Schnecke (Heraldik)

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Dieser Artikel erläutert die gemeine Figur und das Heroldsbild Schnecke; für den schneckenförmigen Bestandteil eines Stabes siehe: Krummstab
Schnecke
 
als gemeine Figur
 
als Heroldsbild

Die Schnecke ist in der Heraldik entweder eine seltene gemeine Figur oder ein Heroldsbild.

Schnecke als gemeine Figur

Die Schnecke ist in der Heraldik ein Wappentier, bei dem die Wappenbeschreibungen vor allem drei Darstellungsformen im Wappen als gemeine Figur, Schildhalter oder als Helmzier unterscheiden:

  • die (gemeine) Schnecke
  • die Meeresschnecke
  • das Schneckenhaus

(Gemeine) Schnecke

Das Wappentier Schnecke (frz.: escargot; engl.: snail) erscheint in der Heraldik in der Regel mit Schneckenhaus. Der heraldisch stilisierte Figur ist nicht einer bestimmten Schneckenform der natürlichen SchneckenartenW-Logo.png nachgebildet. Vielmehr lehnt sich die Figur an ein Idealbild einer landlebenden Schnecke an, das sich von empirisch durchschnittlich gegebenen Realtypen abgrenzt. Im weitesten Sinn ähnelt die heraldische Figur einer WeinbergschneckeW-Logo.png und nicht etwa einer Nacktschnecke, die ihr ursprüngliches Gehäuse weitgehend reduziert hat. Letztere Form ist zu melden, falls sie im Wappen erscheint. Wenn das Schneckenhaus in einer anderen heraldischen Farbe als der Rest der Figur dargestellt wird oder die einzelnen Windungen alternierend heraldisch eingefärbt sind, ist dies zu anzuzeigen.

Schnecke (Tafel XXI. Figur 12): mit Haus im Wappen der Schneck in Franken, Schnegg und Moser am Weyer in Bayern, ferner im Wappen der von Stedman in Schottland und Barton genannt von Stedman am Rhein.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Meeresschnecke

Meeresschnecken (-gehäuse)
 
(Tibia insulaechorab, zu den FlügelschneckenW-Logo.png gehörig)
 
1889: Meerschnecke (nach Siebmacher)

Das Wappentier Meeresschnecke (auch Meerschneck; französisch bigorneau; englisch sea-cockle oder whelk) erscheint im Wappenwesen als heraldisch stilisierte gemeine Figur, die sich an das Idealbild einer natürliche wasserlebenden MeeresschneckeW-Logo.png anlehnt. Gewöhnlich wird in der Heraldik nicht zwischen den unterschiedlichen Meeresschneckenarten unterschieden. Soll eine bestimmte oder besondere Meeresschnecke als gemeiner Figur in einem Wappen erscheinen, kann dies jedoch gemeldet werden; im Aufriss muss eine diese besondere Meeresschneckenspezies mit ihren entsprechenden Eigentümlichkeiten stets so heraldisch stilisiert abgebildet sein, dass sie sich eindeutig von anderen Wappenfiguren abgrenzt und Verwechslungen und Mißverständnisse ausgeschlossen sind.

„Der sogenannte „Meerschneck“ (Tafel XXI. Figur 13) im Wappen der alten und der neuen von Bach in Bayern ist ursprünglich vielleicht ein Widderhorn oder auch Trinkhorn gewesen; auf letzteres deutet der goldene Beschlag.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Mitraschnecke

Detail: Mitraschneckenhäuser im Wappen Tuvalus

Im Wappen Tuvalus erscheinen acht rotgetupfte Mitraschneckenhäuser.

Schneckenhorn

Wenn eine Meeresschneckenfigur als Musikinstrument beziehungsweise als Schneckenhorn (auch Schneckentrompete oder fälschlich Muschelhorn genannt; französisch conque; englisch Conch oder conque ) im Wappen erscheint, sollte dies explizit gemeldet werden.

Schneckenhaus

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Fossil (Heraldik)

Die Figur Schnecke und Meeresschnecke sind vom Schneckenhaus und vom Schneckenhaus als Fossil zu unterscheiden, die im Wappenwesen ebenfalls als gemeine Figuren gebräuchlich sind.

