Kirchturm (Heraldik)

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Kirchturm
Silberner Kirchturm, beseitet von zwei Schilden
(Wappen von Nieder-RodenW-Logo.png)[1]
(Die Wappenfigur im Wappen von Nieder-Roden ist heraldisch stilisiert dem Kirchturm der Kath. Pfarrkirche St. Matthias in Nieder-Roden im Rodgau nachempfunden.)

Das Bauwerk Kirchturm (lateinisch campanile; französisch clocher; englisch steeple oder church tower) und sämtliche Kirchturmtypen sind im Wappenwesen (Heraldik) gemeine Figuren, die je nach Wappen durch markante oder besondere architektonische Details unterschiedlich gestaltet sein können.

Geschichte

Wappenbrief 1639: Roter Kirchturm (Wappen Friesacher; nach Siebmacher von 1909)

Wann das erste mal eine solitäre Kirchturmfigur in einem Wappen erscheint, ist unklar beziehungsweise nicht vollständig erforscht. Im Zusammenhang mit Familienwappen scheint dies nach dem Neuen Siebmacher spätestens im 16./17. Jahrhundert der Fall zu sein (vgl. die Wappen Kirchmüller und Friesacher); da eine Kirchturmfigur nach dem Prinzip pars pro totoW-Logo.png („ein Teil [steht] für das Ganze“) eigentlich eine Kirche versinnbildlicht, Kirchenfiguren aber spätestens seit dem 13. Jahrhundert im Wappenwesen vorkommen, ist es wahrscheinlich, dass die Kirchturmfigur ebenfalls vor dem 16. Jahrhundert erstmals in Wappen erscheint.

Darstellung

Die gemeine Wappenfigur Kirchturm ist -- heraldisch stilisiert -- entweder dem auf einer verhältnismäßig kleinen Grundfläche hoch aufragenden, schlanken und hohen IdealbildW-Logo.png des gleichnamigen kirchlichen Bauwerks nachempfunden oder eine wappenmäßig vereinfachte Wiedergabe eines realen (ehemaligen oder noch bestehenden) Turms eines Kirchengebäudes. In einer Wappenbeschreibung wird gewöhnlich der Umstand der Nachbildung eines realen Kirchturms nicht (oder nur ausnahmsweise) angesprochen. Die genaue Beschreibung des Wappenmotivs erfolgt statt dessen in der Kunstsprache der Heraldik. Bei der Blasonierung ist die Figur Kirchturm so präzise zu beschreiben, dass alle Wappenkünstler heraldisch vergleichbare Wappenaufrisse für ein und dasselbe Wappen erzielen können. Hinweise auf die Nachbildung finden sich unabhängig von der Wappenbeschreibung oft in einer Wappenbegründung beziehungweise in einer Symbolbeschreibung.

Die genauen Formen, Erscheinungen und Varianten der Kirchturmfigur sind in der heraldischen Literatur nicht allgemeingültig, systematisch, konsistent und erschöpfend bestimmt. Gewöhnlich erscheint das Motiv im Wappen isoliert beziehungsweise solitär stehend („frei-/alleinstehend“). Im Wappenschild ist die Figur stets im AufrissW-Logo.png und nicht (oder nur sehr gering) perspektivisch darzustellen. Ein Kirchturm sollte stets nach seiner spezifischen Typologie gemeldet werden (beispielsweise als Rundkirchenturm, sechs- oder achteckiger Kirchenturm, Chorkirchenturm, Vierungskirchenturm und so weiter). Auch eine besondere Funktion kann man in der Wappenbeschreibung anzeigen (z. B.: „Wehr-/Fluchtkirchenturm“).

Dachformen und Gebäudeöffnungen von Kirchturmfiguren

Häufige Dachformen auf Kirchtürmen

Die Dachform der Kirchturmfigur ist gegebenenfalls anzuzeigen (also zum Beispiel: Spitzdach, Pyramidendach, Zwiebeldach/-haube/-helm, Schrägdach, Runddach. Kegeldach, Kuppeldach, Satteldach, Zeltdach, Keildach, Rhombendach, Glockendach, Kreuzdach, Faltdach, Helmdach, Knickhelm, Zwiebeldach, Welsche Haube und so weiter); wird die Dachform nicht angezeigt, erscheint die Figur gewöhnlich mit einem sogenannten „Zeltdach“ (beziehungsweise mit einem „Satteldach“). Ziert ein Kreuz, ein TurmknopfW-Logo.png oder ein Windrichtungsgeber das Dach, ist dies zu melden.

