Hahn (Wappentier)

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Hahn
 
in der Natur
 
in der Heraldik
Wappen derer von Hahn, nach Otto Hupp, 1905)
um 1460: Goldener Hahn mit rotem Kamm und ebensolchen Kehllappen (Wappen derer von Fronau)
Wappen der Grafen von Hahn
Wappen mit Hahn (Beham, (Hans) Sebald, 1500-1550)
1330-1345: Wappen Blarer (nach Zürcher Wappenrolle, Nr. 348)

Der Hahn (französisch coq; englisch cock oder rooster) steht in der Heraldik als Wappentier in der Reihe der gemeinen Figuren. Als gemeine Figur, Wappentier, Schildträger oder als Hahn-Körperteil wird der Hahn relativ häufig in Wappen gefunden.

Darstellung

Das Wappentier Hahn wird gewöhnlich stehend oder schreitend dargestellt. Es erscheint vergleichsweise wenig heraldisch stilisiert. Die Blickrichtung ist heraldisch rechts. Wenn ein Fuß beziehungsweise eine Kralle emporgehalten wird, wird dies als schreitend, streitend, streitfertig, kampfbereit oder ähnlich beschrieben. Der Schwanz der Hahnfigur hat wenige, deutlich übertriebene Federn. Falls der Kamm eine besonder Farbgebung (Tingierung) besitzt, die vom Rest der Wappenfigur abweicht, ist dies zu melden. Eine besondere Form ist eine Hahnfigur mit zwei ausgebreiteten Flügeln. Sie wird als flugbereiter/auffliegender Hahn oder ähnlich angezeigt. Falls die Bewehrung der Figur durch Andersfarbigkeit hervorgehoben ist, ist dies stets anzuzeigen.

„(Der Hahn) — unser Haushahn — wird stets dargestellt mit grossem Kamm, Lappen (unter dem Schnabel). Sporen und gespreiztem Schweif, theils stehend (Figur 11.), theils kämpfend (Figur 7. bis 9.) oder schreitend, das heißt den rechten Fuss ein wenig hebend. Zwei kämpfende Hähne (siehe Figur 9. ..)“

Siebmacher / Maximilian Gritzner (1889)[1]

Hahn auf Standfläche

Manchmal ist eine Hahnfigur mit einem Schildfuß, einem Dreiberg oder einer anderen Standfläche (Boden, Berg, Fels oder ähnlichem) kombiniert; zuweilen steht sie auch im Burgtor.

Hahn, etwas haltend

Gelegentlich halten Hahnfiguren in der (rechten, selten oder gar nicht in der linken) erhobenen Kralle einen Gegenstand, was in der Wappenbeschreibung angezeigt werden sollte.

Hahn, linksgewendet

Hahnfiguren erscheinen in Wappen zuweilen nach heraldisch links gekehrt („linksgerichtet“, „linksgewendet“, „links hin“) und mit dem Kopf zum linken Schildrand sehend.

Hahnkopf

1330-1345: Hahnkopf (Wappen von Mettenbuch; nach Zürcher Wappenrolle, Nr. 220)

Hahnkopf und Hahnrumpf sind gebräuchliche Ausdrücke für Wappenfiguren. Gewöhnlich wird im Wappenwesen weder in der Darstellung noch in der Wappenbeschreibung zwischen einem Halstück (Hahnkopf mit langem Hals bzw. Hahnrumpf) und einem Kopfbild (nur Hahnkopf, ohne Halsansatz) differenziert. Gemeinhin werden Hahnköpfe/Hahnrümpfe „abgerissen“ dargestellt, „abgeschnittene“ sollten gemeldet werden. Wenn nicht besonders blasoniert, erscheint ein Hahnkopf im Wappen im Profil beziehungsweise zum heraldisch rechten Rand sehend; ein dem Betrachter zugewendeter Hahnkopf ist im Wappenwesen nicht gebräuchlich. Die genaue Darstellung erfolgt im Rahmen der Gesamtharmonie eines Wappens/Wappenaufrisses und obliegt letzlich der künstlerischen Freiheit.

„Zwei abgewendete Hahnrümpfe erscheinen (Tafel XIX. Figur 12.) im Wappen der von Hurling.

Siebmacher / Maximilian Gritzner (1889)[1]

Zweiköpfiger Hahn

1330-1345: Zwei­köpfi­ger Hahn (Wappen von Hünerhusen, alias Husin; nach Zürcher Wappenrolle, Nr. 334)

Hahnfiguren erscheinen im Wappenwesen zuweilen auch „mit zwei Köpfen“ (auch doppelköpfiger Hahn, Doppelhahn oder ähnlich genannt; lateinisch gallus biceps; französisch coq à double tête):

„Und wie der Doppeladler, kommt auch (die Hahnfigur) als Doppelhahn (..) vor (..)“

Beispielsweise erscheint im Wappen von VersaillesW-Logo.png ein doppelköpfiger Hahn.

