Straußenfeder (Heraldik)

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Drei Straußenfedern als gemeine Figur (Sarleinsbach)
Kugel mit drei (2:1) Straußenfedern besteckt
(Wappen der Harrach aus dem 16. Jahrhundert, „Allerlay Wapen“)

Die Straußenfeder (auch Straußfeder; frz.: plume d'autruche; engl.: ostrich's feather) ist in der Heraldik

„Straussenfedern, als Helmschmuck sehr gebräuchlich (..), kommen auch einzeln oder mehrfach in Wappenschilden vor (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Straußenfeder als gemeine Figur

Die gemeine Figur Straußenfeder ist den Federn des Afrikanischen StraußesW-Logo.png (struthio camelus) nachempfunden (insbesondere den weißen Schwanzfedern der Hähne und den ebenfalls weißen Handschwingen an den Flügelspitzen von Tieren beiderlei Geschlechts). Sie erscheinen gewöhnlich in Mehrzahl (zwei, drei, vier, fünf) oder in unbestimmter Anzahl als Straußenfederbusch, selten in Einzahl (die Anzahl kann gemeldet werden). Je nach Gesamtharmonie eines Aufrisses setzen Wappenkünstler den Straußenfederbusch mit drei bis neun Einzelfedern um.

Sowohl in der Einzahl als auch in der Mehrzahl empfiehlt es sich, die Stellung der Figur zu beschrieben. Gewöhnlich zeigen sowohl in der Einzahl als auch in der Mehrzahl die Kiele der Straußenfedern zum unteren Schild-/Feldrand, wobei in Mehrzahl oder als Straußenfederbusch die „Normalstellung“ fächerartig ist. Teilweise wird die gemeine Figur mit einer anderen kombiniert beziehungsweise erscheint als Helmkleinod oder als schmückendes Accessoire einer anderen gemeinen Figur im Wappenschild.

Straußenfedern als Helmkleinod

Straußenfedern (Abkürzung: Strf.; Tafel XXXI. Figur 72. bis 76.): kommen einzeln fast nie, öfter schon paarweise, am häufigsten zu einem Busche von drei bis neun, oder noch mehreren zusammengestellt auf Helmen vor. Bis zu 9 Straussfedern stehen gewöhnlich so nebeneinander, dass sie eine einzige undurchsichtige Reihe, ohne sichtbare Zwischenräume bilden, also in der Art eines Pfauschweifes. Mehr als 9 Straussfedern stellt man gewöhnlich (Figur 75.) in 2 oder 3 Reihen übereinander, so, daß die Färbung der oberen Reihe mit denen der unteren alterniert, also entweder die obere Reihe zum Beuspiel nur rote, die zweite nur weiße, die dritte wieder rote Federn enthält, oder, wenn in den einzelnen Reihen die Färbung der einzelnen Federn bereits alterniert, so, daß zum Beispiel über einer roten eine weiße, über der darauf folgenden weißen eine rote und so weiter steht. Die Kuppe der Straußfeder hängt, je nach der Stellung, entweder nach vorn, oder nach der Seite über, wir auch manchmal mit kleinen Figuren (Rosen, Sternen, Kugeln) belegt, obwohl das ein Nonsens ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Erscheinen mehrere Straußenfedern auf dem Helm, erfolgt ihrer Beschreibung von heraldisch rechts nach heraldisch links. Durch einen Gedankenstrich „-“ (Halbgeviertstrich) kann man in der Beschreibung andeuten, welche Straußenfedern ihre Kuppe nach rechts bzw. links wenden (zum Beispiel bedeutet: „5 Straußenfedern, 2-3“, daß von den fünf Straußenfedern sich zwei nach heraldisch rechts und drei nach heraldisch links neigen).

