
Veröffentlichung von 1880 (Wappen des Gouvernement Kasan, aus: Gerbovnik Armorial Behnke; Гербовнике Бенке; bezogen auf die Wappenreform von 1856)

Der Silant (auch entsprechend der englischen Transkription der russischen Bezeichnung Zilant genannt; russischW-Logo.png Зилант aus tatarisch yılan/елан „Schlange“, tatarische Bezeichnung ajdaha-yılan „Drachenschlange“ zu persisch ‏اژدهاazhdahāW-Logo.png „Drache“) ist in der neueren Heraldik eine gemeine Figur; in der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens war diese Figur nicht gebräuchlich.

Geschichte und Darstellung

Mythologie

Der Silant, in der Mythologie oft als geflügelte Schlange mit dem Vorderteil eines Drachens vorgestellt, ist ein Fabelwesen der tatarischen und russischen Folklore. Es wird in Legenden über die Gründung der tatarischen Hauptstadt Kasan erwähnt.[1] Es gibt keine Beweise, daß das drachen-/schlangenartige Motiv mit Flügeln vor der mongolischen Invasion des Reichs der Wolgabulgaren (1223/1236) beziehungsweise vor der russischen Invasion von Kasan (1552) als Zeichen der Wolgabulgaren, der Stadt Kasan oder im Khanat Kasan geführt wurde (die damaligen tartarischen Städte und Dörfer führten keine Wappen im Sinne der abendländischen Wappenkultur).

15./16. Jahrhundert

Nichtsdestotrotz gibt es Spekulationen, die davon ausgehen, daß im Khanat Kasan (1438-1552) eine Flagge mit dem Motiv eines drachenartigen Fabelwesens gebräuchlich war und dieses als Vorlage für die Siegel-/Wappenfigur diente. Belegbar ist, daß Iwan der SchrecklicheW-Logo.png (1530-1584) nach der Eroberung von Kasan im Jahre 1552 ein silantartiges Motiv in sein Siegel aufnahm. Dieses erscheint auch im Siegel von Pseudodimitri I.W-Logo.png (†1606) und auf der Flagge von Alexei I.W-Logo.png (1629-1776).

Sowohl die gemeine Figur Silant als auch das gleichnamige mythologische Fabelwesen, dem die Siegel-/Wappenfigur womöglich nachempfunden ist, erscheinen im Laufe der Jahrhunderte nicht einheitlich. Es gibt mehrere Varianten, die teilweise stark voneinander abweichen. In den ersten russischen Darstellungen, in denen eine silantartige Siegel-/Wappenfigur erscheint, hat das Motiv einen Vogelkörper, Vogelflügel, Vogelschnabel, Vogelfüße und den Schwanz einer Schlange. Es ähnelt in diesen Darstellungen eher einem Basilisken, dem Fabelwesen Cockatrice oder einem Adler mit Schlangenschwanz - weniger dem klassischen Wappentier Drache, auch nicht einer geflügelten Schlange, wie sie beispielsweise aus dem Wappen Cranach bekannt ist.

16./17. Jahrhundert

Im 16., spätestens im 17. Jahrhundert assoziert man mit dem mythologischen Silant-Motiv weniger ein Fabelwesen mit vogel-, basilisk- oder schlangenartigem Aussehen, sondern eher eine drachenartige Fabelkreatur, die ähnlich wie ein Slawischen DracheW-Logo.png oder ein Wyvern erscheint (durchaus mit negativen Konnotationen). Die geänderte Perzeption ist auch in siegel-/wappenähnlichen Abbildungen dieser Zeit zu finden. Der Silant wird nicht mehr mit Vogelflügeln, Vogelschnabel et cetera dargestellt, sondern beispielsweise mit Fledermausfügeln, mit krokodilsähnlicher Schnauze und Schwanz sowie mit Drachen- oder Greifenohren.

17./18. Jahrhundert

Im Jahre 1730 wird per Dekret „in Silber eine schwarze Schlange (teilweise mit »schwarzer Drache« übersetzt), gekrönt mit der Goldkrone von Kazan, mit roten Flügeln“ das Wappentier des Kasaner Gouvernements, das von 1708 bis 1920 besteht. Seit dem 18. Oktober 1781 führt die Hauptstadt Kasan das gleiche Wappen, nur erscheint der Drache auf einem grünen Boden und nicht schreitend, sondern stehend, genau so, wie man das Motiv auch in älteren Darstellungen der bildenden Kunst manchmal zeigte.

19. Jahrhundert

Im Zusammenhang mit der Wappenreform von 1856, dem Wappen des Gouvernements Kasan, dem Wappen der Hauptstadt Kasan und einiger lokaler Wappen entstehen im 19. Jahrhundert Wappenaufrisse und Wappenbeschreibungen, die die gemeine Figur Silant unterschiedlich interpretieren. Mal erscheint das Motiv mit einer Schlangenzunge, mal speit es Flammen; teils besitzt die Figur einen Schwanz mit Pfeilspitze, teils kommt sie ohne Pfeilspitze aus; teils erscheint die Bewehrung in Gold, teils in Rot, teils werden rote oder goldene „Waffen“ nicht gefunden; mal erscheinen Kopf, Rumpf und Schnabel hahn-/adlerartig, mal drachen-/krokodils-/schlangenartig. Die Flügel sind mal adler-, mal fledermausartig.

20. Jahrhundert und später

Ab dem 20./21. Jahrhundert erscheint die Figur Silant nahezu ausnahmslos als eine eigentümlich drachenartige schwarze Gestalt mit roten Fledermausflügeln, ausgeschlagener Zunge mit Pfeilspitze, auf zwei (manchmal vier) adler-/hahnartigen Beinen, Schlangenschwanz ohne Pfeilspitze, schuppenartigen Körper, bekrönt mit einer goldenen Krone, einem drachenförmigen Kopf. Insgesamt eine Figur, die eher der chinesischen Drachenkultur nachempfunden zu sein scheint als der abendländischen.

Einzelnachweise

  1. Seite „Silant“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. Dezember 2013, 19:38 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Silant&oldid=125097028 (Abgerufen: 30. Januar 2014, 16:38 UTC)

Weblinks

 Commons: Silants in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Silants – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien