Barett (Heraldik)

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Ein Barett (auch Barret geschrieben; früher gewöhnlich Biret; lat. birrus „kurzer Umhang mit Kapuze“; mittellat. barretum/birretum; frz.: béret; engl.: beret; schweiz. auch Béret [ˈbeʁɛ]; vielleicht aus dem Keltischen[1], im Irischen auch: bai read[2]) ist in der Heraldik allgemein:

  • eine gemeine Figur
  • ein Hilfskleinod
  • ein Oberbegriff unter dem gewöhnlich flache, runde oder eckige Kopfbedeckungen gefasst werden, die aus Wollstrick, Stoff, Samt oder gefütterter Seide bestehen und ohne Schirm oder Krempe sind (→ BarettW-Logo.png).

In der Früh- oder Blütezeit des Wappenwesen (11. bis 15. Jahrhundert) ist das Motiv nicht gebräuchlich.

Darstellung

Die gemeine Figur Barett ist, heraldisch stilisiert, gewöhnlich der gleichnamigen schirmlosen, runden oder nach oben viereckigen, flachen Mütze/Kappe nachempfunden und teilweise mit Stickereien, Schleifen und Federn verziert (die, falls vorhanden, gemeldet werden sollten). Das Barett erscheint in Wappen oft in Schwarz oder Rot, kommt aber auch in anderen heraldischen Farben vor.

In der neueren Heraldik findet man Barette, teilweise mit spezifischen Eigennamen, in unterschiedlicher Form, Ausführung und Gestalt. Es empfiehlt sich, diese speziellen Ausdrücke bei der Wappenbeschreibung und gegebenenfalls ergänzende Beschreibungen zu verwenden, um Verwechslungen zu vermeiden und aufreißenden Wappenkünstlern Hinweise zu geben, wie genau das entsprechende Barett in einem Wappen aufzureißen ist. Grob kann man zwischen folgenden, zumeist unheraldischen oder paraheraldischen Barett-Motiven unterscheiden:

Hauptartikel Als Teil ... (Kontext) Beispiel
einer akademischen Tracht;
wird zum Beispiel zum Talar getragen.
→ DoktorhutW-Logo.png
Martin Luther und Ulrich Zwingli mit Doktorhut
(1529/31)
Muster-Doktorhut.png
von kirchlicher Kleidung/Amtstracht
→ BirettW-Logo.png
Siebmacher Drei Barets.jpg
der Napoleonische Heraldik
ToqueW-Logo.png
Siebmacher Toque.jpg
einer Uniform
(zum Beispiel beim Militär, teilweise Polizei, Zoll, THW und Feuerwehr)
→ Barett (Uniform)W-Logo.png
eines Zeitgeistes, einer Mode-/Kunstrichtung et cetera
einer Kleidung bestimmter Bewegungen
(Wandervogel, Pfadfinder, Black Panther Party etc.)
einer juristischen Amtstracht
(zum Beispiel bei den Richtern des Bundesgerichtshofs, des Bundesverfassungsgerichts und den anderen obersten Bundesgerichten Deutschlands sowie bei Richtern und Staatsanwälten in Österreich)
einer nationalen, lokalen oder regionalen Hut-/Trachten-Tradition
zum Beispiel: → BaskenmützeW-Logo.png, Rastafari et cetera

Geschichte

„Das Barett ist seit dem 15. Jahrhundert in der europäischen Mode bekannt und wurde ursprünglich als Zeichen gebildeter Stände getragen. Über den Adel wurde das Barett zu einem europaweit beliebten Modestück bei Bürgertum und Bauernstand. Mit dem Aufkommen neuer Hutformen im Laufe des 16. Jahrhunderts, speziell im damals stilbildenden Spanien, wurde das Barett bis 1600 langsam wieder aus der Mode verdrängt. Bei den im späten 15. Jahrhundert ebenfalls aufkommenden Landsknechten war das Barett neben anderen Hutformen und Helmen eine sehr beliebte militärische Kopfbedeckung. Form und Ausführung waren an keine Richtlinien gebunden und orientierten sich nur am Geschmack des Trägers.
Als Barettschmuck dienten häufig Stickereien, Agraffen, Perlenschnüre (nur beim Adel) oder Federn (etwa bei den Landsknechten). Die Verbindung Talar und Barett entspricht der akademischen Amtstracht und wird heute vor allem in den angloamerikanischen Ländern bei Graduierungsfeiern getragen, neuerdings aber auch wieder in Deutschland.
Nach seinem Ende als Modestück hielt sich das Barett als Kopfbedeckung bäuerlicher Bevölkerungen. Sehr bekannt wurde das Barett in der Form der Baskenmütze, die zur Tracht der Schäfer in den gebirgigen Pyrenäen gehört.
In Deutschland erfuhr das Barett im freiheitlich denkenden Bürgertum mit den Befreiungskriegen als politisch motiviertes Kleidungsstück ein kurze Wiedergeburt. Es gehörte damals zur sogenannten Altdeutschen Tracht, die sich sehr frei an die Zeit Martin Luthers anlehnen wollte. Diese Kleidermode galt nach dem Wiener Kongress bei den wiedererstarkten deutschen Fürsten und Königen als so provokativ und aufrührerisch, dass sie teilweise verboten wurde. Als Bestandteil dieser Tracht ist das Barett bis heute bei einigen Studentenverbindungen Teil der Chargenkleidung.“

(Wikipedia (2013)[3]

Wappenbilderordnung

  • Die gemeine Figur Barett wurde mit dem Doktorhut in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Gegenstände der Bekleidung sowie Schmuck unter der Nr. 9706 aufgenommen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Duden: Das Herkunftswörterbuch, Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim 1989, ISBN 3-411-20907-0, S. 63 f.
  2. Norbert Nail, Joachim Göschel: Über Jena: Das Rätsel eines Ortsnamens: alte und neue Beiträge, Franz Steiner Verlag 1999, ISBN 3515075046, S. 90
  3. Seite „Barett“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. März 2013, 23:23 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Barett&oldid=116290977 (Abgerufen: 3. Juli 2013, 13:45 UTC)
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 378-379