Flechtzaun (Heraldik)

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Wachsender Flechtzaun (oder Hurte)
(Wappen der Familie von Zaunrieder/Zäunryden)

Der Flechtzaun (auch Flechtwerkzaun, geflochtener Zaun, Flechthag, Gert’nzaun, Flochtzaun, Geflechtzaun oder ähnlich genannt, engl.: wattle fence; teilweise mißverständlich Flechtgatter, aus dem Wortfeld Garten/Gatter für Flechtzaun) bezeichnet in der Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

Die Figur Flechtzaun ist -- in der Regel nur wenig heraldisch stilisiert -- der gleichnamigen Sperranlage nachempfunden, die zu den ältesten Zauntypen gehört. Das Wappenwesen unterscheidet nur in seltenen Fällen bei der Blasonierung beziehungsweise in der heraldisch-stilisierten Darstellung hinreichend genau zwischen den unterschiedlichen Arten/Sorten eines Flechtzauns (zum Beispiel: geflochtener Speltenzaun, geflochtener Dornenzaun, geflochtener Weidenzaun, senkrechter Flechtzaun, waagerechter Flechtzaun, Flechtzaun mit „X“ Stäben, Flechtzaun aus Ruten, dünnen Zweigen, gespaltenem Holz, Schilf, Weidenblanken et cetera).

Vielmehr lehnen sich die Flechtzaun-Wappenfiguren an ein IdealbildW-Logo.png eines Zauns an, das in irgendeiner Form als FlechtarbeitW-Logo.png erkennbar ist, wobei die genaue Ausprägung (Material, Art, Größe, Form et cetera) oft der künstlerischen Freiheit des Wappenkünstlers überlassen bleibt. In jedem Fall erscheint ein heraldischer Flechtzaun in Form von mehreren, regelmäßig Ineinandergeschlungen „Geflechtsträngen“, die in der Natur einem biegsamen Material entsprechen (zum Beispiel biegsamen Profilbrettern, Ruten, Zweigen aus Weide oder ähnlichem).

Gewöhnlich erscheint die Figur Flechtzaun im Wappen gerade und durchgehend von einem Seitenrand des Schildes zum anderen, wobei ein wachsender Flechtzaun vom unteren Schildrand bis zu einer bestimmten Höhe im Schild reicht (etwa bis zur Schildmitte). Ein Flechtzaun kann auch in einem bestimmten Platz stehen (beispielsweise im Schildfuß oder ähnliches). Die Figur wird oft mit anderen Wappenfiguren oder Wappentieren kombiniert, die zum Beispiel hinter, über oder unter dem Flechtzaun erscheinen. Selten steht der Flechtzaun als einziges Motiv oder schwebend im Schild. Alle heraldischen Tinkturen sind möglich, wobei die Flechtzäune bevozugt in Gold/Gelb in einem Wappen erscheinen.

Derivate des Paumgarten-Wappens

In Anlehnung an das Wappen derer von PaumgartenW-Logo.png ist eine Kombination aus Löwe und Flechtzaun gebräuchlich.

Abgrenzung

Schanzenkorb

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Schanzkorb (Heraldik)

Flechtzäune, die im Wappen erscheinen, sind nur sehr schwer oder gar nicht von Schanzkörben zu unterscheiden. Grundsätzlich besitzt eine Schanzkorb eine eher runde Form, während ein Flechtzaun eher gerade und durchgehend von einem Schildrand zum anderen dargestellt wird.

Hurten/Hürden/Flechtwerkwände

In Wappen aufgerissene Flechtzäune sind ebenfalls nur sehr schwer oder gar nicht von geflochtenen Wänden („Flechtwand/Flechtwerkwand“W-Logo.png) oder von geflochtenen Hurten/Hürden (engl.: hurdle) zu unterscheiden, die man beispielsweise zum Dörren von Obst, als Uferschutz, zum Auslegen von Wagen, als Grundgerüst für den Rauchabzug oder ähnliches gebrauchte.

Flechtgatter

Der Ausdruck Flechtgatter ist im Wappenwesen nicht eindeutig von der Figur Flechtzaun unterschieden. Im Allgemeinen sollte er nur verwendet werden, wenn die Figur Flechtzaun zusätzlich mit einem Latten- beziehungsweise Gittertor oder ähnlichem im Wappen erscheint.

Flechtgatter (Tafel XXV. Figur 51.): ist eine Art Hecke, welche durch in die Erde eingerammte Pfähle mit dazwischen geflochtenen Weiden hergestellt sind (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Weblinks

 Commons: Zäune in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 115