Sparren (Heraldik)

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Dieser Artikel behandelt das in der Heraldik gebräuchliche Heroldsbild. Weitere Bedeutungen werden unter SparrenW-Logo.png und unter Chevron (Begriffsklärung) aufgeführt.
Sparren, dessen Spitze den oberen Schildrand berührt.
Sparren in Scheiblers Wappenbuch
 
Wappen von Kirchberg/Kürchberg
 
Wappen von Fürst/First/Fierßt
 
Wappen von Thurn/Turner
Wappen der Familie von Ledebur

Der Sparren (auch Chevron, Schleife, Sparrenstreif, Streif, Dachsparren, Winkelbalken oder ähnlich genannt; frz.: chevron; engl.: chevron) ist in der Heraldik ein Heroldsbild.

Herkunft

Das Heroldsbild Sparren ist möglicherweise den Dachsparren nachempfunden, das sind schräg in der Falllinie des Daches angebrachten Traghölzer, auf denen Dachlatten angebracht sind.

„Es scheint jedoch weit annehmbarer, dass der Sparren den Dachsparren eines Gebäudes andeuten soll (..)“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[1]

Andere Entlehnungen (Waffe oder Wirtschaftsgerät, womit man einen Pflug wegbringt et cetera) erscheinen weniger plausibel beziehungsweise sind nicht zweifelsfrei bewiesen oder belegt.

Darstellung

In der heraldischen Literatur wird das Heroldsbild Sparren nicht einheitlich konstruiert. Einerseits leitet man die Figur aus einer Spitze ab, andererseits aus einem rechten und linken schrägen Balken:

Grundtyp Konstruktion
Spitze

„Der Sparren entsteht dadurch, dass man zu den beiden, eine Spitze begrenzenden Linien je eine parallele Linie unter- respektive oberhalb zieht; die dadurch entstehenden „Schenkel“ treffen sich mit ihrem äußeren Giebelpunkt, beim gewöhnlichen Sparren, wenn er richtig konstruiert ist und die übliche Breite (von 27) der Schildbreite) hat genau in der Mitte des Schild-Oberrandes.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]
Schrägbalken Das Herolsbild Sparren kann aus einem linken und einem rechten schrägen Balken entworfen werden, die rechts und links der gedachten Wappenmittellinie liegen. Die parallelverlaufenden Begrenzungslinien der Balken laufen von links und rechts unten nach oben zusammen.

„Sparren ist diejenige viel gebräuchliche Heroldfigur, welche durch zwei im Spitzen Winkel convergierende und sodann in eine gemeinsame scharfe Ecke auslaufende Schrägbalken gebildet wird.“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[1]

Das gesamte Heroldsbild ähnelt einem spitzwinklig geknickten Balken („Winkelbalken“). Je nach Konstruktionsart und heraldischem Werk fangen die Schenkel der Figur im Bereich des rechten/linken Unterecks eine Kleinigkeit weiter oben beziehungsweise weiter unten an (aber noch unterhalb der Mitte der Seitenränder) und laufen von dort rechts bzw. links steiler oder flacher nach oben, bis sie sich oben am geometrischen Mittelpunkt zu Gipfel respektive Giebel treffen.

  • Gipfel: Der Punkt, dem sich die beiden oberen Begrenzungslinien am oberen Schildrand oder im Schildhaupt treffen und eine Spitze bilden, wird Gipfel genannt.
  • Giebel: Der Platz zwischen dem Gipfel und jenem Punkt, an dem sich die beiden unteren Begrenzungslinien treffen, wird Giebel genannt.

Die „Schenkel“, auf denen das Schildbild des gemeinen Sparren basiert, sollten jeder für sich eine Breite von 27 oder 13 der Schildbreite nicht übersteigen.

Erscheint nur eine kleinere Lücke zwischen der Spitze des Sparrens und der Mitte des oberen Schildrandes, so wird dies nicht besonders gemeldet, vielmehr ist dies eine Darstellung, die neben der direkten Randberührung gebräuchlich ist.

Der Sparren kann Farben, Formen und Figuren aufnehmen. Er kann nach allen parallel laufenden Wappenschnitten vom ganzen Schild abgeteilt sein. Heroldsbilder und gemeine Figuren sind im Sparren möglich. Viele Bezeichnungen der Sparrengestaltung werden direkt als zusammengesetztes Wort gebraucht, z. B. "Zinnensparren".