Die Form, Lage und Anzahl der Gebäudeöffnungen (Fenster, Tür, Erker, Schallloch und so weiter) sollten bei der Blasonierung eindeutig, detailliert und so kurz wie möglich beschrieben sein. Die Tür oder das Tor eines Kirchturms können beispielweise „geschlossen“ oder „offen“ sein, Fenster können „in einen Rundbogen gefasst“ sein, „einzeln“, „doppelt“, „in Drei-“ oder einer anderen Mehrzahl erscheinen.

Tingierung von Kirchturmfiguren

Die Tingierung der Kirchturmfigur folgt den Regeln für heraldische Farben. Die bevorzugte Tingierung aller Kirchturmformen ist Silber, gefolgt von Gold, Schwarz und Rot, wobei Kirchturmfiguren zuweilen auch in anderen heraldischen Farben wie Blau erscheinen. Sind die Kirchturmfenster oder andere Elemente des Kirchturms andersfarbig tingiert, so ist dies anzuzeigen (zum Beispiel: „silberner Kirchturm mit schwarzen Fenstern“). Veraltete heraldische Bezeichnungen wie „betagleuchtet“ sollte man in der Wappenbeschreibung nach Möglichkeit vermeiden.

Soll eine Kirchturmfigur im Wappen ein Mauerwerk mit schwarzen Fugen besitzen, was in der Darstellung beispielsweise mit schwarzen Strichen angedeutet werden kann, ist dies zu melden (zum Beispiel: „Silberner Turm, [schwarz] gemauert/gefugt“).

Nachbildung eines realen Turms

In Wappen ist das Motiv Kirchturm manchmal die vereinfachte Wiedergabe eines ehemaligen oder noch bestehenden Kirchturms im Einzugs- oder Herrschergebiet der Wappenführenden. Bis heute sind die Varianten der Kirchturmfigur reichhaltig (besonders in Stadt- und Ortswappen, in denen auf ein kommunales Kirchturmvorbild verwiesen wird). Nachbildungen eines realen Kirchturmes im Wappen müssen in der Wappenbeschreibung nicht explizit erwähnt sein. Es reicht gewöhnlich aus, die Nachbildung in der klassischen Kunstsprache der Heraldik genau so zu umschreiben, dass das Motiv in einem Wappen entsprechend stilisiert wiedergegeben werden kann.