Beispiel Beschreibung
Siebmacher Straußenfeder 01.jpg Busch von 7 Straußenfedern, blau silber rot gold rot silber blau
Abgekürzt: „7 Strf. b. s. r. g. r. s. b.“
Siebmacher Straußenfeder 02.jpg 2 silberne (aneinander gelehnte) Straußenfedern mit roten Balken
Siebmacher Straußenfeder 03.jpg Busch von 5 Straußenfedern, 2-3, blau rot silber rot blau
Siebmacher Straußenfeder 04.jpg Busch von 6 (3-3) Straußenfedern, blau silber rot rot silber blau
Siebmacher Straußenfeder 05.jpg 7 Straußenfedern in 2 Reihen rot silber wechselnd

Straußenfedern als variabler Wappenbestandteil

Wenn Straußenfeder-ähnliche Kleinode oder Straußenfedern im Oberwappen eines Wappens erscheinen, so sind diese je nach Wappenaufriß in Stil, Anzahl oder Form oft sehr unterschiedlich dargestellt. Es kommt auch vor, daß eine Familie die genaue Ausprägung der Straußenfedern im Oberwappen im Laufe der Jahrhunderte änderte oder Seitenlinien andere Darstellungen bevorzugten. Die Straußenfedern der Königsegg' erscheinen beispielsweise zwischen den Jahren 1340 bis zu den baltischen von Königseck in Wappendarstellungen nicht immer gleich. Alle Besonderheiten sollten gemeldet werden.

Straußenfedern als Verzierung von Helmkleinoden

Straußenfedern sind auch als schmückendes Accessoire von anderen Helmkleinoden oder Figuren im Oberwappen gebräuchlich. Sie sind diesen Fällen zu melden und im Sinne der Gesamtharmonie eines Wappens und den Anforderungen eines Wappenaufrisses teils manchmal größer, in der Regel aber kleiner als gewöhnlich darzustellen.

Straussfedern kommen übrigens ebenfalls zur Verzierung anderer Helmkleinode, so zum Beispiel von Büffelhörnern (außen und in der Mündung), an den Spitzen von Sternen und Monden, von Kolben, ja sogar, zwischen den Schwingen oder an den Saxen der Flüge vor, sind dann natürlich entsprechend kleiner, als wenn sie für sich allein ein Helmkleinod bilden.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Teilweise flankieren in der Helmzier zwei oder mehrere Straußenfedern eine weitere Figur beziehungsweise eine Hauptfigur der Helmzier ist zwischen ihnen angestemmt, was zu melden ist.

Verbreitung

„Straußenfedern kommen auch als Wappenbilder, zum Beispiel bei den Scholley (Hessen), Harras (Böhmen), Feder (Bayern) und anderen am häufigsten aber als Helmkleinode vor.“

Otto Titan von Hefner (1861)[3]

Als Helmkleinod sind Straußenfedern in der polnischen Heraldik sehr gebräuchlich (zum Beispiel in den polnischen Stammwappen Pióra, Koneczyc und vielen anderen); auch in Studentenwappen der deutschsprachig-geprägten Wappenkultur sind sie zu finden[4]. Straußenfedern erscheinen sowohl im Badge des Prince of Wales wie auch an Stelle von Turmfahnen im Wappen von San Marino.

„In der Napoleonischen Heraldik wurden die bisherigen Rangkronen durch ein System von Mützen ersetzt, bei denen unter anderem die Zahl der Straußenfedern den Stand des jeweiligen Trägers darstellte. So trugen die Chevaliers eine Feder, Barone drei, Grafen fünf und Herzöge sieben.“

Wikipedia (2013)[5]

Wappenbilderordnung

  • Die Straußenfeder wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: D. Hauptteile und Seitenteile. 2. Tiere unter der Nr. 4201-744 aufgenommen.
  • Der Straußenfederbusch wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt ''Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: E. Untere bzw. hintere Teile. 2. Tiere unter der Nr. 4201-766 aufgenommen.

Weblinks

 Commons: Straußenfedern in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Straußenfeder – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. 2,0 2,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 162, 163.
  3. Otto Titan von Hefner: Handbuch der theoretischen und praktischen Heraldik. Heraldisches Institut. München 1861. S. 81.
  4. Gerhard Richwien: „Das Erbe der Orden. Symbolwelt der Aufklärungszeit und ritterliches Identifikationsmuster im akademischen Korporationswesen,“. In: Erich Donnert (Hrsg.): Europa in der Frühen Neuzeit: Festschrift für Günter Mühlpfordt. Band 6: Mittel-, Nord- und Osteuropa. Böhlau, Köln 2002. ISBN 3-412-14799-0. S. 627ff., hier: S. 637.
  5. Seite „Straußenfeder“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 6. Juni 2013, 10:31 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Strau%C3%9Fenfeder&oldid=119267262 (Abgerufen: 19. September 2013, 10:17 UTC)