Helmwulst

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(Anmerkung: nur Anklick-Diagramm; in dieser Form kein „echtes“ Wappen)

Der Helmwulst (oder auch nur Wulst beziehungsweise Bausch, Pausch, Türkenbund, Zindelbinde, Helmbinde, Helmlöhr, Brünlöhr oder Löhr genannt; französisch tortil oder bour[re]let; englisch wreath, nach James Parker fälschlicherweise auch roll oder torse)[1] ist in der Wappenkunde eine Binde, die wie ein Kranz oder ein Ring aus unterschiedlich gefärbten Zeug-/Tuchstreifen bzw. aus der Helmdecke zusammengedreht ist (und daher meist in den Tinkturen der Helmdecke oder des Wappens erscheint).

Darstellung

Der Wulst befindet sich in einem Wappen zwischen Helm und Helmkleinod. Teilweise befestigt man Bänder oder Schnüre an ihm.

Zwar denkbare, aber vermutlich anachronistische Nachbildung: Wulst auf Topfhelm
Bügelhelm mit Wulst
(Miniatur aus dem 15. Jhr.)
Reenactor mit Wulst auf Topfhelmen (eher anachronistisch)
Wulst auf dem Helm und der Wappenfigur (nach Wernigeroder Wappenbuch; ca. 1486)

Zwischen der Wulst und dem Helm kann sich noch die Helmdecke befinden. Die Aufgabe der Wulst ist oft der Ersatz der Helmkrone (besonders in bürgerlichen Wappen) oder ein Steckunterlage für Fahnen, Banner, Flaggen oder ähnliches. Die Binde verdeckt die Verbindungsstellen zwischen Helm und Helmzier (Löcher, Schnüre, Schrauben, Öhre und ähnliches). Viele Dinge werden zur Zier des Oberwappens auf der Helmwulst befestigt. In der englischen Heraldik sind auf den Schild gelegte Wülste keine Ausnahme.

Wird ein Wulst gemeldet, sollte er in jedem Aufriss des Wappens erscheinen; wird er nicht gemeldet, ist seine Darstellung in der deutschsprachig-geprägten Wappenkultur optional (das heißt, er kann im Rahmen einer anzustrebenden Gesamtharmonie in einem Wappenaufriss erscheinen, kann aber auch ganz weggelassen werden).

Oft finden die heraldischen Farben des Wappenschildes im Wulst ihre Wiederholung; die Farben der einzelnen Wulstwindungen sollten mit denen der Helmdecke übereinstimmen (müssen es aber nicht). Ist ein Decke mehr als zweifarbig, erscheint der Wulst oft entsprechend mehrfarbig in den Farben der Decke. In welcher Farbkombination die einzelnen Windungen des Wulstes aneinandergereiht werden, ist im deutschsprachig-geprägten Wappenwesen nicht starr festgelegt. Wird eine Farb-Reihenfolge explizit im Blason beschrieben, sollte dieser im Wappenaufriss Rechnung getragen werden. Grundsätzlich ist für die Wappendarstellung nicht von Bedeutung, ob der Helmwulst heraldisch rechts oder heraldisch links mit Farbe oder Metall beginnt beziehunsweise endet, Hauptsache die angewendeten Farben/Metalle für die einzelnen Helmwulstwindungen erscheinen alternierend. Die Anzahl der Wulstwindungen ist nicht fest vorgeschrieben, sollte aber nicht zu klein und nicht zu groß gewählt werden, damit keine Disharmonie im Gesamtbild des Wappen erzeugt wird.

Wulst als gemeine Figur

etwa 1335 bis 1345: Helmwulst bzw. „Ring“ in Aufsicht als gemeine Figur und in der Helmzier
(Wappen von RingenbergW-Logo.png)

Der Helmwulst erscheint in Wappen nicht nur als Binde zwischen Helm und Helmkleinod, sondern kann auch eine gemeine Figur sein. Die Art der Darstellung („frontal“, „in Aufsicht“ und so weiter) sollte gemeldet werden.

Herkunft

Die Verbreitung des Wulst nahm vermutlich von England und Frankreich ihren Ausgang. In den Ländern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verbreitete sich der Wulst zu Beginn des 14. Jahrhunderts (zumeist beim niederen Adel und bei den Patriziern).

Französische Heraldik

Der Tortillon war in Frankreich eine Auszeichnung für Ritter, den Chevallier. Chevallier ist eigentlich ein Titel des mittleren Adels. Dieser Kaste gehörten die Begleiter und Hofkavaliere an. Der Tortillon war nach Hugo Gerard Ströhl gewöhnlich zweifarbig und besitzt Bänder:

„Die Auszeichnung der Chevaliérs in Frankreich besteht dagegen in einem zweifarbigen Wulst (Tortillon) mit abflatternden Bändern. (Fig. 52.)“

Wappenbilderordnung

  • Der Helmwulst wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) unter der Nr. 9719 als gemeine Figur aufgenommen (zusammen mit den Motiven Feldbinde, Stirnbinde und Schärpe)[4].

Siehe auch

Weblinks

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Übergangslösungen: Wulste, Kronen und Kissen

 Commons: Helmwulst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Wulst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 James Parker; Henry Gough (Mitarbeit): A glossary of terms used in heraldry. A New Edition, with one thousand Illustrations. James Parker und Co., Oxford und London 1894, S. 631 (Google – Basierend auf einer Ausgabe von 1847 von seinem Vater J. H. Parker; Illustrationen: James Parker und seine Tocheter Irene Hore, geborene Parker).
  2. Blason: „In Rot aus einem goldroten (frontalen) Wulst wachsend einen blaubezungter, blaubewehrter goldener Löwen.“
  3. Hugo Gerard Ströhl: Heraldischer Atlas. Stuttgart 1899.
  4. Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index.
    Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Helmwulst“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 17. April 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.