Kirchturmfiguren, die realen Kirchtürmen nachempfunden sind (Auswahl) Vorbild Wappen
AurachW-Logo.png Die Kirchturmfigur im Wappen ist dem Kirchturm der katholischen Pfarrkirche zum heiligen Rupert nachempfunden.
  • Blasonierung: In Blau ein goldener Kirchturm mit Zwiebelhelm über zwei gekreuzten goldenen Bergmannshauen.
Aurach-0013.jpg
Wappen at aurach bei kitzbuehel.png
GraunW-Logo.png Glockenkirchturm aus dem 14. Jahrhundert der alten Pfarrkirche St. Katharina von Alt-Graun im ReschenseeW-Logo.png
  • Blasonierung: Schild geteilt durch grüne Leiste. Oben Silber, unten Blau. Aus der Mitte des blauen Feldes ragt ein grauer (Kirchen-)Turm mit dreiteiligem Schallfenster und blauen Pyramidendach, dessen Spitze den oberen Schildrand erreicht.[2]
Lago di Resia - panorama (21060362932).jpg
CoA civ ITA Graun-CuronVenosta.png
RiffianW-Logo.png Kirchturm der Pfarrkirche zur Schmerzhaften MuttergottesW-Logo.png; die Wallfahrtskirche geht auf einen romanischen Bau zurück, der im 12. Jahrhundert errichtet wurde. 1368 wurde eine gotische Kirche errichtet, die 1465 erweitert wurde.
  • Blasonierung: In Blau ein ragender oberhalber, natürlicher Kirchturm mit Giebelstücken, TambourW-Logo.png, Schallfenster und Zwiebelhaube.
Riffian Pfarrkirche.jpg
Rifiano-Stemma.png
Berod bei WallmerodW-Logo.png Die Kirche (Teile zwischen 1150 und 1200 erbaut) in Berod bei Wallmerod mit romanischem Westturm ist das älteste Kulturdenkmal des Dorfes.
  • Blasonierung: Gespalten durch eine rot-silberne Doppelflanke und geteilt im Wellenschnitt ein spitzbedachter, kreuzbesteckter, schwarzgefugter Kirchturm mit silbernem Fenster, erhöht um ein im Rundbogen gefasstes, silbernes Doppelfenster, vorne eine Rodehacke, hinten ein Tongräberspaten, alles in verwechselten Farben.
DEU Berod bei Wallmerod COA.svg
MehrnbachW-Logo.png Im Wappen von Mehrnbach erscheint im vorderen Feld der gotische West-Turm der bereits um 1150 urkundlich erwähnten Pfarrkirche von MehrnbachW-Logo.png.
  • Blasonierung: Gespalten; rechts in Schwarz ein goldener, vom Schildfuß ausgehender Kirchturm mit zwei viereckigen Untergeschossen, einem achtseitigen Obergeschoß mit Strebepfeilern und einem achteckigen Spitzdach, bekrönt mit Kugel und Kreuz, die Geschosse getrennt durch Kaffgesimse, im untersten Geschoß zwei schwarze, rechteckige Fensteröffnungen, im Obergeschoß ein schwarzes, spitzbogiges Fenster; links in Silber ein blauer Wellenpfahl.
Mehrnbach-2.jpg
Wappen Mehrnbach.jpg
BudbergW-Logo.png Das Wappen zeigt den Turm der 1332 erstmals (als Patrozinium St. Lambert) erwähnten evangelischen Kirche BudbergW-Logo.png.
  • Blasonierung: In Grün über einem in der Mitte abgeflachten schwarzen Dreiberg ein goldener Kirchturm; in der Mitte rechts ein kleines silbernes Schild darüber ein schwarzes Kreuz und links ein kleines goldenes Schild geteilt durch einen schwarzen Balken.
Rheinberg, Budberg, Evangelische Kirche, 2015-12 CN-02.jpg
DEU Budberg COA.svg
LangfördenW-Logo.png Glockenturm aus dem Jahre 1011 der Pfarrkirche St. Laurentius in Langförden
  • Blasonierung: „In Silber ein roter (Kirch)Turm mit einem spitzen blauen Schindel­dach mit goldenem Knauf und Kreuz; im Turm unten ein Rundbogen­portal mit Tor, darin ein blaues Tor, oben in einem silbernen Rundbogen zwei blaue Schall­löcher. Begleitet oben rechts von einem roten Tunierkragen und darunter den römischen Zahlzeichen MXI; oben links von einer roten fünfblättrigen Rose mit goldenem Kelch und grünen Kelchblättern.“[3]
Langförden Laurentiusbrunnen Glockenturm.JPG
Wappen Langfoerden.png

Kapellenturm

Der Kappellenturm ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur, die in der heraldischen Darstellung im Wappen nur schwer von der Kirchturmfigur zu unterscheiden ist.

HainsdorfW-Logo.png Kapellenturm im Wappen von Hainsdorf im Schwarzautal
  • Blasonierung: In silbernem grün eingefasstem Schild ein in grünen Kleeblattschnitt (2:1) ausgehender Schildfuß, aus diesem wachsend unter grünem eingebogenem Schildhaupt ein konturierter sechseckiger Kapellenturm mit schwarzer Zwiebelhaube, aufgestecktem dreiarmigem Kreuz und schwarzen, silbern durchbrochenen Fensterbalken.[4]
Kapelle hainsdorf im schwarzautal.JPG
Wappen Hainsdorf.png
OffenhausenW-Logo.png
  • Blasonierung: Fünfmal schräg geteilt von Rot und Silber, belegt mit dem wachsenden goldenen Turm der Ottmars- und Ottilienkapelle mit Außenkanzel und Tor, oben rechts beseitet von einem schwarzen Schildchen mit drei zwei zu eins gestellten goldenen Kugeln, oben links beseitet von einem silbernen Schildchen mit einer heraldischen roten Rose mit goldenem Butzen und fünf grünen Blättern.[5]
Keilberg 05.jpg
DEU Offenhausen COA.svg

Kirchturmruine

Eine Kirchturmruine (auch „zerstörter Kirchturm“ genannt) ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur. Gewöhnlich erscheint die Kirchturmruinenfigur als Idealbild eines zerfallenen Kirchturms mit ausgebrochenen Mauerwerk, kaputten Fenster-/Torsturz und ähnlichem. Im Wappen ist das Motiv Kirchturmruine manchmal die vereinfachte Wiedergabe einer ehemaligen oder noch bestehenden Kirchenruine bzw. einer Kirchturmruine im Einzugs- oder Herrschergebiet der Wappenführenden.

