Stephan Brechtel der Ältere

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1574: Stephan Brechtel der Ältere (nach Tobias Stimmer und Bernhard Jobin)

Stephan Brechtel der Ältere (Stephan Brechtel d. Ä.; latinisiert Stephanus Brechtelius, auch ohne Zusatz Stephan Brechtel, Stefan Brechtel, Stephan Brechtl, Stef[f]an Brechtl, Stephan Prechtel, Steph. Brechtl und anderes mehr; * 1523 in Bamberg; † 24. Juni 1574 in Nürnberg [nach Will † 26. Juni 1574, nach Pilz † 27. Juni 1574][1][2] und  27. Juni 1574 ebenda, Grab Nr. 601 auf dem JohannisfriedhofW-Logo.png)[3] war ein deutscher Kunstschreiber (KalligrafW-Logo.png, SchönschreiberW-Logo.png, Schreibmeister), ModistW-Logo.png, Visierer (Eichmeister), BüchsenmeisterW-Logo.png, MathematikerW-Logo.png und Heraldiker.

Leben

Brustbild von Stephan Brechtel auf Gedächtnismünzen
(nach Doppelmayr, 1730)
(nach Will, 1767)

Brechtel wurde als Sohn des gleichnamigen Stephan Brechtel 1523 in Bamberg geboren. Über seine Kindheit ist nichts bekannt. Nach den meisten Autoren ging er als 17jähriger bzw. im Jahre 1540 nach Nürnberg und ca. 1545 nach Leipzig. In diesen Städten scheint er der Algebra und der Rechenkunst (ArithmetikW-Logo.png), der Raumlehre (GeometrieW-Logo.png) und der „Sonnenuhr-Kunst“ (GnomonikW-Logo.png) nachgegangen zu sein (je nach Quelle teils in dem einen, teils in dem anderen Ort). Zu seinen Lehrern gehörten unter anderem in Nürnberg wohl Johann Neudörffer der ÄltereW-Logo.png (1497-1563) und in Leipzig der Rechenmeister Leonhard Se(e)hofer, der gebürtig aus Amberg war. Die meisten Biographen geben an, dass Brechtel in Leipzig zum BüchsenmeisterW-Logo.png ausgebildet wurde und bei der Belagerung Leipzigs im Schmalkaldischen KriegW-Logo.png 1546/47 als solcher tätig war (durch das Werk von Franz Joachim Brechtels Sohn wissen wir, dass der Vater seine Büchsenmeisterkenntnisse an diesem weitergab).[2][4][5][6] Kurz darauf ging Brechtel nach Nürnberg zurück und erhielt im Jahre 1548 die Bürgerrechte der Stadt. Am 28. August des gleichen Jahre (nach anderen 1549) heiratete er Veronika/Veronica Heyden († 23. September 1582), die Tochter des Komponisten, Dichters und Rektors der Sebald-Schule in Nürnberg Sebald HeydenW-Logo.png (1499-1561). Das Paar hatte elf Kinder:[5]

  1. Magdalena (* 21. Februar 1550)
  2. Sibylla (* 05. Mai 1551)
  3. Veronica (* 14. Juli 1553)
  4. Franz Joachim (* 09. Dezember 1554; † 20. September 1593)
  5. Katharina (* 18. Februar 1557)
  6. Stephan, genannt der Jüngere (* 29. Mai 1558; † 25. Oktober 1587)
  7. Johann Heinrich (* 09. August 1559)
  8. Susanna (* 08. Juli 1562)
  9. Maria Magdalena (* 31. August 1563)
  10. Anna (* 19. Januar 1566)
  11. Christoph Fabius (* 14. Januar 1568; † 09. Okober 1622)

Im Jahre 1550 kaufte Brechtel in Nürnberg das ehemalige Wohnhaus des Veit StoßW-Logo.png (um 1447-1533), welches im Jahre 1534 an Hans Behaim dem Jüngeren übergegangen und nach dessem Tod an seine Töchter gefallen war („ein großes Eckhaus mit Hof, Seitengebäude und Hinterhaus in der [später nach ihm benannten alten] Prechtelgasse 14 [heute etwa Martin-Treu-Straße]“)[3][4]. In Nürnberg gab er in seinem Haus Schreib- und Rechenunterricht.[6] Im Jahre 1561 (als in Nürnberg die Pest wütete) verließ Brechtel die Stadt und lebte zwei Jahre lang in seine Geburtstadt Bamberg. 1563 kehrte er nach Nürnberg zurück. Im gleichen Jahr wurde er „Genannter des Größeren Rats der Stadt Nürnberg“ und nach dem Tod seinen ehemaligen Lehrers Neudörffer testamentarisch dessen „Geschäftsexekutor“, der ab da an Neudörffers Schüler unterrichtete.[5] Nach Christine Sauer starb die Familie Brechtel 1644 aus.[7]

