Pusikan (Heraldik)

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Pusikan (Begriffsklärung) aufgeführt.
 
Buzdygan (klassische Form, Deutschland, 16. Jhr.)
 
Pusikan
(gemäß WBO, Nr. 9648)

Pusikan (auch Pusdogan, Puzdikan, Puzilikan, Buzogan, Busican, Pusikankolben, Pusikankeule genannt; frz.: masse d'armes; engl. flanged mace) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Wortherkunft

Pusikan ist ein alter Ausdruck, der gewöhnlich von dem ungarischen Begriff Buzogány abgeleitet wird, der sich an türkisch boszgán anlehnt (polnischW-Logo.png Buzdygan). Mit dem Ausdruck wird im weitesten Sinn eine Weiterentwicklung der eher groben Keule bezeichnet. Im Gegensatz zu dieser bestehen Pusikane aus einem metallenen oder hölzernen Stab („Schaft“), ausgerüstet am Ende mit einem bearbeiteten, zumeist symmetrischen Schlag-/Hieb-/Schmuckkopf. In der deutschsprachig-geprägten Literatur differieren die Angaben, welche Bedeutung der Ausdruck exakt besitzt. Je nach Zeitgeist, Kultur, Genius loci oder Historie werden Pusikane semantisch, waffentechnisch oder insignienkundlich anders klassifiziert (teils zählt man Pusikane zu den keulenartigen Waffen, teils zu den Streitkolben oder Streitäxten, aber auch zu den Prunkstreitkolben, Zeremonienstücken, Marschall-/Kommandostäben oder ähnlichem oder trennt nicht zwischen diesen Gruppen).

Klassifizierung Pusikan Wikipedia
Keule (Heraldik)

„Der „Busican“ -- auch Pusikan, nach Einigen der alte Name für Streitaxt, nach Anderen der Name für eine in der Türkei üblich gewesene Keule -- stellt ein dickes Rohr mit kleeblattförmiger Spitze und kugelförmigen Ende vor.“

Ernst Heinrich Kneschke (1855)[1]

„(..) die Urbedeutung des Stockes als Waffe hielt der Pusikan oder Buzogany (..), der ursprünglich eine Keule (..), der geschultert getragen wurde.“

Max von Boehn (1928)[2]
KeuleW-Logo.png
Streitaxt (Heraldik)

„Pusikan, alter Name der Streitaxt in Wappen“

Pierer's Universal-Lexikon (1861)[3]

„Das altd. Pusikan wird zur Benennung der Streitaxt in Wappen gebraucht.“

Auguste Demmin (1893)[4]
StreitaxtW-Logo.png
Streitkolben (Heraldik)

Pusikankolben: auch „Pusikane“ genannt, ist eine besondere Art von Streitkolben, unterschieden von dem sogenannten „Morgenstern“ (..) Auf Helmen als Kleinod angebracht ist diese Trutzwaffe gleichfalls nicht selten (..)“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1857)[5]

„Pusikan, alte Bezeichnung für * Streitkolben“

Das große Kunstlexikon von P. W. Hartmann (1996)[6]
StreitkolbenW-Logo.png
Marschall- / Kommandostab (Heraldik)

„(..) der Pusikan (..), der (..) im Laufe der Zeit zum Zeremonienstück herabgesunken war (..) Einst als Waffe benutzt, war der Pusikan längst nur das Sinnbild einer solchen geworden, der Kommando-, oder wie wir heute sagen würden, der Marschallstab in der Hand des höchsten Befehlshabers.“

Max von Boehn (1928)[2]
MarschallstabW-Logo.png

Darstellung

Buzogány
(Illustration von 1893, gemäß einem Vorbild aus dem Museum zu Pest)

Die Figur Pusikan ist in der Heraldik gewöhnlich einer besonderen Streitwaffe nachempfunden, („altungarischer Streitkolben“, „Streitkolben der alten Magyren“[4]), die vom 10. bis 15. Jahrhundert gebräuchlich waren. Die Wappenfigur erscheint mit einen Stab als Griff, an dessen Ende ein Schlag-/Hiebkopf sitzt. Dieser ist mit fünf bis acht dreieck- oder trapezförmigen, spitz zulaufenden Schlagblättern („Schlagflanschen“, machmal mit Längsrippen, ) ausgerüstet, die strahlenförmig nach Außen angeordnet sind. Andere Formen oder Varianten, insbesondere eher „zeremonielle Streitkolben“, sollten genau beschrieben werden oder mit ihren Eigennamen blasoniert werden (siehe nachstehend).

Im Wappen werden Pusikane in Einzahl, Zwei- oder Dreizahl dargestellt (selten oder gar nicht in einer höheren Anzahl). In Mehrzahl können sie in allen Stellungen erscheinen, die für gleichrangige Figuren gebräuchlich sind (gekreuzt, fächerförmig, im Dreipaß, garbenweise, dreiecksweise et cetera). Die konkrete Stellung der Figuren zueinander ist zu melden. Alle heraldische Farben sind für Pusikane gebräuchlich.