Kirchturmruinenfigur, deren Darstellung sich an eine reale Kirchenruine anleht Vorbild Wappen
HundisburgW-Logo.png Die Kirchturmruinenfigur im Wappen von HundisburgW-Logo.png ist der historischen Kirchenruine NordhusenW-Logo.png nachempfunden.
  • Blasonierung: „In Rot eine silberne Kirchturmruine mit schwarzen Öffnungen.“
Kirchruine (Kirchenruine Nordhusen)
Wappen Hundisburg.png

Abgrenzung

Kirchturm versus Kirche

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Kirche

Erscheint ein Kirchturm nicht alleinstehend, sondern mit anderen Bauwerken zu einem architektonischen Ensemble verbunden (zum Beispiel mit einem anschließenden Kirchenbau/-schiff), wird die Figur gewöhnlich als „Kirche“, „Kirchengebäude“, „Kapelle“ oder ähnliches gemeldet, wobei die genaue Ausprägung des Kirchturmanbaus, seine Lage/Position/Stellung bezogen auf die eigentliche bauliche Gesamtanlage möglichst genau angezeigt werden sollte.

Manchmal sind Kirchturmfiguren in Wappenbeschreibungen mißverständlich als „Kirchen“ bestimmt. Beispielweise erscheint in dem redenden Wappen von Weiskirchen im RodgauW-Logo.png eine alleinstehende Kirchenturmfigur ohne anschließenden Kirchenanbau (allenfalls mit einem „gedachten“ beziehungsweise hinter dem Turm verdeckt liegendem Kirchenschiff); in der offiziellen Wappenbeschreibung wird das Motiv aber nicht als „Kirchturm“, sondern als „Kirche“ beschrieben.[6] Nach dieser Beschreibung würde man die Figur im Wappen von Weiskirchen gewöhnlich als eintürmige gemeine Kirche (mit einem Kirchenschiff in Seitenansicht) aufreissen.

WeiskirchenW-Logo.png Das redende Wappen von Weiskirchen zeigt den alleinstehenden „Kirchturm“ der Kirche St. Petrus in Ketten; in der offiziellen Blasonierung wird das Motiv dagegen mißverständlich als „Kirche“ angesprochen.
  • Blasonierung: Auf blauem Grund über goldenem Boden eine silberne Kirche mit rotem Dach und goldenem Turmkreuz, der Turm von vier goldenen Mühlrädern beseitet.[6]
St Petrus in Ketten Weiskirchen.jpg
DEU Weiskirchen (Rodgau) COA.svg

Kirchturm versus Turm

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Turm

Eine Kirchturmfigur unterscheidet sich gewöhnlich erkennbar von einer Turmfigur. Allerdings gibt es Grenzfälle, wo zwischen einem Kirchturm einerseits und einem gemeinen Turm andererseits in der Wappenbeschreibung oder im Wappenaufriss nicht genau unterschieden wird. Dies ist insbesondere Fall, wenn das im Wappen dargestellte Motiv dem Wehr-/Fluchtturm einer Wehr-/FluchtkircheW-Logo.png nachempfunden und womöglich mit Wehrelementen versehen ist (Wehrgang, Schießscharten, Zinnen etc.), wie sie auch bei Burgtürmen vorkommen. Beispielsweise erscheint im Wappen von Klein LengdenW-Logo.png nach offizieller Wappenbeschreibung ein (gemeiner) „Turm“; tatsächlich ist das Motiv aber nicht einem gewöhnlichen Turm nachempfunden, sondern dem mittelalterlichen Wehr-/Fluchtkirchenturm der Johanniskirche des Ortes, was nur aus der Symbolbeschreibung (Begründung) hervorgeht. Streng genommen, ist in diesem Fall der Ausdruck „Turm“ in diesem Fall mißverständlich bzw. zu vageW-Logo.png und fördert womöglich voneinander abweichende Wappenaufrisse.