Teilung durch Sparren („gefüllter Sparren“)

Gefüllt ist ein Sparren, wenn zwischen seinen Schenkel eine heraldische Farbe erscheint, die von der Schild-/Feldfarbe abweicht. In diesem Fall teilt der Sparren Schild/Feld in zwei unterschiedlich gefärbte Plätze, was in der Regel als „von [Farbe-1] und [Farbe 2] geteilt durch einen Sparren“ blasoniert wird. Es versteht sich von selbst, daß „gefüllte“ Sparren im Gegensatz zu „nicht-gefüllten“ grundsätzlich in der Wappenbeschreibung zu melden sind.

Gefüllter Sparren (Tafel X. Figur 26. bis 28.): nennt man den Sparren, bei welchem die zwischen den Schenkeln befindliche Färbung eine andere ist, als die des Feldes, worin er steht. Figur 26. in Rot ein blau-gefüllter goldener Sparren bis zum Schildhaupt, Figur 27. in Rot ein schwarz-gefüllter desgleichen. Figur 28. in Rot ein blau-gefüllter, (silberner) erniedrigter, oder wie Figur 32 in Schwarz ein rot-gefüllter geschmälerter gestürzter goldener, oder Figur 39. in Rot ein schwarz-gefüllter geschmälerter silberner schräggestürzter Sparren (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Sturzsparren

Ein Sturzsparren (auch gestürzter Sparren genannt; frz.: chevron renversé; engl.: chevron reversed) ist ein Sparren, dessen Spitze nach unten zeigt.

Gestürzte (Sturz-) Sparren (Tafel X. Figur 32. bis 36.): sind solche, deren Gipfel dem Schildfuß zugekehrt sind. Tafel X. Figur 32. und 33. sind regulaire (nur erstere „geschmälert“ und „gefüllt“, der zweite Rot Gold gespalten im Silber Schwarz gespaltenen Felde). Tafel X. Figur 33. 34. „bis zum Schildfuß“. Tafel X. Figur 35. ist erniedrigter Sturz-Sparren, weil seine Schenkel nicht von dem Obereck ausgehen, Tafel X. Figur 36. ein schwebender Sparren (Spitze bis zum Schildfuß).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Seitensparren

Ein Sparren mit einer 90-Grad-Drehung wird nach der Lage des spitzen Winkels beziehungsweise nach der Richtung der Drehung bezeichnet (ist also entweder ein rechter oder ein linker (Seiten)Sparren.

Rechter Seitensparren

Rechter Seitensparren / Rechtssparren
Lage Die Hauptachse des Heroldsbildes ist waagrecht. Rechter Seitensparren / Rechtssparren
WBO-Nr.: 0558
Ausrichtung Die Spitze des rechten Seitensparrens beziehungsweise ihr „Gipfel“ zeigt zum heraldisch rechten Seitenort.
Siebmacher Rechtssparren.jpg

„Wogegen beim Rechtssparren (Tafel X. Figur 38.): der Gipfel sich dem rechten Rande zuwendet, respektive ihn, wie hier, berührt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]
Anmerkung frz.: chevron couché issant de senestre;
engl.: chevron coched dexter oder issuing from sinister flank

Linker Seitensparren

Linker Seitensparren / Linkssparren
Lage Die Hauptachse des Heroldsbildes ist waagrecht. Linker Seitensparren / Linkssparren
WBO-Nr.: 0559
Ausrichtung Die Spitze des linken Seitensparrens beziehungsweise ihr „Gipfel“ zeigt zum heraldisch linken Seitenort.
Siebmacher Linkssparren.jpg

Linkssparren (Tafel X. Figur 37.): heißt der Sparren, dessen Gipfel dem linken Rande sich zukehrt, respektive hier (regulair) ihn berührt (siehe auch Spitze).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]
Anmerkung frz.: chevron couché issant de dextre;
engl.: chevron couched sinister oder issuing from dexter flank

