Brunnenhaken

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1900-1920: Wappen derer von Vieregg: Nach manchen Autoren mit 3 Brunnenhaken (?)

Brunnenhaken (englisch bucket-hook) ist im Wappenwesen ein ungenügende, weil mehrdeutige und veraltete Bezeichnung für eine gemeine Figur. Die Verwendung des Ausdrucks ist in Wappenbeschreibungen nicht zu empfehlen.

Darstellung

In der Literatur kommt der Ausdruck Brunnenhaken selten vor, beispielsweise im 19. Jahrhundert zur Beschreibung der drei Wappenfiguren im Wappenschild derer von ViereggW-Logo.png.[1] Nach Siebmacher werden die Vieregg-Wappenfiguren in den Wappendiplomen dagegen nur kurz „Haken“, mit einem Nagel schräg übergelegt beschrieben.[2]. Es existieren zu diesem Motiv aber zahlreiche andere Beschreibungen und Aufrisse:

„(..) die Wappenbilder der Grafen von Vieregg, welche bald für |Angeln mit darübergelegten Nägeln, bald für (Jagd-)Hörner, bald für wieder etwas anderes gehalten und erklärt werden (..) Ich glaube jedoch kaum zu irren, wenn ich jene fraglichen Figuren einfach als (Haus)»Marken« bezeichne, da alle früheren, mehr oder minder wahrscheinlichen Deutungen derselben doch nicht so recht passen wollen.“

Carl Mayer von Mayerfels (1857)[3]

Grundsätzlich könnte eine Brunnenhakenfigur im Wappenwesen dem gleichnamigen Gegenstand nachempfunden sein, wobei der Begriff „Brunnenhaken“ umgangssprachlich mehrere Bedeutungen hat, darunter zum Beispiel:

  • In einem weiten Sinn: Jeder Haken, der im Zusammenhang mit einem Brunnen zur Anwendung kommt.

    Beispiel rechts:
    Haken mit Eimer in einem Brunnen
  • Schöpfstange am (Zieh-)Brunnen[4], das ist eine lange Stange („Schwingbaum“) mit Gewichten an dem einen Stangende und einem (oft eisernen) Haken am anderen. An den Haken wird eine Kette, ein Seil oder ähnliches mit einem Eimer befestigt. Die Konstruktione dient zum Herablassen des Eimers in den Brunnen, um mit geringem Kraftaufwand Wasser zu schöpfen.[5]

    Beispiel rechts:
    Brunnen mit Brunnenhaken (1350 und 1375)
  • Krummharkiges Eisen, mit welchem etwas, was in den Brunnen gefallen ist, herausgefischt werden kann (ähnlich einem Schiffshaken)[6]
  • Schiffshakenartiges Werkzeug mit dem der Brunnenschacht „gefegt/gesäubert“ werden kann, gewöhnlich aus einem Schaftholz bestehend, auf welches am hinteren Ende eine hakenförmige (metallene) Tülle gesteckt ist.

    Beispiel rechts:
    Brunnenreiniger mit Brunnenhaken (1746)
Études prises dans le bas peuple ou les Cris de Paris - Cureur de Puits.jpg
  • Haken mit ein, zwei, drei oder mehr Zinken, „welchen man in die gefassten und verdeckten QuellbrunnenW-Logo.png zu oberst an die Decken fest zu machen pflegt, um zur Sommerszeit in der größten Hitze das Getränke in einem Gefäß daran zu hängen, und es dergestalt ganz frisch zu erhalten. Es kommt mit dem sogenannten Fleischhaken sehr überein.“[7]

Symbolik

Außerhalb der Heraldik hat der Brunnenhaken je nach Region eine positive oder negative Symbolik. Einerseits sitzt nach der Sage zum Beispiel der Nickelmann oder håkelmann im Wasser und zieht mit einem langen Brunnenhaken Kinder in die Tiefe hinab, wenn sie zu nah an das Wasser kommen.[8] Andererseits wird der Brunnenhaken bei Hochzeitsbräuchen eingesetzt:

„So besteht in den Polders in der Gegend von Gromsbergen noch das Heirathen durch den Sprung über den Brunnenhaken (Puthank). Die eingeladenen Zeugen legen einen Brunnenhaken vor einem Baume nieder. die Verlobten springen über denselben, und die Ehe ist geschlossen ohne jede andere Zeremonie. Will es mit der Ehe nicht recht fort, so hat das Paar nur über den Brunnenhaken zurückzuspringen, und die Ehe ist aufgelöst. Hunderte solcher Ehen wurden in dieser Weise unter einer alten Eiche bei Zwinderen, in der Provinz Drenthe, geschlossen.“

Der Sammler (1854)[9]

Einzelnachweise

  1. Vergleiche beispielsweise: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Alterumskunde: Mecklenburgische Jahrbücher. Bände 51-52. 1886. S. 164.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VII. Band, 1. Abteilung; Ergänzungsband, enthaltend die Nachträge und Ergänzungen zu den Staatswappen von Russland und Baden, ferner zu dem Adel von Bayern (Grafen und Freiherren), Sachsen, Schwarzburg, Waldeck, Württemberg, Mecklenburg und Tyrol; Verfasser: O.T. von Hefner; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1859. Seite 10. Tafel 4.
  3. Mayerfels, Carl Mayer von: Heraldisches ABC-Buch. Das ist Wesen und Begriff der wissenschaftlichen Heraldik, ihre Gesetze, Literatur, Theorie und Praxis. Leipzig 1857. S.331
  4. Lemma: Brunhaken. Frühneudeutsches Wörterbuch. Internet: fwb-online.de. Abgerufen am 14. Juni 2018.
  5. Lemma: Brunnen-haken. Südhessisches Wörterbuch. Internet: www.lagis-hessen.de. Band 1, Spalten 1175–1176. Abgerufen am 14. Juni 2018
  6. Johann Hübner; Georg Heinrich Zincken: Lemma Arpagona. In: Curieuses und reales Natur-Kunst-Berg-Gewerck- und Handlungs-Lexicon (..) Leipzig. 1755. S. 156-157
  7. Georg Heinrich Zink: D. Georg Heinrich Zinkens Allgemeines oeconomisches lexicon, darinn nicht allein die erklärung aller zu einer vollständigen landwirthschaft (..) gehörigen dinge (..) zu finden ist: sondern auch die eigenschaften (..) der pflanzen und bäume (..) beschrieben werden. Nebst einem anhange eines land-und (..) Band 1. Leipzig. 1780. S. 481
  8. Kuhn, Adalbert; Schwartz, W.: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen. Leipzig, Brockhaus 1848. Zitiert nach: Hans-Jörg Uther (Hrsg.): Deutsche Märchen und Sagen, S. 29771. Digitale-Bibliothek Band 80. (vgl. Kuhn-NdS, S. 426)
  9. Der Sammler. Beilage zur Augsburger Abendzeitung. Band 23. Jahrgang. Nr. 69. 1854. S. 276. (Digitalisat)