Klein LengdenW-Logo.png Mittelalterlicher Wehr-/Fluchtkirchenturm
  • Blasonierung: „Im blauen Schild, aus dem Schildfuß hervorgehend, ein sich zweimal verjüngender silberner (weißer) Turm mit grünen Glockendächern.“[7]
  • Begründung: Das von Otto Rössler von WildenhainW-Logo.png entworfene Wappen wurde vom niedersächsischen Ministerium des Inneren am 22. April 1949 genehmigt. Es zeigt den Kirchturm der Johanniskirche, ein mittelalterlicher wehrhafter Barockturm und Wahrzeichen des Ortes.
DEU Klein Lengden COA.svg
ReckeW-Logo.png Wehr-/Fluchtkirchenturm einer romanischen Kirche
  • Blasonierung: In Silber sieben blaue Balken, darauf ein schwarzer, silbern verfugter Turm mit silbernen, spitzbogigen Tor, Satteldach, drei rundbogigen, silbernen Fenstern 2-über-1, darunter eine silberne, rechteckige Schießscharte.
Evangelische Kirche Recke 09.jpg
DE Recke COA.svg

Kirchturm versus Glockenturm

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Glockenturm

Die Ausdrücke „Kirchenturm“W-Logo.png und „Glockenturm“W-Logo.png werden in der heraldischen Literatur und in unpräzisen Wappenbeschreibungen zuweilen nicht konsistent und im Sinne der Heraldik voneinander abgegrenzt.

Im Allgemeinen sollte eine „Kirchturmfigur“ ohne Glocke in einem Wappen erscheinen, eine „Glockenturmfigur“ jedoch mit einer oder mehreren Glocken. Es kommt jedoch vor, dass ein als „Glockenturm“ beschriebenes Motiv ohne Glocke(n) aufgerissen wird und ein als „Kirchturm“ bezeichnetes mit Glocke(n). Um Wappenirrtümer zu vermeiden, empfiehlt es sich, in der Wappenbeschreibung parenthetisch anzuzeigen, ob die Glocken- bzw. Kirchenturmfigur im Wappen „mit Glocke“ oder „ohne Glocke“ erscheinen soll. Diese Empfehlung folgt nicht oder nur am Rande der Umgangssprache, wo der Ausdruck „Glockenturm“ ein Oberbegriff für „Kirchturm“ ist. Dass in Kirchtürmen meist Kirchenglocken hängen, Kirchentürme somit nahezu immer „Glockentürme“ sind, bleibt in der Heraldik weitgehend unbeachtet, wo es auf die signifikanten und unverwechselbaren Gestaltungsunterschiede zwischen einer Kirchturmfigur gegenüber einer Glockenturmfigur ankommt.

Wappenführung / Vorbild In der Heraldik
Uhřice u BoskovicW-Logo.png

Glockenturm der Gemeinde
(2014, Foto: Jiří Komárek)

Glockenturm[8] mit Glocke
CoA of Uhřice (okres Blansko).svg
LeezenW-Logo.png

Hölzerner Glockenturm der Feldsteinkirche Leezen

Glockenturm[9] ohne Glocke
Wappen Leezen Holstein.png
Eintürnen5.jpg
EintürnenW-Logo.png

Kirchturm der Kirche St. Martin

Kirchturm[10] ohne Glocke
Wappen Eintuernen.png
Torreón iglesia Robledo.jpg
Robledo de ChavelaCoat of Arms of Spain klein.png

Iglesia de la Asunción de Nuestra SeñoraCoat of Arms of Spain klein.png

Kirchturm[11]
Im Aufriss „mit Glocken“ gestaltet, in der Wappenbeschreibung bleiben Glocken unerwähnt.
mit Glocken
Coat of Arms of Robledo de Chavela.svg
Pfarrkirche Neukirchen vorm Wald.jpg
Neukirchen vorm WaldW-Logo.png

Kirche St. MartinW-Logo.png mit Glockenturm

Kirchturm[12]
Aus dem unteren Schildrand wachsender (oberhalber) Kirchturm
ohne Glocke
DEU Neukirchen vorm Wald COA.svg
Münchehofe Kirche Westansicht.jpg
MüntehofeW-Logo.png

Evangelische Kirche MünchehofeW-Logo.png mit Glockengiebel

Glockengiebel[13]
Als Glockenturm (?) blasoniert, eigentlich aber ein aus dem unteren Schildrand wachsender Glockengiebel.
mit Glocke
Wappen Muenchehofe.png

