Behelmt

Aus Heraldik-Wiki
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ca. 14. Jhr.: Löwe mit übergestülptem Helm
(Wappen derer von BültzingslöwenW-Logo.png nach Ehrenkrook, 1942)
Löwe mit einem goldenen Helm, der über einer rot-silbernen Wulst mit silbern und rot geteilten Fähnchen besteckt ist.
(Wappen Haynrode)
1605: Adler mit über den Kopf gestülpten Stechhelm (Stählin von Storcksburg)
Adler mit über den Kopf gestülpten Spangenhelm (Prenzlau)

Behelmt (auch verkappt, „... mit Helm“ o. ä.; französisch casque oder heaumé; englisch with helmet) ist in der Heraldik ein allgemeiner Ausdruck, der bei der Wappenbeschreibung gemeine Figuren bezeichnet, die im Wappen mit (übergestülpten) Helm, Rüstungsteil oder helmähnlichen Objekt dargestellt sind.

Bedeutung

Allgemein sind jene Wappenfiguren „behelmt“, die in einer heraldischen Darstellung einen Helm über den Kopf tragen. Zu diesen Figuren und Objekten können Tiere, Menschen und Engelwesen, Wappen- und Fabeltiere und so weiter zählen. Auch Dinge des täglichen Lebens und andere heraldischen Objekte, die im Wappen mit einem übergestülpten Helm oder mit etwas Vergleichbaren erscheinen, können in gewisser Weise als „behelmt“ beschrieben werden (beispielsweise blasoniert man Türme in der Heraldik manchmal als „behelmt“, wenn sie im Wappen mit Dach erscheinen).

Die Meldung „behelmt“ erfolgt in der Wappenbeschreibung nur, wenn sich der Helm nicht aus der gebräuchlichen Bezeichnung einer gemeinen Figur ableiten läßt. Beispielsweise gibt es keine gebräuchliche Bezeichnung für einen Löwen, der einen Helm trägt (daher: „behelmter Löwe“); wird im Wappen aber ein „geharnischter Mann“ dargestellt, kann die Meldung „behelmt“ entfallen, da dieser normalerweise mit Helm erscheint.

Wappenminderung / Bastardwappen

  • Otto Titan von Hefner vertritt die These, daß behelmte Figuren ein Symbol für die uneheliche Herkunft des Trägers (eines „Bastards“) aus dem (Hoch-)Adel sein können.
  • „Behelmung“ oder „Verkappung“ dienten auch der Wappenminderung. Landesherren wiesen entsprechende Veränderungen an Wappen als Strafe an. Beispielsweise ordnete der Kurfürst von Brandenburg an, den brandenburgischen Adler im Stadtwappen von Prenzlau zu „behelmen“, weil die Prenzlauer 1425 den pommerschen Truppen die Tore geöffnet hatten. Und der böhmische Löwe im Stadtwappen von Ústí nad Labem (dt. Aussig) wurde „behelmt“, weil die Stadtbewohner die Hussiten aufgenommen hatten.[1]

Darstellung

„Behelmte“ Figuren sind grundsätzlich mit einem Helm darzustellen, wie er bei den Turnieren von den Rittern getragen wurde (also entweder mit Topf-, Kübel-, Stech- oder Spangen-/Bügelhelm, aber nicht mit einem Römerhelm oder dergleichen). Gemeine Figuren, die durch überlieferte oder andere Attribute oder Kleidungsstücke eindeutig bestimmt werden, bilden wie „behelmte“ Gebäude eine Ausnahme. Wird beispielsweise eine behelmte Pallas Athene in einem Wappen dargestellt, so ist die Darstellung des aus der bildenden Kunst bekannten Athene-Helms in der Heraldik gebräuchlich.

Soll ein bestimmter Helmtyp im Wappen erscheinen, so ist dies explizit zu melden (z. B. „über den Kopf gestülpter Spangenhelm“). Anderenfalls steht es dem Wappenkünstler frei, einen der genannten Helmtypen gemäß grafischer Erfordernisse des Gesamtwappenbildes darzustellen. Auch besondere Eigenschaften des Helmes (mit Wulst, mit Fähnchen besteckt et cetera) sind zu melden.

Galerie

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Helme in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: behelmt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Gert Oswald: Lexikon Heraldik. Seite 407.