Hase (Wappentier)

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1509: Drei Hasen/Kaninchen übereinander im Wappen des Königs von CoimbraW-Logo.png
1459: Sitzender Hase im Wappen derer von Werdenstein
1605: Hase im im schlesischen Familien­wappen die Hasen
1744-1773: Laufender Hase im Familienwappen Haas (Schaffhausen)
1744-1773: Aufgerichteter Hase im Familienwappen Saathas (Schaffhausen)

Hase (lateinisch lepus; französisch lièvre; englisch hare) und Kaninchen (französisch lapin, garenne; englisch rabitt) sind als Wappentiere in der Heraldik unterschiedliche gemeine Figuren oder Schildhalter, die sich schwer unterscheiden lassen.

Geschichte

Nach Ralf von Retberg erscheint das Motiv Hase spätestens im 13. Jahrhundert im Wappenwesen.[1]

„Hase (..): das uralte Wappenbild der tirolischen Hassenried, sowie dann auch das Stammwappen der Haßenkop (..) in Mecklenburg 1221, welches gegen das Ende des 13. Jahrhunderts dem Stammwappen der Maltzan (einer Stechpalmstaude) zugestellt wurde, kommt im 14. Jahrhundert (..) als Helmzier sogar stehend in ganzer Gestalt vor.“

Darstellung

Die grundsätzliche Ausrichtung bei Hase und Kaninchen ist wie bei den anderen Wappentieren nach heraldisch rechts. Heraldische Tinkturen sind beim Hasen oder Kaninchen nicht beschränkt. Beiden werden zuweilen heraldische Objekte in die Vorderläufe gelegt (Rübe, Kleeblatt, Krone, Schwert und so weiter). Ist dies der Fall, so ist es bei der Wappenbeschreibung zu melden. Hase wie Kaninchen treten im Wappenschild auch im Oberwappen auf.

In der Regel sind Hase und Kaninchen in Wappen so gut wie nicht unterscheidbar. Welches Wappentier dargestellt wird, erschließt sich, wenn überhaupt, manchmal nur aus der Blasonierung. Körper- und Ohrenhaltung sind Anhaltspunkte, sind aber nicht immer schlüssig oder eindeutig in einem Wappen aufgerissen.

Hase

Grundsätzlich ist der Hase an seinen langen oft aufgestellten Ohren erkennbar. Auch die gestreckte Körperform ist für einen Hasen typisch. Dabei wird das Tier im schnellen Lauf oder stehend dargestellt. Gelegentlich sind ein oder zwei, drei Hasenköpfe im Wappen dargestellt. Drei Hasen werden auch im Dreipass („Dreihasenbild“) gestellt. Das erfolgt in Anlehnung an das Maßwerk des sogenannte Hasenfensters im Paderborner Dom.

1889: Hase
(nach Siebmacher)

Hase ein in Wappen ebenfalls ziemlich seltenes Thier, es führen ihn z. B. aufrecht (Tafel XVII. Figur 27.) die von Stützlinger in Bayern, und von Haza-Radlitz in Schlesien, sitzend: die Freiss und Häseler in Oesterreieh und laufend die von Haasi in Bayern und von Haas in Thüringen. 2 Hasenköpfe, abgeschnitten übereinander zeigt das vordere Feld des Wappens der Familie Maltzan, als das anererbte der † von Hasenkop.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Hasenkopf/Hasenrumpf

Rechts, übereinander zwei abgeschnittene Hasenköpfe
(Grab der Ritter Heinrich [† 1341] und Ludolf [† 1331] MaltzahnW-Logo.png; Klosterkirche zu DargunW-Logo.png)

Hasenkopf und Hasenrumpf (das ist ein „gestümmelter“ Hase, also nur Hals und Kopf, ohne Vorderbeine) sind gebräuchliche Ausdrücke für Wappenfiguren. Gewöhnlich wird im Wappenwesen weder in der Darstellung noch in der Wappenbeschreibung zwischen einem Halstück (Halskopf mit langem Hals bzw. Halsrumpf) und einem Kopfbild (nur Halskopf, ohne Halsansatz) differenziert. Die genaue Darstellung erfolgt im Rahmen der Gesamtharmonie eines Wappens/Wappeaufrisses und obliegt letzlich der künstlerischen Freiheit. „Hasenrümpfe", „Hasenkopf" werden bevorzugt als „abgeschnitten" und nicht als „abgerissen" dargestellt.