1924: Gekrönter Hahn (Wappen derer von Spee; nach Otto Hupp)

Gekrönter Hahn

Gelegentlich erscheint die Hahnfigur mit einer Krone anstelle des Hahnenkamms. Beispielsweise werden alle vier Hahnmotive im Wappen derer von SpeeW-Logo.png „mit Krone“ dargestellt (was man auch mit dem Ausdruck „gekrönt“ anzeigen kann). Eine gekrönter Hahn ist von eine Hahnfigur zu unterscheiden, bei der eine Krone über seinem Kopf schwebt und der Hahnenkamm vollständig zu sichtbar ist (vgl. „schwebende Krone“).

1532: Behelmter Hahn (Medaille mit Wappen von Kolman Helmschmid)

Behelmter Hahn

Erscheint eine Hahnfigur im Wappen mit einem über den Kopf gestülpten Helm, so kann man sie als „behelmter Hahn“ o. ä. beschreiben. Beispielsweise erscheint im Wappen Helmschmid in einigen Aufrissen ein Hahn, dessen Kopf mit einer Sturmhaube bedeckt ist. Die Darstellung einer Hahnfigur mit Helm kann eine Wappenminderung darstellen.

Koppe, Kopp

Hahn, manchmal missverständlich als Koppe, Kapaun gedeutet (Wappen Köppele; nach Tyroff, 1820/1847)

Ausnahmsweise findet sich in Wappenbeschreibungen oder in der heraldischen Literatur der Ausdruck Koppe (Kopp), wobei unklar ist, wie er zu deuten ist und wie entsprechendere Wappentiere aufzureissen sind. Nach dem Deutschen Wörterbuch bezeichnet der mehrdeutige Ausdruck Koppe/Kopp:[3]

  1. einen „verschnittenen Hahn“, das ist unter anderem ein im Alter von etwa zwölf Wochen kastrierter und gemästeter Hahn, der auch KapaunW-Logo.png, Kapphahn, Masthahn, gekappter Hahn oder ähnlich genannt wird.
  2. einen „unverschnittenen Hahn“, das ist der Hahn selbst
  3. eine „Henne“ oder „das Huhn überhaupt“

Die Heraldiker Otto Titan von Hefner und Maximilian Gritzner machten darauf aufmerksam, dass eine „Koppe-/Hahnenfigur“ in den Wappen von Familien namens Köppele/Köppelle, Köppel, Koppe etc. möglicherweise redend für den Familiennamen steht. Beide scheinen den Ausdruck „Koppe“ nur in der Bedeutung Kapaun („verschnittener Hahn“) zu kennen. Gritzner geht davon aus, dass eine Kapaunfigur „ohne Sporen“ im Wappen erscheinen sollte („Koppe i. e. gekappter Hahn [Kapaun], erscheint ohne Sporen im Wappen der von Köppel und Köppelle in Bayern“)[1]; Hefner geht dagegen davon, dass eine Kapaunfigur „ohne Kamm“ aufgerissen wird („Köppele [..] jedoch der Hahn keinen Kamm hat [also eine Koppe]“)[4]. Hefner fällt auf, dass die Figur im Wappen derer von Köppelle in den Wappendiplomen von 1765 und 1839 beidesmal als „Hahn“ beschrieben wurde, kann sich aber keinen Reim darauf machen, warum er nur 1765 im Wappen als Hahn dargestellt wird, 1839 aber als „Hahn ohne Kamm“ (= Koppe). Folgt man dem Deutschen Wörterbuch, kann ein Wappenkünstler auf die Idee kommen, die Hahnfigur in den Wappen der Familien Köppele/Köppelle, Köppel, Koppe etc. in der einen oder anderen Art im Aufriss zu verstümmeln (z. B. als Kapaun), um den redenden Zusammenhang zwischen der Hahn-/Koppefigur und dem Familiennamen zu visualisieren. Grundsätzlich ist aber die Blasonierung verbindlich. Wenn dort „Hahn“ steht, sollte im Wappen auch kein Kapaun, keine Henne und kein wie auch immer verstümmelter Hahn aufgerissen sein, sondern eine vollständige Hahnfigur (mit Sporn, Kamm et cetera).

Besondere hahnartige Figuren

In der Heraldik kommen neben der Hahnfigur eine ganze Reihe von besonderen hühner-/hahnartigen Wappenfiguren zur Anwendung (mythologische Fabelwesen, Varianten, Abarten, Mischwesen, aber auch dinghafte Figuren wie ein Wetterhahn et cetera).

Hahnartige Varianten/Abarten (Auswahl)
Chimäre mit dem Kopf eines Mannes und dem Körper eines Hahns
 
 
Drache oder Schlange mit Hahnenkopf
Siebmacher Basilisk.jpg
Hahn mit Fischschweif
Siebmacher Hahn mit Fischschweif.jpg
Hahn mit Ziegenkopf
Siebmacher Ziegenhahn.jpg
Adler mit Hahnenkopf
Hahnenadler.png
Fuchs mit Hahnenschwanz
Siebmacher Fuchs mit Hahnenschwanz.jpg
Windrichtungsanzeiger in Hahnform
Wappen Hahndorf.svg

