Mannslöwe

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(Aufrechter) Mannslöwe
 
1638: Wappen Jacob Fünckh (nach dem Wappenbuch des Ungeldamtes Regensburg)
 
1889: (nach Siebmacher)
1475–1500: Mannlöwe mit Kopftuch
(Wappen der Tungast von Klebstein nach Wernigeroder Wappenbuch; im Arlberger: Fraulöwe )
1917: Löwe mit hersehendem Mannskopf
(Wappen Salzmann, Basel; nach Staehelin)
1861: Schreitender widersehender Mannlöwe
(Familienwappen Götschler, nach Otto Titan von Hefner)

Der Mannslöwe (auch Mannlöwe, „Löwe mit Mannskopf“, „oberer Teil Mann, unterer Teil Löwe“ oder mißverständlich Löwenmann genannt; französisch lion á tête d'homme; englisch lion with man's head, man-lion) ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur.

Darstellung

Grundsätzlich wird der Mannslöwe als Mischwesen aus Mann und Löwe dargestellt. Die Mischung der Körperteile variieren je nach Wappenaufriss.

  • Teilweise befinden sich nur der Kopf und evtl. der Hals eines Mannes auf einem Löwenkörper;
  • teilweise besteht der Mannanteil des Mischwesens vom Mannkopf abwärts bis zum nackten Brust. Er geht im Extremfall aber bis hinunter zum Bauchnabel und evtl. sogar noch kurz darunter.

Der Unterkörper wird sets als Löwe dargestellt. Unabhängig von den Körperanteilen besitzt der Mannslöwe vier Löwenglieder/-pranken. Gewöhnlich steht er aufrecht auf den Hinterbeinen und streckt eine Vordertatze nach oben, eine nach unten oder geradeaus. Die Figur kommt aber auch schreitend oder in anderen Körperstellungen vor. Der Mannslöwe besitzt normalerweise einen Löwenschwanz und erscheint ohne Hörner und ohne Kopfbedeckung. Besondere Attribute sind zu melden.

Mannslöwe (Tafel XXI. Figur 37.): Löwe mit rechtssehendem bärtigen Mannskopf.“

Siebmacher / Maximilian Gritzner: 1889[1]

„Mannlöwe: schreitend; golden auf grünem Dreiberg in schwarz: Götschler, Salzburg (637)“

Otto Titan von Hefner: 1861[2]

Nach Siebmacher erlaubte Hans von den Brüdern, Bürger zu Hall, am 22. Mai 1384 dem Gmünder Endres Funk das Führen eines Wappens, in welchem ein Mannslöwe (Löwe mit Menschenkopf) dargestellt wird.

Varianten

Mantikor („Martigora“), Stich von Joannes Johnstonus (1678)

Es gibt einige Varianten des Mannslöwen, die in ihrer Darstellung weder in der bildenden Kunst noch in der Heraldik einheitlich sind. Um Verwechslungen zu vermeiden, ist es ratsam, in der Wappenbeschreibung gegebenenfalls nicht nur die Mannslöwen-Variante, sondern auch die besonderen Attribute des jeweiligen Wappenwesens exakt zu nennen (Schwanz mit Skorpionstachel, langer Hals, kleine Hörner, Keilerstoßzähne et cetera).

  • Satyral: nennt sich in der englischen Heraldik ein Mannslöwe mit einen männlichen, meist bärtigen Greisenkopf mit den Hörnern einer Antilope.
  • Mantikor: Ein Fabelwesen, dessen Erscheinung je nach Quelle sehr unterschiedlich beschrieben wird (meist als Mischwesen aus Löwenkörper, mit langem Hals und einem menschlichen Gesicht und mit Skorpionschwanz).

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Literatur

  • Carl Alexander von Volborth: Fabelwesen der Heraldik. in Familien- und Städtwappen. Belser AG für Verlagsgeschäfte & Co. KG, Stuttgart, Zürich 1996, ISBN 3-7630-2329-1.

Einzelnachweise

  1. Quelle: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889 - Menschen und Deren Körpertheile - Weibslöwe)
  2. Hefner, Otto Titan von: Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. Weißenburg, Nordgau. 1861. S. 91. Tafel XVIII. Nummer 637