Erniedrigter Sparren

Reicht die Spitze nicht an die Mitte des oberen Schildrandes, sondern endet deutlich („signifikant“) unterhalb (das heißt, es erscheint eine Lücke zwischen dem oberen Schildrand und dem Gipfel des Sparrens, die in etwa der Höhe eines Schildhauptes oder mehr entspricht), ist der Sparren erniedrigt. Zu beachten ist, das bei einem erniedrigten Sparren die Schenkel gewöhnlich von den Unterecken der Seitenränder ausgehen und die Figur insgesamt nicht „flach“ wie bei ein Flachsparren erscheint (siehe nachstehend), sondern im Gipfel mit einem eher „spitzen“ Winkel dargestellt wird. Diese Angaben gelten analog für einen erniedrigten Sturzsparren (nur, daß dessen Schenkel aus den Oberecken ausgehen und der Gipfel des Sturzsparrens in etwa der Höhe eines Schildfußes oder mehr entpricht). Ein schlechter heraldischer Ausdruck für „erniedrigt“ ist gedrückt.[3]

„Tafel X. Figur 35. ist (ein) erniedrigter Sturzsparren, weil sein Schenkel nicht von dem Obereck ausgehen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Erhöhter Sparren

Erhöhter Sparren (Tafel X. Figur 9.): heißt der Sparren, wenn seine Schenkel nicht von den Unterecken, sondern von der Mitte der Seitenränder aus gehen. Tafel X. Figur 10. würde ebenfalls ein erhöhter Sparren sein, der zugleich etwas geschmälert ist und eine schräglinke Gegenstütze hat.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Flachsparren

Die Schenkel eines Flachsparren (auch Mittelsparren, abgeflachter Sparren genannt; frz.: chevron aplati; engl.: chevron surfaced) gehen nicht von den Ober- oder Unterecken aus, sondern von der Mitte der Seitenränder; wie beim erniedrigten Sparren reicht die Spitze des Flachsparrens nicht an die Mitte des oberen Schildrandes, sondern endet deutlich („signifikant“) unterhalb (das heißt, es erscheint eine Lücke zwischen dem oberen Schildrand und dem Gipfel des Flachsparrens, die in etwa der Höhe eines Schildhauptes oder mehr entspricht). Zu beachten ist, daß die Figur im Gegensatz zum erniedrigten Sparren nicht mit einem spitzen Winkel erscheint, sondern insgesamt sehr flach dargestellt wird (mit einem stumpfen Winkel, der deutlich über 90° liegt). Diese Angaben gelten analog für einen Flachsturzsparren (nur, daß dieser gestürzt ist). Naturgemäß können Flachsparren und Flachsturzsparren erhöht, erniedrigt oder in anderen Ausprägungen erscheinen, wie sie auch beim „normalen“ Sparren gebräuchlich sind.

Flach- oder Mittelsparren (Tafel X. Figur 15. bis 18.): heißt diejenige Art Sparren, deren Schenkel nicht von den Unterecken, sondern von der Mitte der Seitenränder ausgehen, und deren Gipfel nur bis zum Schildhaupt reicht, welche also sehr flach verlaufen. Hierbei kommen Sparren in der üblichen Breite (Figur 15. 18.) und in der verminderten Breite (Figur 16. 17.; letzerer über einem Hügel) vor.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Sparrenleiste und Sturzsparrenleiste

Sparrenleiste (veraltet, teilweise mißverständlich Leistensparren, Sparrenstütze, Stütze[4] oder ähnlich genannt; frz.: étai oder chevronel; engl.: couple-close oder chevronel) ist in der Heraldik ein schmaler Sparren, dessen Schenkel etwa die halbe Breite eines gemeinen Sparren (oder etwas mehr) haben. Abwandlungen, Varianten oder Attribute, die beim Sparren gebräuchlich sind, können auch mit der Sparrenleiste erscheinen, vorausgesetzt die Schenkel bleiben entsprechend schmal beziehungsweise „abgemildert“.

Beispielsweise ist die Sturzsparrenleiste (frz.: étai renversé; engl.: chevronel reversed) -- analog zum Sturzsparren -- mit ihrem Gipfel dem Schildfuss zugekehrt.