Familienwappen

Wappen Brechtel
(nach Doppelmayr, 1730)
(nach Will, 1767)

Das Wappen der Familie Brechtel, dessen Farben nach Siebmacher nicht bekannt sind,[8] erscheint auf verschiedenen Gedächnismünzen, die einigen Mathematikern zu Ehren angefertigt wurden, nicht einheitlich. Abbildungen der Münzen finden sich in den Werken von Doppelmayr und Will 1730 beziehungsweise 1767.[6][9] Nach Will ist das Brechtelische Wappen folgendermaßen zu beschreiben:

„Der Schild ist durch die eingeschobene gestürzte Spitze getheilet; der ober sich gekehrte breite Theil der Spitze ist mit einer Lilie besetzet; auf dem Stechhelm ist ein offen Flug, und jeder Flügel mit der Lilie bezeichnet.“

Seiner Auffassung nach hat Doppelmayr das Wappen nicht korrekt abgedruckt („Dem sel. Heren Doppelmayr war die heutige [Münze] nicht bekannt, und auf Revers der größeren runden hat er das Wappen nicht genau abbilden lassen, indem so wol im Schilde die Spitze. als in den beyden Flügeln auf dem Helm die Lilie nicht angezeigt ist“)[9]. Folgt man Will, ist das Wappen Brechtel auch im Siebmacher von 1858 falsch beschrieben und falsch aufgerissen.[8]

Wirken

Von Stephan Brechtel haben sich wenig bis keine Zeugnisse seiner Lehrtätigkeit erhalten; die überlieferten Drucke und Handschriften zu Geometrie, Algebra und Feldmesskunst sind Belege für seine vielseitigen Interessen.[7]

Heraldisches Werk

1554 bis 1568: Kalligraphie von Brechtel
(Titelseite seines Wappenbuchs)

Zwischen 1554 bis 1568 verfasste Brechtel, sich selber in der Vorrede als „Bürger und Arithmeticum zu Nürnberg“ bezeichnend, ein Wappenbuch mit 505 Blättern und mit rund 1100 Territorial-, mehrheitlich aber Familienwappen des Heiligen Deutschen Reichs und auch fremder Herrschaften (Wappenbuch des Heiligen Römischen Reiches, BSB München: Cod.icon. 390). 2015 macht Marianne Reuter darauf aufmerksam, dass eine zeitgenössische Würdigung dieses Werks nicht vorliegt:

„Durch Otto Hupp bekannt gemacht, fehlt seither eine neuere Würdigung durch die Forschung.“

Marianne Reuter (2015)[10]

Das Wappenbuch ist nicht nur für die Heraldik von Interesse, sondern auch einer der wenigen überlieferten Belege für Brechtels kalligraphisches Wirken.

Werke (Auswahl)

  • Wappen aller hohen Potentaten, derer Fürsten, Herren, Freyherren und anderer adelichen Personen. bzw. Wappenbuch des Heiligen Römischen Reiches. Nürnberg um 1554-1568. (Handschrift, BSB München: Cod.icon. 390; urn:nbn:de:bvb:12-bsb00020447-3)
  • Erklärung über die gründliche Unterweisung und Demonstration, die Michael Stiefel zu Christoph Rudolphens deutscher Coß. Nürnberg, 1553/1554. (von Brechtels Sohn Christoph Fabian herausgegeben)
  • Antorffer Wechsel, daraus gelehrt wirdt, wann man zu Nürmberg, Augspurg, Franckfurt, Ulm oder anderer ortt teutscher Landen, ein Summa gelts reinscher müntz auff wechsel nimbt. 2 Teile. Nürnberg, Selbstverlag 1568.
  • Nachricht, wie man die inhaltende Plätze oder Flächen eines jeden Landes recht und gewies abmessen und finden soll. 1572.
  • Anweisung zum Feldmessen. Nürnberg 1578. (in Geheimschrift: „hab ich abgeschriben von des Steffan Prechtels selligen unterricht den er dem doctor Jorg Kanler hat gestalt und geschriben geben abzaichnet“; in Normalschrift: „In Nurmberg im Moment Feb. 1578.“ Digitalisat GNM)