Varianten

In der deutschsprachig-geprägten Heraldik wird die Figur „Pusikan“ oft nicht eindeutig von dem Sammelbegriff beziehungsweise der Figur „Streitkolben“ abgegrenzt. Auch andere Waffen oder Insignien, die im Detail andere Merkmale und Formen als Pusikane besitzen, werden zuweilen mit diesen gleichgesetzt. Um Verwechslungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, in Wappenbeschreibungen zwischen den einzelnen Arten der „Streitkolben“ zu unterscheiden, insbesondere wenn diese außerhalb der deutschsprachig-geprägten Heraldik Termini technici oder Eigennamen besitzen. Ein „klassischer Pusikan“ (polnischW-Logo.png buzdygan) unterscheidet sich optisch mehr oder weniger signifikant zum Beispiel von

  • der Wappenfigur „(gemeiner) Streitkolben“
  • einer möglichen Figur: engl. „Pernach“W-Logo en.png (polnischW-Logo.png piernacz; ukrainisch пірна́ч)
  • einer möglichen Figur: engl. „Bulawa“W-Logo en.png (polnischW-Logo.png buława; ukrainisch булава/bulava; russisch bułat)

Gemeiner Streitkolben

In der heraldischen Stilisierung ist die Figur beziehungsweise der besondere Streitkolben Pusikan dem „(gemeinen) Streitkolben“ zum Verwechseln ähnlich. Gewöhnlich stehen bei den Pusikanen die scharfkantigen, dreieckförmigen Schlägblätter („Schlagflansche“), die mehr oder weniger direkt miteinander verbunden sind, optisch und waffentechnisch im Vordergrund. Sie bilden gemeinsam den Schlagkopf der Figur. Der Schlagkopf eines (gemeinen) Streitkolbens erscheint dagegegen in der Regel mit einem optisch auffälligen prismatischen Körper, achteckig, oft oben und an den Ecken mit Kugeln besetzt[7]. Der Schaft der Figur Pusikan ist funktional, keulenartig und eher grob gestaltet, ohne auffällige Verzierungen; die Schaft des (gemeinen) Streitkolbens erscheint dagegen meist mit Leder, Samt, Stoff oder anderen besonderen Materialen überzogen und wird manchmal mit Grifflächen dargestellt, die mit kleinen Knöpfen oder Perlen versehen sind.

Oft verwischen in Wappenbeschreibungen die Unterschiede zwischen Pusikan und dem gemeinen Streitkolben. Beispielsweise bezeichnet Querfurt das Motiv im Wappen derer von Varnbüler als „Pusikan“; im Siebmacher wird es dagegen zur gleichen Zeit mit einem Sammelbegriff als „Streitkolben“ beschrieben und dargestellt.

Varnbüler: (..) in Blau zwei goldene Streitkolben (..)“

Siebmacher (1857)[8]

Varnbüler, desgleichen Kappel: -- in Roth zwei silberne im Andreas-Kreuz über einander geschränkte Pusikankolben oder Pusikanen; Kirchperg: -- in Roth zwei goldene desgleichen. (..) kommt vor auf den Helmen der Ebeleben, Kreischelwitz und anderen mehr.“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1857)[5]

Pernach

Pernache sind weniger Waffen als ornamentierte Prunkkolben/-stäbe zum Zeichen der Macht, gewöhnlich aus Silber oder Eisen gefertigt und oft kleiner als Pusikane. Sie ähneln einem „Pfeil mit Federn“ (daher der Name, ukrainisch 'перо (pero) = Feder). Ihre Schlageblätter sind gewöhnlich nicht spitz zulaufend oder waffentechnisch optimiert, sondern „federartig“ und gerundet geformt.

Bulawa

Durch einen kugel-, ei- oder birnenförmigen Kopf ist das Wappenmotiv Bulawa leicht von den Pusikanen zu unterscheiden. Es ähnelt weniger einem Streitkolben als einem PrunkschlagstockW-Logo.png. Historisch gesehen, ist der Stab Buława ein Attribut für die höchsten Offiziere zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert in Polen und Litauen beziehungsweise für einen HetmanW-Logo.png, das ist ein Feldherrentitel, der seit dem 16. Jahrhundert als Rangbezeichnung auch bei den Kosaken der Ukraine und im Zarentum Russlands gebräuchlich war. Vermutlich in Anlehnung an diesen Gebrauch bezeichnete Maximilian Gritzner das Wappenmotiv Bulawa als „altpolnischen Commando- oder Marschallstab, türkischen Feldherrnstab respektive Kolbenstab“[7]. Manchmal sind heraldische Motive auf dem zeremoniellen Stab angebracht.

Wappenbilderordnung

  • Die gemeine Figur Pusikan wurde zusammen mit dem Ausdruck Streitkolben in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Hieb- und Stichwaffen unter der Nr. 9648 aufgenommen.

Weblinks

 Commons: Streitkolben und Morgensterne in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kneschke, Ernst Heinrich: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien: In genauer, vollständiger und allgemein verständlicher Beschreibung: mit geschichtlichen und urkundlichen Nachweisen. Band 2. Weigel. 1855. S. 221.
  2. 2,0 2,1 Boehn, Max von: Das Beiwerk der Mode. Spitzen, Fächer, Handschuhe, Stöcke, Schirme, Schmuck. In: Der Stocksammler Nr. 30. vom Juni 2008. München. 1928.
  3. Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 705.
  4. 4,0 4,1 Demmin, Auguste: Die Kriegswaffen in ihren geschichtlichen Entwicklungen von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Bechtold. 1893. S. 785, 788, 815.
  5. 5,0 5,1 Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 104.
  6. Das große Kunstlexikon von P. W. Hartmann. 1996. ISBN 3950061207
  7. 7,0 7,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 124 und Erklärungen zu Tafel XXVI. Figur 97.
  8. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, II. Band, 5. Abteilung; Der Adel des Königreichs Württemberg; Verfasser: O. T. von Hefner; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1857. S. 13. Tafel 16.