Schnecke als Heroldsbild

Gehäuse einer Schnecke
Wendeltreppe
(im Jagdschloss Granitz)

In der Heraldik erscheinen mehrere Heroldsbilder, die ein Wappenschild oder ein Feld mit schneckenhausähnlichen Windungen respektive im Schneckenschnitt aufteilen. Teilweise ähneln die Schnecken-Heroldsbilder sich überschlagenen wellenförmigen, sturzwogenförmigen, spriralförmigen oder anderen Wappenschnitten und sind nur schwer von diesen zu unterscheiden. Schnecken-Heroldsbilder assoziert man in der Heraldik auch mit einer „Wendeltreppe“. Der Ausdruck „Wendeltreppenschnitt“ ist daher ein Synonym für Schneckenschnitt. Schnecken-Heroldsbilder erscheinen gewöhnlich mittels einer Kombination aus heraldischen Farbe und Gold oder Silber, machmal aber auch mittels dreier Tinkturen. Die Spitze eines Schnecken-Heroldsbildes kann mit einem Blatt oder ähnlichem besetzt sein.

Erscheint in einem Wappen eine unbestimmte beziehungsweise größere Anzahl von Figuren im Schneckenschnitt bezeichnet man dies mit geschneckt oder schneckenförmig (gironné arrondi, cochleatum).

„Die Schnecke: Von der Schnecke kommen, allerdings sehr selten, vor:


Rechte halbe Unterschnecke (Tafel X. Figur 107.): das heißt, eine vom rechten Untereck schneckenförmig nach links unten gebogene Figur.


Rechte Schnecke (Tafel X. Figur 108.): gold in Blau, ebenso aber bis in dern Oberrand reichend und von dort herabgebogen.


Schneckendeichsel (Tafel X. Figur 109.): das heißt, ein (hier von von Rot Silber Schwarz) vermittels der Schnecke getheilter Schild.


Schneckendreipass (Tafel X. Figur 110.): Von (Rot Silber Schwarz) vermittelst Schneckenschnitts getheilt.


Schnecken-geviert (Tafel XI. Figur 1.): das heißt, von Silber und Rot vermittelst Schneckenschnitts quadriert oder geviert.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Wappenbilderordnung

Symbolik

  • Innerhalb der Heraldik ist die Figur Schnecke als redendes Symbol gebräuchlich (zum Beispiel in Wappen von Familien mit dem Namen Schneck, Schnegg oder von Orten mit Namen wie Schneckenhausen).
  • Außerhalb der Heraldik steht die Schnecke zum Beispiel als Symbol für Genügsamkeit, Bescheidenheit, Häuslichkeit, Langsamkeit, aber auch für die Auferstehung Christi:

„Schnecke. Das im Volksmund vor allem wegen seiner langsamen Fortbewegung (»Schneckentempo«) bekannte Weichtier wurde symbolisch auch wegen seines in schöner Harmonie spiralig gestalteten Hauses beachtet. Die Beobachtung, daß sich Weinbergschnecken in ihrem Haus mit einem Kalkdeckel einschließen, diesen aber nach Winterkälte oder Trockenheit sprengen und wieder hervorkommen, machte die Tiere zu Symbolwesen der Auferstehung Christi. Überdies wurde das Tragen des eigenen Hauses auch als Allegorie der Genügsamkeit betrachtet – die Schnecke ist das Tier, das all seine Habe mit sich trägt. Hildegard von Bingen setzte sich mit der Heilwirkung von Schneckenpräparaten auseinander (pulverisierte Schneckenschalen befreien von Würmern; Präparate aus Nacktschnecken wirken ähnlich wie jene aus Regenwürmern gegen Geschwüre). Sie bezeichnete die Schnecken mit dem Namen der Schildkröten (Testudines). – Die wohl aus dem Militärjargon stammende Redensart »jemanden zur Schnecke machen« spielt entweder auf den Fluchtreflex des Betroffenen an, der die »Fühler einzieht« und sich verkriecht, oder auf dessen Erschöpfung, wodurch er sich nur noch wie eine Schnecke kriechend fortzubewegen imstande sein soll.“

Knaurs Lexikon der Symbole (1989/1994/1998)[3]

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Schnecke in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Meereschnecke in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  3. Knaurs Lexikon der Symbole: Schnecke. 1989/1994/1998. Verlag Droemer Knaur. S. 974