Literatur

  • Joachim Heinrich Jäck: Brechtel, Stephan. In: Leben und Werke der Künstler Bambergs. In Verbindung mrit Joseph Heller und Martin von Reider. Erster Teil A-J. Erlangen, 1821. S. 37-40, (urn:nbn:de:bvb:12-bsb10711244-5; Google)
  • Adolf Jaeger: Stellung und Tätigkeit der Schreib- und Rechenmeister (Modisten) in Nürnberg im ausgehenden Mittelalter und zur Zeit der Renaissance. Dissertation. Erlangen 1925, S. 20, 23, 41, 163-165, 168, 176 f., 216, 222, 241, 280, 323, 328 f., 338 f.
  • Bruno Müller: Der Nürnberger Mathematiker und Schönschreibmeister Stephan Brechtel, ein berühmter Sohn Bambergs (1523-1574). Bericht des Historischen Vereins für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg 118 (1982), S. 117-125
  • Wolfgang Kaunzer: Über Stephan Brechtel den Älteren und die Mathematik. In: Gebhardt, Rainer: Kaufmanns-Rechenbücher und mathematische Schriften der frühen Neuzeit. Schriften des Adam-Ries-Budnes Annaberg-Buchholz Band 22. Annaberg-Buchholz: Adam-Ries-Bund 2011, S. 215-248

Einzelnachweise

  1. Georg Andreas WillW-Logo.png: Nürnbergisches Gelehrtenlexikon. oder Beschreibung aller Nürnbergischen Gelehrten beyderley Geschlechtes nach Ihrem Leben, Verdiensten und Schrifften. Bd. 1: Von A-G. Nürnberg, Lorenz Schüpfel 1755. S. 140 f. (Digitalisat; urn:nbn:de:bvb:12-bsb10799568-0)
  2. 2,0 2,1 Kurt Pilz: Brechtel, Stephan. In: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 565-566. (Online-Version, URL: www.deutsche-biographie.de)
  3. 3,0 3,1 Manfred H. GriebW-Logo.png: Nürnberger KünstlerlexikonW-Logo.png. Bd. 1. München, Saur 2007. S. 174-176. (Google)
  4. 4,0 4,1 Stephan und Christoph Fabius Brechtel. In: Des Johann Neudörfer Schreib- und Rechenmeristers zu Nürnberg Nachrichten von Künstlern und Werkleuten daselbst aus dem Jahre 1547 nebst einer Fortsetzung des Andreas Gulden. Nürnberg, 1547. Nachdruck: Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Renaissance, mit Unterstützung des k.k. österr. Ministeriums fur Kultus und Unterricht. Bände 10-11. Nach den Handschriften und mit Anmerkungen herausgegeben von G. W. Lochner. Wien, 1875. S. 193-196 und S. 7. (Google)
  5. 5,0 5,1 5,2 Genealogische und andere Angaben zitiert nach:
    Stephan Brechtel. Nürnberger Rechenmeister im 16. Jahrhundert. www.astronomie-nuernberg.de, abgerufen am 3. Februar 2022.
  6. 6,0 6,1 6,2 Johann Gabriel DoppelmayrW-Logo.png: Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern. Nürnberg, Peter Conrad Monath, 1730. S. 158 f., 203, 209, 215f. (urn:nbn:de:bvb:12-bsb11083891-7)
  7. 7,0 7,1 Christine Sauer: Vollendete Formen ohne Zirkel und Lineal. www.nordbayern.de, 10. September 2008, abgerufen am 4. Februar 2022.
  8. 8,0 8,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, V. Band, 1. Abteilung; Zweitausend Wappen bürgerlicher Geschlechter Deutschlands und der Schweiz; Verfasser: O.T. von Hefner; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1858. S. 6. Tafel 2.
  9. 9,0 9,1 9,2 Georg Andreas WillW-Logo.png (Hrsg.): Eine kleine ovale Medaille auf einen geschickten Mathematicum und Modisten. 46. Stück, den 14. November 1767. In: Der Nürnbergischen Münz-Belustigungen Vierther Theil, in welchem so seltne, als merkwürdige Schau- und Geld-Münzen sauber in Kupfer gestochen, beschrieben und aus der Geschichte erläutert worden, nebst einem Vorbericht von den symbolischen Münzen der Stadt Nürnberg. Altdorf, 1767. S. 363-367. (Google)
  10. Marianne Reuter: Beschreibung der Handschrift Cod.icon. 390 Tresorhandschrift. In: BSB-CodIcon Online (Thu Feb 03 16:53:58 CET 2022). (codicon.digitale-sammlungen.de, abgerufen 04. Februar 2022)