Siehe auch

Hühnervogelartige Figuren (Auswahl)
Weibliches Form des Huhns
Siebmacher Henne 01.jpg
Männliche Form des Birkhuhns
Siebmacher Birkhahn 01.jpg
Männliche Form des Auerhahnes
Wappen Landkreis Freudenstadt.svg
Männliche Form des Truthühner
Coat of Arms of Khopyorskoe (Krasnodar krai).png
Blason ville fr Maché (Vendée).svg
Siebmacher Fasan.jpg

Die hühnerartigen Figuren sind nicht zu verwechseln mit der Fischfigur:

Symbolik

Glauben

„Im VolksglaubenW-Logo.png ist der Hahn das Symbol für Kampflust und Kampfbereitschaft, auch der Wachsamkeit und des Sonnenaufgangs. In der assyrischen MythologieW-Logo.png war der Hahn Symbol des Feuergottes NuskuW-Logo.png und des Sonnengottes SchamaschW-Logo.png. In der griechischen MythologieW-Logo.png war er der Pallas Athene, dem Ares, Hermes, Apollon, dem Äskulap, der Demeter und Persephone heilig. Die RömerW-Logo.png verehrten ihn als Symbol für die Hauswächter. In der nordischen MythologieW-Logo.png wecken z. B. zwei Hähne die Helden in Odins und die Mächte in Hels Sälen. Anderswo verscheucht er den Spuk der Unholde. Auf altchristlichen Grabsteinen und Sarkophagen erscheint der Hahn als Verkünder des Tages. Durandus von St. PourçainW-Logo.png erklärt ihn als Nachtverscheucher, Prediger und Erwecker vom Schlaf und lässt ihn auf Kirchen setzen. Weitere Beispiele aus dem Volksglauben: Wird ein kohlrabenschwarzer Hahn sieben Jahre alt, so legt er ein Ei, aus dem ein Drache entsteht. Der Patron der Hähne ist St. Gallus, manchmal auch St. Veit. Petrus mit Hahn ist der SchutzpatronW-Logo.png der UhrmacherW-Logo.png.“[5]

Der gallische Hahn

Gallischer Hahn triumphierend auf einem Denkmal (La Rochelle, Frankreich)
Wappen von WallonienW-Logo.png

„Der Hahn gilt unter anderem als Symbol von Frankreich. Der Ursprung ist nicht eindeutig, da kein Nachweis auf alten Münzen und Grabsteinen usw. zu finden ist. Man nimmt an, dass der Gallische Hahn aus der Doppelsinnigkeit des lateinischen Wortes gallus („Hahn“ und zugleich „GallierW-Logo.png“) entstanden ist, was bereits der antike römische Geschichtsschreiber Suetonius festhielt[6]. In der Französischen RevolutionW-Logo.png 1789 ersetzte der Hahn auf den Heeresfahnen die Insignien des bourbonischenW-Logo.png Königtums. Napoleon I.W-Logo.png ersetzte ihn durch den Adler, den aber die Regierung der RestaurationsperiodeW-Logo.png wieder abschaffte (zwischen 1789 und 1804 symbolisierte der Hahn als französisches Wappentier die errungenen Freiheiten). Nach der JulirevolutionW-Logo.png wurde der Hahn wieder in die Fahnen aufgenommen. 1852 wurde er abermals durch den Adler ersetzt. Heute wird der gallische Hahn als Wappentier für WallonienW-Logo.png, französische Gemeinschaft BelgiensW-Logo.png und die Französische FußballnationalmannschaftW-Logo.png benutzt. (Siehe auch KeltomanieW-Logo.png)

Seit April 2015 verwendet das Französische Olympische Komitee (CNOSF)W-Logo.png eine stilisierte Version des Gallischen Hahnes im Logo.“[7][5]

Gallischer Hahn als Nationalsymbol auf einem Ehrenmal

Weblinks

 Commons: Hahn in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889/1890. S. 90. Tafel 19. Figur 7. bis 12. Reprint on Demand. Universtitäts- und Landesbibliothek Tirol. 2009. ISBN 3-226-00671-1.
  2. Ralf von Retberg: Die Geschichte der deutschen Wappenbilder. Aus Ralf von Retbergs Nachlasse. 1884. Posthum in: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien. XIII./XIV. Jahrgang. Wien 1886/1887. Seite 51 f.
  3. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Kopp. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (woerterbuchnetz.de).
  4. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VII. Band, 1. Abteilung; Ergänzungsband, enthaltend die Nachträge und Ergänzungen zu den Staatswappen von Russland und Baden, ferner zu dem Adel von Bayern (Grafen und Freiherren), Sachsen, Schwarzburg, Waldeck, Württemberg, Mecklenburg und Tyrol; Verfasser: O. T. von Hefner; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1859. S. 15. Tafel 6.
  5. 5,0 5,1 Seite „Hahn (Wappentier)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 6. März 2021, 11:44 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hahn_(Wappentier)&oldid=209507756 (Abgerufen: 1. April 2021, 00:06 UTC)
  6. Suetonius: The Twelve Caesars. Hrsg.: Graves, Robert. Penguin Classics, London 2007, S. 274.
  7. Un nouveau logo, pourquoi?. In: Maison du sport Français, 14. April 2015. Abgerufen am 22. Juni 2015.