Sparrenleisten haben nur die Hälfte der natürlichen Sparrenbreite, so zum Beispiel Tafel X. Figur 49. hier auch noch als „ausgebrochen am rechten respektive linken Schenkel“ zu bezeichnen; Figur 50. ist eine erhöhte Sparrenleiste, von dito glockenförmiger gestützt. Figur 54. zwei Gegensparrenleisten, Figur 59. sind zwei seitliche Gegensparrenleisten.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Schrägsparren (Ecksparren / schräge Sparren)

Wenn ein Sparren (oder ein Sturzsparren) aus einer „Ecke“ (beziehungsweise im unteren Schildbereich aus einer „gedachten Ecke“) des Wappenschildes hervorkommt, wird er als „Schrägsparren“, „schräger Sparren“ oder als „Ecksparren“ beschrieben. Es gibt einen schräglinken und einen schrägrechten Sparren beziehungsweise einen schrägrechten und einen schräglinken Sturzsparren (je nach Lage und Ausrichtung der Figur beziehungsweise je nachdem wie das Heroldsbild anders als ein „normaler“ Sparren erscheint).

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Ecksparren

Gesparrt / Mehrere Sparren

1889: Neun mal (zehnfach) rot golden gesparrt
(nach Siebmacher)

Bei der Verwendung des Sparrens kann auch von einer Sparrenteilung gesprochen werden, da der Schild mindestens in ein oberes und ein unteres Feld geteilt wird. Bei mehreren Sparren sinngemäß. Diese müssen aber ab einer gewissen Zahl schmaler gezeichnet werden, um die Proportionen zu wahren.

Sparren können nebeneinander und/oder auch gegeneinander gleichzeitig im Wappen sein (z. B. Herren von Eppstein, Grafen von Hanau, Grafen von Ravensberg).Liegen zwei Sparren in Normalabstand übereinander, bezeichnet man sie einfach als zwei Sparren;

Gesparrt: Durch mehrere parallellaufende, übereinander gesetzte Spitzen bewirkte Schildteilung. Es ergeben sich dabei den Teilungen und Spaltungen analoge Bilder. Bei zwei Spitzen und drei Tinkturen entsteht der gesparrte Schild (..) Durch eine ungerade Anzahl von Spitzenlinien übereinander entsteht der drei,-, fünf- oder siebenmal gesparrte Schild, bei gerader Anzahl halb soviel Sparren.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[5]

Erscheinen die gespaltene oder geteilte Schilde/Felder mit verwechselten Farben, nennt man sie gegengesparrt (siehe weiter unten).

Zwillingssparren und Zwillingssturzsparren

Zwillingssparren (frz.: jumelles posées en chevron; engl.: two chevronels oder two couple-closes) sind zwei sehr schmale Sparren, die eng übereinander beziehungsweise nahe beieinander liegen und die Gesamtfläche im Feld/Schild nicht komplett ausnutzen (wird die heraldische Regel der maximalen Raumausnutzung genutzt, liegen einfach „zwei Sparren“ vor). Die beiden Sparren erscheinen zusammen mit dem Abstand zwischen ihnen gewöhnlich in der „normalen“ Sparrenbreite (siehe oben). Gegebenenfalls können die beiden Sparren ein wenig breiter ausfallen und der Zwischenabstand einen Tick schmäler, was nicht gemeldet wird, sondern der künstlerischen Freiheit überlassen bleibt. Der Zwischenabstand besitzt dieselbe Farbe wie der Schild.

Ein Zwillingssturzsparren (auch gestürzter Zwillingssparren genannt; frz.: jumelles posées en chevron renversé; engl.: two couple-closes reversed) ist ein Zwillingssparren, dessen Spitzen nach unten zeigen.

Zwillingssparren (Tafel X. Figur 64.): sind 2 geschmälerte Sparren, so eng zusammen gerückt, daß der Raum zwischen ihnen gleich der Breite eines von ihnen ist (siehe Zwillingsbalken, Zwillingspfahl).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Drillingssparren und Drillingssturzsparren

Drillingssparren (frz.: tierce en chevron; engl.: three chevronels) sind drei sehr schmale Sparren, die eng übereinander beziehungsweise nahe beieinander liegen und die Gesamtfläche im Feld/Schild nicht komplett ausnutzen (wird die heraldische Regel der maximalen Raumausnutzung genutzt, liegen einfach „drei Sparren“ vor). Die drei Sparren erscheinen zusammen mit dem Abstand zwischen ihnen gewöhnlich nur wenig über der „normalen“ Sparrenbreite (beziehungsweise eines Sparren in der SchildBreite 13 -- siehe oben). Gegebenenfalls können die drei Sparren ein wenig breiter ausfallen und die zwei Zwischenräume einen Tick schmäler, was nicht gemeldet wird, sondern der künstlerischen Freiheit überlassen bleibt. Der Zwischenräume der drei Sparren besitzen dieselbe Farbe wie der Schild.

