Krebslöwe

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Krebslöwe (Wappen der Familie Grasmann, Aufriß Roderich von Haken, 1910)
Krebslöwe (Wappen der Familie Grasmann, Aufriß Siebmacher/Gritzner, 1888)

Das Wappentier Krebslöwe, auch Hummerlöwe genannt (frz.: lion, la moitié supérieure en forme d'une écrivisse; engl.: lion the upper half in form of a crawfish), ist in der Heraldik eine sehr seltene gemeine Figur.

Geschichte

Der Krebslöwe ist für die Früh- und Blütezeit der Heraldik als Motiv nicht überliefert. Als Quelle für den Krebslöwen wird bei Siebmacher, Rheude, Volborth und anderen immer das bürgerliche Wappen Grasmann aus dem Wernigeroder Wappenbuch (zwischen 1486 und 1492) angegeben.

Grasmann, ein im Wernigeroder Codex vorkommendes bürgerliches Geschlecht. Wappen: in Silber ein Doppeltier, vorn roter Krebs hinten ein Löwe. Gekrönter Helm: zwei Krebsscheeren. Decken: rot weiß.“

Siebmacher/Gritzner (1888)[1]

Das ist insofern unglücklich, als der Krebslöwe in Band 1 des Wernigeroder Wappenbuchs nicht zu finden ist und der Band 2 verschollen ist. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, daß der Krebslöwe erst seit dem 16. Jahrhundert zur gemeinen Figur „gemacht“ wurde. Eine ältere Darstellung, wenn nicht die älteste, die sich belegen läßt, findet sich im Armorial de Ribeaupierre (16.-17 Jahrhundert)[2].

Augenfällig ist, daß die Sternzeichen „Löwe“ und „Krebs“ nah beieinander liegen. Viele überlieferte Darstellungen der bildenden Kunst und der Sternenatlanten gleichen entfernt dem heraldischen Mischwesen. Ob es zwischen dem Krebslöwen der Heraldik und den Motiven in der bildenden Kunst und in den Sternenkarten einen Zusammenhang gibt, müssen neuere Forschungen zeigen.

Darstellung

Der Krebslöwe ist eine Chimäre mit dem Kopf und dem Hals und den Vorderbeinen eines Krebses/Hummers und dem Körper eines Löwen. Da er sehr selten ist, gibt es keine expliziten heraldischen Vorgaben für ihn, außer jene, die für löwen- und krebsartige Wappentiere allgemein gelten.

Wappenbilderordnung

Der Krebslöwe wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) unter der Nr. 6411 aufgenommen.

Siehe auch

Quellen

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, V. Band, 3. Abteilung: Zweitausend bürgerliche Wappen (Ad. M. Hildebrandt, G. A. Seyler). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1888.
  2. Herrn Bernhard Peter ein herzliches Dankeschön für den wertvollen Hinweis auf diese Quelle.