Hinterwappen

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Zwei gekreuzte Marschallstäbe im Hinterwappen („hinter dem Wappen“)

Der Ausdruck Hinterwappen (frz.: trophée; engl.: trophy) bezeichnet in der Heraldik Armaturen, die in der grafischen Darstellung teilweise durch den Wappenschild verdeckt werden („hinter“ ihm stehen), optisch aber an den Seiten (zum Beispiel unten oder oben, rechts oder links) hinter ihm hervorragen.

Darstellung

Hinterwappen erscheinen erst in der neueren Heraldik (besonders prachtvoll im 18. Jahrhundert) als Ergänzung eines Wappens; in der ältere Heraldik waren besondere Prachtmotive hinter dem eigentlichen Wappen nicht gebräuchlich. Sie gelten meist als „heraldisch unwichtig“ oder sogar als unheraldisch. Die Darstellung von für das Wappen unbedeutender Armaturen hinter dem Wappen wurde beispielsweise im 19. Jahrhundert von dem Heraldiker Curt Oswalt Edler von Querfurt heftig kritisiert:

Hinterwappen sind hinter dem Schilde stehende und an den Schildrändern hervorragende, meist nur unwesentliche und der Neuzeit angehörige Beigaben und gewöhnlich Standes-Symbole, zum Beispiel die päpstlichen Schlüssel, das Malteserkreuz, Krummstäbe und Schwerter, Fahnen, Marschallstäbe -- und nun vollends bei den Franzosen allerhand Attribute von Thron- und Hofbeamten oder sonstigen Würdenträgern, als da sind Anker, Scepter, Hellebarden, Fahnen etc. -- Das übelste Bombast wurde zur Zeit des Zopfstiles mit den Hinterwappen verübt, und wer da recht viel Gerüll -- Römische fasces neben Bajonettflinten, Ritterschwerter neben Pistolen, Kanonen und Morgensterne, Fahnen, Armbrüste, sprühende Bomben, Heerpauken und Feldtrompeten, Kanonenputzstücke, und so weiter, und so weiter hinter seinem schnörkelhaft verunstalteten Schilde aufgestapelt hatte, der dachte, er hätte es niedlich gemacht. Heutzutage treibt man die Wappen-Mummenschanze wieder anders, aber der Zopf, der hangt eben immer noch hinten.“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[1]

Hinterwappen: heissen die hinter dem Schilde stehenden, respektive dahinter oben, unten und zu beiden Seiten hervorragenden Attribute besonderer Stände und Würden. Hierzu gehören auch die wenig heraldischen „Armaturen“ (..).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Hinterwappen: hinter dem Schild angebrachte, aus den Schildrändern hervorragende, meist heraldisch unwesentliche Beigaben. Die das Hinterwappen bildenden Beigaben sind in den meisten Fällen Produkte der heraldischen Neuzeit. Dazu gehören die päpstlichen Schlüssel, Bindeschlüssel, Krummstäbe, Schwerter, Fahnen, Malteserkreuze, Marschallstäbe und anderes.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

Verwendung

„Nach dem Tode eines Papstes führte der verwaltende Kardinal in der Zeit der Sedisvakanz das päpstliche Banner zusätzlich hinter seinem Wappenschild. Ein oben mit einer Schwurhand versehenes Zepter erscheint hinter dem Wappen der Könige von Frankreich. Ebenfalls in Frankreich führten einige Hofwürdenträger ihre besonderen Amtszeichen hinter oder unter ihrem Wappenschild zum Beispiel der Reichskanzler und Siegelbewahrer zwei gekrönte Zepter, der Großkammerherr zweil Lilien, der Marschall zwei mit Lilien besäte Marschallstäbe und so weiter.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 67.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  3. 3,0 3,1 Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 203.


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Hinterwappen“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 16. April 2012 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.