Ein Drillingssturzsparren (auch gestürzter Drillingssparren genannt; frz.: tierce en chevron renversé; engl.: three chevronels reversed) ist ein Drillingssparren, dessen Spitzen nach unten zeigen.

Doppelsparren und Doppelsturzsparren

Doppelsparren (frz.: deux chevrons accostés; engl.: two chevrons conjoined in fess) sind zwei Sparren, die nebeneinander gestellt sind, wobei jeder für sich eine halbe Schildbreite hat und die Sparren in der Mitte zu einem einzigen Heroldsbild verbunden sind. Das Heroldsbild ähnelt dem lateinischen Buchstaben „M“.

Erscheint der Doppelsparren gestürzt beziehungsweise wie der lateinische Buchstabe „W“, bezeichnet man ihn als Doppelsturzsparren (frz.: deux chevrons renversés accostés; engl.: two chevrons reversed conjoined in fess).

Doppelsparren (Tafel X. Figur 52. 53.): sind die 2 nebeneinander gestellte Sparren, deren innere Schenkel-Enden im spitzen Winkel aneinanderstoßen, daher ein verschobenes lateinisches „M“ bilden; bei Tafel X. Figur 53. ist der Doppelsparren flach und „mit Gleven besteckt“. Wenn die Sparren umgekehrt sind, wie in Form eines lateinischen „W“ (Tafel X. Figur 62.), so heißt die Figur Doppelsturzsparren, hierher gehört auch die Figur des polnischen Wappens Abdank (Tafel X. Figur 63.) unrichtiger Weise gewöhnlich als „schwebendes »W«“ angesprochen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Gegengesparrt

Sind mehrere Sparren im Schild/Feld, deren rechte und linke Schenkel jeweils in gegensätzlicher Farbgebung (Tingierung) erscheinen, kann man dies mit dem Ausdruck gegengesparrt beschreiben. Ist das ganze Schild/Feld derartig „gegengesparrt“, genügt es, die Angabe der verwendeten Farben zu nennen (zum Beispiel: „Silbern-rot gegengesparrter Schild“). Bei einer bestimmten Mehrzahl, kann man die Anzahl der Sparren-Teilungslinien nennen, um das Schildbild genauer zu charakterisieren („x-mal gegengesparrt“).

Das Merkmal „gegengesparrt“ ist leicht mit der Bezeichnung „Gegensparren“ zu verwechseln, der die spezifische Wappenfigur beschreibt (siehe oben). Es empfiehlt sich, auf den Ausdruck „gegengesparrt“ zu verzichten und dafür in der Wappenbeschreibung die Bezeichnung verwechselte Farben zu gebrauchen, sowie die Anzahl und Lage der Sparren präzise zu melden.

Grundsätzlich können Schildbilder mit vielen, direkt untereinander stehenden gegengesparrten Sparren die Illusion erzeugen, als ob bei jedem Sparren die linke und die rechte Sparrenseite gegeneinander verschoben wurden.

Gegensparren

Gegensparren (Tafel X. Figur 55.): heißen 2 Sparren, von denen die Gipfel sich in der Schildesmitte berühren, der obere ist gestürzt, der untere aufrecht. In Figur 54. sind es auf die Hälfte ihrer natürlichen Breite verminderte, also Gegen-Sparren-Leisten.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Unterbrochene Sparren

Ist der Sparren unterbrochen, kann dieser mit ausgebrochen beschrieben werden. Diese Formulierung ist auch für andere mit einen Schnitt geteilte Heroldsbilder gebräuchlich. Sind mehrere Sparren betroffen, ist die Größe der ausgebrochenen Stücke im Verhältnis zueinander entsprechend anzupassen.

