Maueranker (Heraldik)

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Maueranker im Wappen der Edelherren von und zu Plesse

Der Maueranker (auch Hausanker, Eisenanker, Mauerklammer, Balkenklammer, Crampen, doppelter Maueranker u. ä.; frz.: ancre de muraille; engl.: cramp iron oder wall-iron) ist eine heraldische Figur, welche in zig Varianten in vielen Familien- und Gemeindewappen verwendet wird.

Darstellung

Mauerankerfigur als Schildbeschlag

1155:Mauerankerartiger Schildbeschlag
(Siegel Albrecht der Bär; nach Heinemann, 1867)

Die Wappenfigur Maueranker leitet sich ursprünglich vermutlich aus dem originären „Spangenwerk“ (=„Schildbeschlag“)[1] ab, das an Kampfschilden oder am Helmschmuck angebracht war. Frühe Darstellungen der später mißverständlich als „Maueranker“ bezeichneten Beschläge finden sich beispielsweise in den Siegeln von Albrecht dem BärenW-Logo.png.

„In den Siegeln des Grafen Adalbert von Ballensteds und Thüringen (um 1073) und seines Enkels Albrechts des Bären erscheinen die Siegelführer, gewapnnet, zu Fuss (der erstere bloss im Brustbild), mit einen Schild ohne jeden heraldischen Schmuck, nur mit einem Beschlage in der Form des Mauerankers (..)“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[2]

Auch das Wappen derer von PlessenW-Logo.png geht vermutlich eher auf einen Schildbeschlag zurück als auf einen Metallteil in einer Wand. In einer frühen Wappenabbildung der burggesessenen Herren/Edelherren von Plesse aus dem Jahr 1209 erscheint das Spangenwerk silbern auf rotem Schild. Das Wappen schmückt zusammen mit zweiunddreißig anderen Wappen das Quedlinburger Wappenkästchen,

[3] ein ReliquiarW-Logo.png aus dem Schatz der dortigen Stiftskirche.[4][5] Alle Wappen auf dem Kunstwerk sind ohne Helmzier und Decken dargestellt. Spätere Plesse-Wappen sind gspiegelt tingiert (in Silber rotes Spangenwerk) oder zeigen, der Überlieferung zufolge, auch einen goldenen Schild mit einem roten Spangenwerk („Maueranker“).[6][5] Das Vollwappen zeigt über dem Schild den Helm mit Decken in den jeweiligen Wappenfarben und dem roten mauerankterartigen Schildbeschlag vor einer mit Pfauenfedern besteckten Säule in der Tingierung des Schildes.[5]

Mauerankerfigur als Metallteil in einer Wand

Prinzip, wie ein Maueranker in einer Wand oder Mauer die Zugkräfte aufnimmt, die im hinter der Mauer liegenden Bauwerk auftreten, wobei der vordere Teil des Mauerankers oft dekorativ gestaltet ist.

Die Darstellung eines heraldische Mauerankers lehnt sich an einen wirklichen Maueranker an, der im Bauwesen als metallenes Bauteil mit dem Mauer-/Balkenwerk mit mindestens zwei Fixpunkten verbunden wird, um im Bauwerk auftretende Zugkräfte aufzunehmen. Reale Maueranker und ihre heraldischen Darstellungen sind oft als Zahlen oder Buchstaben ausgeprägt oder mit Ornamenten oder Rosetten in symmetrischer Anordnung verziert. Dies trägt dem Umstand Rechnung, daß Maueranker an der Fassade und im Wappen verwendet werden, um mit Hilfe von Zahlen und Initialen auf Besitz und besondere Daten (Baujahr, Bauherr, Wappenstifter, Familienname usw.) hinzuweisen.

„Maueranker (Tafel XXVIII. Fig. 44-50.) Dies sind die eigentlichen, zur Befestigung von Mauern dienenden eisernen Klammern, wie sie in Rheinischen Wappen Münch v. Bellinghausen, Grafen Spiegel etc. erscheinen. Die Figuren 46. und 47. sind zwar Hausmarken, welche aber sehr wohl als Maueranker gedient haben können.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[7]

Abgrenzung

Maueranker sind nur schwer von anderen gemeinen Figuren der Heraldik wie dem Mühleisen, der Doppelhafte, dem Feuerbock u. ä. zu unterscheiden, wobei in manchen Fällen die Ausdrücke synonym verwendet werden.

Mauerhaken

Eine einfache Ausführung eines Mauerankers ist der Mauer- oder Doppelhaken, der als solcher gemeldet werden sollte.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Mauerhaken

Wappenbilderordnung

Weblinks

 Commons: Maueranker in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Retberg-Wettbergen, Ralph von: Kleine Bemerkungen zur Wappenkunde. In: Heraldisch-genealogische Zeitschrift des Vereins Adler in Wien. III. Jahrgang 1873. Nummer 9.
  2. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 72
  3. „Quedlinburger Wappenkästchen“ (PDF; 572 kB)
  4. Nathalie Kruppa: Neue Gedanken zum Quedlinburger Wappenkästchen. In: Concilium medii aevi. 4, 2001, ISSN 1437-9058, S. 153–177, online (PDF; 558 KB)
  5. 5,0 5,1 5,2 Seite „Plessen (Adelsgeschlecht)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. August 2017, 14:17 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Plessen_(Adelsgeschlecht)&oldid=168376309 (Abgerufen: 23. Oktober 2017, 19:45 UTC)
  6. Detlev Hellfaier: Plesser Siegel und Wappen im Stift Freckenhorst. In: Plesse-Archiv. 16, 1980, ISSN 0341-3837, S. 93–114.
  7. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.