Kaninchen

1509: Kaninchen im Fabelwappen Rei de Tarse
(vermutlich: „König von TartessosW-Logo.png“ oder „König von TarsisW-Logo.png“; unwahrscheinlich: „König der TatareiW-Logo.png“ und „König von TarsusW-Logo.png“)

Kanichen werden im Gegensatz zum Hasen grundsätzlich „gekrüpft“ oder „schmiegend“ dargestellt.[8] Die meisten Kaninchen befinden sich in einer Sitz- oder Kauerhaltung und haben kurze angelegte Ohren (im Unterschied zu stehenden oder sich in Bewegung befindenden Hasen mit langen und aufgestellten Ohren). Ein Kaninchen sollte immer als solches beschrieben werden, um Verwechslungen zu vermeiden.

Kaninchenfiguren können zum Beispiel in Fabelwappen erscheinen, um einen Bezug zu Spanien oder eine Region in Spanien zu versinnbildlichen (der Ausdruck „Spanien“ ist entlehnt von lateinisch Hispania und seiner seit dem 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung belegten Kurzform Spania; das Wort soll phönizischen Ursprungs sein und soviel heißen wie „Kaninchenküste“ bzw. „Land der Kaninchen“).[9]

Dreihasenbild in der Heraldik

Das Dreihasenbild ist in der Heraldik eine gemeine Figur. Sie erscheint in Form von drei springenden Hasen, die in Kreisform angeordnet sind und zwar so, dass jeder Hase zwei Ohren hat, auf dem Motiv aber insgesamt nur drei Ohren dargestellt sind (vgl. → „Dreihasenbild“W-Logo.png)

Hase/Kaninchen als Jagdbeute

1531: Greif mit Hasen in den Vorderpranken
(Wappen von Nikolaus II von Salm und Neuburg am Inn;
Szépművészeti MúzeumW-Logo.png, Budapest)

Manchmal erscheinen die Figuren Hase/Kaninchen in Wappen als eine Art „Jagdbeute“ eines anderen Wappentiers. Die Stellung beider Wappentiere zueinander ist zu melden (zum Beispiel: im Maule, Schnabel, Rachen oder mit den Vorderbeinen, Krallen und so weiter haltend/greifend/fangend).

Seehase

Seehase im historisches Wappen von Parchwitz

Eine Besonderheit ist der „fischgeschwänzte Hase“, genauer: der Seehase (frz.: lièvre mariné; engl.: sea-hare). Bei dieser fiktiven Figur erscheint das Hasenhinterteil als Fischschwanz.

Beispiel für redendes Wappen

Der Hase befindet sich als redendes Wappentier auf vielen Wappen (beispielsweise bei Familiennamen wie Haase, Hahse, Has oder Haas). Für den bildlichen Bezug genügt eine ähnliche Aussprache (Gleichklang) von Namen und Wappentierbezeichnung. Eine exakte orthographische Übereinstimmung von Name und Bild ist nicht unbedingt notwendig.

Wappenbilderordnung

Paraheraldik

Kaninchen werden häufig in den Parawappen von Zuchtvereinen dargestellt; Hasen zum Beispiel als Truppenkennzeichen.

Weblinks

 Commons: Hase in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. Verlag Georg D.W. Callwey, München 2003, ISBN 3-8289-0768-7
  • Hofmann, M.: Der Hase im Wappen. In: Fränkische Landeszeitung. Neustadt a. d. Aisch. 23.09.1961.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ralf von Retberg: Die Geschichte der deutschen Wappenbilder. Aus Ralf von Retbergs Nachlasse. 1884. Posthum in: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien. XIII./XIV. Jahrgang. Wien 1886/1887. Seite 12.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  3. Blason: „In Gold (Gelb) eine blaue rechte Seitenspitze, worin ein springender goldener (gelber) Hase.“
  4. Blason: „In Gold ein erniedrigter, flacher blauer Sturzsparren. Oben ein roter Hase im Lauf, unten zwei auswärts geneigte grüne Eichenblätter.“
  5. Blason: „Geteilt von Silber und Schwarz; oben ein naturfarbener (brauner), wachsender Hase.“
  6. Blason: „Von Grün und Gold schräglinks geteilt. Oben ein sitzender goldener Feldhase, unten fünf schwarze Grasbüschel.“
  7. Blason: „In Rot aufrecht sitzender goldener Hasen mit silbernen Pedum (Bischofsstab) in den Vorderpfoten.“
  8. Vgl. Gatterer, Johann Christoph: Abriß der Heraldik oder Wappenkunde: zum Nutzen der studierenden Jugend entworfen und zuerst mit acht Kupfertafeln erläutert. Raspe. 1774. S. 36.
  9. Rudolf Köster: Eigennamen im deutschen Wortschatz. Ein Lexikon. Walter de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 978-3110177022, Seite 167


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Hase_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 9. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.