Wappenbilderordnung

Weblinks

 Commons: Kirchturm in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wappenbeschreibung: „In Schwarz ein silberner Kirchturm, beseitet rechts von dem Eppsteinschen Schild: drei rote Sparren in Silber, links von dem Mainzer Schild: einem silbernen Rad in Rot.“
    Nach Karl Ernst DemandtW-Logo.png, Otto RenkhoffW-Logo.png: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956.)
  2. Wappenbeschreibung nach:
    • Hans Prünster: Die Wappen der Gemeinden Südtirols. Etschlandbücher. Veröffentlichungen des Landesverbandes für Heimatpflege in Südtirol. Band 7. 1972. S. 58
  3. Manfred Furchert: Oldenburgisches Wappenbuch. Die Wappen der Landkreise, Städte und Gemeinden des Oldenburger Landes. Hrsg.: Oldenburgische Landschaft (= Veröffentlichungen der Oldenburgischen Landschaft. Band 7). Band 1. Isensee Verlag, Oldenburg 2003, ISBN 3-89995-050-X, S. 112.
  4. Landesgesetzblatt Steiermark Nr. 41/2010
  5. Stephanie Heyl: Gemeinde Offenhausen. In: Haus der Bayerischen Geschichte. Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, abgerufen am 7. November 2020.
  6. 6,0 6,1 Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Weiskirchen im Landkreis Offenbach,, Regierungsbezirk Darmstadt vom 25. Februar 1958. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1958 Nr. 10, S. 298, Punkt 255 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,5 MB]).
  7. Kreisarchiv Göttingen, Wappen der Ortschaften der Gemeinde Gleichen und ihre Beschreibungen, Email vom 24.04.2019, Gemeinde Gleichen
  8. Wappenbeschreibung (tschechisch): „V zeleném štítě stříbrná zvonice s červenou valbovou střechou se dvěma makovicemi, zavěšeným zvonem a provázená tlapatými kříži převýšenými korunami, vše zlaté.“
    • Wappenbeschreibung (freie Übertragung in die deutschsprachige heraldische Terminologie -- Redaktion Heraldik-Wiki): In Grün ein silberner Glockenturm mit roten Walmdach, welches mit zwei goldenen Kugeln besetzt ist, (mit offenem Tor) und mit einem (oben rundbogenförmigen) Schallfenster, darin (an einem goldenen Joch) eine hängende goldenen Glocke; beiderseits begleitet von je einem goldenen Tatzenkreuz unter einer ebensolchen Krone.
  9. Gemeinde Leezen, Kreis Segeberg in der Kommunalen Wappenrolle Schleswig-Holstein
    • Wappenbeschreibung: „In Silber über einem blauen Zwillingswellenbalken ein roter hölzerner Glockenturm, in der unteren Hälfte beiderseits begleitet von einem grünen Lindenbaum.“
  10. Blasonierung: In Blau ein silberner Kirchturm mit Zwiebelhaube.
  11. Resolución de 23 de enero de 1992, de la Secretaría General Técnica de la Consejería de Cooperación, por la que se da publicidad al Acuerdo de 4 de diciembre de 1991, por el que se autoriza al Ayuntamiento de Robledo de Chavela para adoptar escudo heráldico y bandera municipal. In: Boletín Oficial del EstadoW-Logo.png nº 69. Gobierno de España, 20. März 1992, abgerufen am 12. November 2020 (pdf).
    • Wappenbeschreibung: „Escudo partido: Primero, de oro, un roble de su color, arrancado, acompañado de ocho estrellas de azur dispuestas a su alrededor; segundo, de gules, una torre de iglesia, de plata. Va timbrado con la Corona Real Española.“
  12. Eintrag zum Wappen von Neukirchen vorm Wald in der Datenbank des Hauses der Bayerischen GeschichteW-Logo.png
    • Wappenbeschreibung: „Über blauem Schildfuß eine eingeschweifte silberne Spitze, belegt mit einem aus dem unteren Schildrand wachsenden silbernen barocken Kirchturm mit schwarzem Dach, vorne in Rot eine silberne heraldische Rose, hinten geteilt von Rot und Blau, oben ein silberner Pfahl.“
  13. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
    • Wappenbeschreibung: „In Grün ein spitzgiebeliger, oben mit einem Kreuz besteckter silberner Glockenturm, darin über einer Dreipassrosette eine rundbogige Öffnung mit einer goldenen Glocke am schwarzen Glockenstuhl; oben rechts beseitet von einem goldenen Birkenblatt und links von einem goldenen Mühlrad.“