„Figur 68.: drei am Giebel ausgebrochene Sparren (selbstredend muss hier das ausgebrochene Stück des oberen größer sein, wie das der beiden anderen).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Gespitzter Sparren

1475–1500: Gespitzter Sparren (Wappen Czernabor nach Wernigeroder Wappenbuch)
1539: Oben siebenfach gespitzer Sparren (Wappen der Herren von BoskowitzW-Logo.png)

Ist der Sparren spitzenförmig ausgezogen beziehungsweise mit Spitzen besetzt, kann dieser mit gespitzt beschrieben werden (vgl. → Spitzenschnitt, → Spitze).

„Oben siebenfach gespitzter Sparren (Tafel IX. Figur 105.): ist ähnlich wie Tafel X. Figur (7. oben siebenfach gespitzt -- redaktionell korrigiert --Anm. der Redaktion) wo er schwebt, wohl Unicum; die Fürsten Liechtenstein führten einen solchen Sparren 1623 ff. (wegen der von ihnen beerbten Familie von Czernabors) in einem Felde ihres Wappens.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Sparrenähnliche Motive mit Spitzen können je nach Mode, Kultur- und Zeitgeist und Wappenaufriss selbst für ein und dasselbe Wappen sehr unterschiedlich aussehen, je nachdem wie die Wappenkünstler sie gestalten. Beispielsweise erscheint der Sparren im Wappen der Herren von BoskowitzW-Logo.png teils siebenfach, teils neunfach gespitzt, teils mit einer anderen Anzahl Spitzen; teilweise erscheint das Motiv als Dreiberg, der mit einem silbenern Strahlenkranz besetzt ist oder als unten gesäumter Sparren et cetera.

Giebelloser Sparren

Erscheint ein Sparren ohne seine Spitze, ist er als giebelloser Sparren oder als oben verstutzter Sparren zu melden:

„Giebelloser (oben verstutzter) Sparren (Tafel IX. Figur 110.) wo der ganze Giebel fehlt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Pfahlsparren

Die Kombination eines Sparren mit einem Pfahl nennt man in der Heraldik „Pfahlsparren“; die Kombination aus einem gestürzten Sparren mit einem Pfahl „gestürzter Pfahlsparren“ respektive „Pfahlsturzsparren“.

Ornamentiert ausgezogene Sparren

„Dass, wie beim Schildfuß, Schräghaupt etc. auch der Sparren in ornamentale Spitzen ausgezogen vorkommt, sehen wir aus Tafel X. Figur 29. bis 31., wo diese Spitzen respektive in Lindenblatt, Leopardenkopf und Gleve endigen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Galerie

Abgrenzung

Spießbalken / Spitzbalken

Die Bezeichungen Spießbalken beziehungsweise Spitzbalken sind als Namen für den Sparren nicht mehr gebräuchlich beziehungsweise gelten als veraltet.

„Spießbalken = altdeutsch für Sparren“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

„Spitzbalken = altdeutsch für Sparren“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Symbolik

In der Heraldik steht das Heroldsbild Sparren oft als redendes Motiv für Familiennamen wie Sparneck, Sparr, Sparre, Spearman, Chevron, Chevroniére et cetera.

Wappenbilderordnung

  • Der Sparren wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Kombination von Schrägrechts- und Schräglinksteilungen unter der Nr. 0551 aufgenommen.
  • Der abgeflachte Sparren wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Kombination von Schrägrechts- und Schräglinksteilungen unter der Nr. (0551)-646 aufgenommen.

Übersetzungen

  • Französisch chevron
  • Englisch chevron
  • Spanisch cabria
  • Niederländisch keper
  • Litauisch: Gegnė
  • Polnisch krokiew

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Sparren in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Schilde mit mehreren Sparren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestaltung mit Sparren - Teil 1 – (Sparren)
Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestaltung mit Sparren - Teil 2 – (mehrere Sparren)
Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestaltung mit Sparren - Teil 3 – (Doppelsparren)
Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestaltung mit Sparren - Teil 4 – (Gegensparren)
Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestaltung mit Sparren - Teil 5 – (veränderte Sparren)
Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Gestaltung mit Sparren - Teil 6 – (verflochtene Sparren)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 132, 144.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 2,14 2,15 2,16 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 59 ff.
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 242.
  4. Vgl. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 152.
  5. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 159.ISBN 978-3-411-02149-9
  6. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 61