Barte (Heraldik)

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Barte
 
Wappen der Familie von Bamer/Kamer
(aus dem Scheiblerschen Wappenbuch, 1450–1480)
 
Wappen der Familie Zollner von Rottenstein
(aus dem Ingeram-Codex, ca. 1459)
Barte im alten Wappen von Jakobswalde (heute Kotlarnia, gestaltet von Otto Hupp)

Der Ausdruck Barte (auch Barde, Parte; mittelhochdeutsch barte; althochdeutsch barta/partâ; französisch hache oder doloire; englisch hatchet oder battle-axe; Zugehörigkeitsbildung zu „Bart“: „die Bärtige“, in Ahnlehnung an den „Bart an der Axt“ oder an das Beileisen, das vom Stiel eines beil-/axtartigen Werkzeugs „wie ein Bart“ herabhängt; heute oft als Beil blasoniert) ist seit dem 11. Jahrhundert bezeugt und steht für

  • Allgemein: mittelalterliche „Sammelbezeichnung für Beile“ (oder Äxte) verschiedener Art (Bergbarte, Binderbarte, Breitbeil etc.)[1]
  • Speziell: „kurzgestielte Streitaxt“ der Reiter[1]
  • Umgangssprachlich: „Kurzwort für Ausdrücke mit dem Endwort -barte“ (wie Hellebarte, Bergbarte, Binderbarte, Fleischbarte, Wurfbarte)
  • Heraldisch: in Wappenbeschreibungen eine allgemeine Bezeichnung für eine Gemeine Figur, die in Wappen in Form eines Beiles (oder einer Axt) dargestellt wird, wobei die genaue waffentechnische oder werkzeugkundliche Ausprägung der Wappenfigur je nach Zeitgeist, Kultur, Genius loci oder besonderer Wappenhistorie variiert. In den jüngeren Wappenbilderordnungen und in der aktuelleren heraldischen Fachliteratur sind andere Ausdrücke für beil-/axtartige Motive gebräuchlich (zum Beispiel „Beil“, „Axt“, „Hackbeil“ et cetera). Die „Barte“ wird dort meist nur am Rande als veraltete Bezeichnung erwähnt.

Darstellung und Blasonierung

Es gibt viele Varianten, wie eine Barte in einem Wappen erscheint und kein annähernd vollständige oder widerspruchsfreie Klassifizierung oder Übersicht zu allen Formen von Äxten und Beilen, die der gemeinen Figur Barte als Vorlage zugrunde liegen. Die Barte wird in Wappen teilweise als historische Kriegswaffe (Streitaxt oder Streitbeil), teilweise als örtliches Traditionswerkzeug aus der Forstarbeit/Holzbearbeitung, aber auch in Form eines anderen Beiles oder einer anderen Axt mit längstehendem Blatt (Keil, Kopf, Klinge) dargestellt.

„(Die Barte) diente dem Zimmermann wie dem Krieger.“

Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (1854 ff.)[2]

James Parker zeigt 1894 eine unvollständige Auswahl von Äxten und Beilen und deren Bestandteile, wie man sie auch unter der Bezeichnung „Barte“ in der Heraldik oder in Wappen findet:


Drei (2:1) Beile (von Iberg)
Adelsgeschlecht der Sturmfeder

Die Richtung von Kopf (bzw. Klinge) der Barte ist zu beschreiben, wenn sie der heraldisch üblichen Stellung (heraldisch nach rechts) abweicht. Wie viele Langwaffen/Stielwerkzeuge wird auch die Barte machmal mit einer zweiten gemeinen Figur im Wappen schräggekreuzt.

Barten erscheinen in Wappen in allen heraldischen Farben (manchmal auch in in natürlicher Farbe). Ob sie komplett einfarbig tingiert oder Blatt/Klinge/Kopf und Schaft/Stiel in unterschiedlicher Tinktur erscheinen, ist zu melden. Die Barte ist nicht nur im Wappenschild gebräuchlich, sondern auch im Oberwappen als Helmzier.

Abgrenzung

Beil-/axtartige Motive mit querstehenden Blättern/Klingen werden in der der abendländischen Heraldik explizit nicht als Barte, sondern als Dechsel, Hacke oder mit einem anderen Ausdruck gemeldet.

Die spezifischen Darstellungen des Wappenmotivs „Barte“ erlauben manchmal eine genauere Bestimmmung der Entstehungs- und Verwendungszeiten, der Verwendungzwecke, Bauarten und lokalen Ausprägungen von realen Beilen und Äxten, da sich die Vorlagen auf die heraldische Motiverscheinung ausgewirkt haben. Grundsätzlich ist bei der historischen und kulturellen Einordnung jedoch das Prinzip der heraldischen Stilisierung in Rechnung zu stellen, durch das detaillierte Merkmale mitunter stark vereinfacht, verfehlt oder unerkennbar dargestellt sind.

Symbolik

  • Die Barte bzw. spezifische Ausprägungen von Äxten und Beilen sind Zunftinsigne der Forstleute, direkter Holzbearbeiter wie der Zimmerer, aber auch der Müller oder der Bergleute (BergbarteW-Logo.png), bei denen die Holzbearbeitung (Mühlrad- und Wasserbau, Stollenbau) eine bedeutende Rolle spielte.
  • Die Barte als Ordenszeichen meint meist ein zur unkriegerischen Arbeit eingesetztes Werkzeug, wie es beispielsweise seit 1448 beim aragonesischen Orden der Damen von der AxtW-Logo.png zu sehen ist. Auch der Orden der alten HackeW-Logo.png im polnischen LiegnitzW-Logo.png lehnt sich an eine werkzeugtechnische Symbolik der Barte nicht an eine militärische an.
  • Dagegen zeigt das Wappen von Tobor, das als eines der ältesten polnischen Wappen gilt und das erste Wappen der polnischen Ritterschaft gewesen sein soll, die Barte als Streitaxt.
  • Wenn auf einem Wappen zwei Barten kombiniert dargestellt werden, gibt der Wappeninhaber zu verstehen, dass er sowohl kriegerische als auch friedliche Tätigkeiten beherrscht.

Verbreitung

Staaten wie Kenia und Belize bedienen sich für ihr Wappen der Barte; in Norwegen zeigt das Staatswappen einen bartehaltenden Löwen, zudem ist die Barte das Attribut des Nationalheiligen Olav. Gemeinden und Adelshäuser benutzen die Barte ebenfalls; das südwestdeutsche Adelsgeschlecht der Sturmfeder von OppenweilerW-Logo.png erhielt sogar seinen Namen nach der Waffe, sein Wappen zeigt zwei nach rechts und links gewendete Sturmfedern.

Galerie

Parten-/Bartenkreuz

Das Partenkreuz (auch Bartenkreuz genannt) ist, was die Form und das Aussehen anbetrifft, eine Variante des Grabkreuzes. Es besteht aus vier kreuzförmig zusammengestellten Bartenklingen (Rundung nach außen), die im Kreuzzentrum miteinander verbunden sind.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Partenkreuz

Paradebarte

Die Paradebarte ist eine besondere Barte, die hauptsächlich zu dekorativen Zwecken benutzt wird und zum Beispiel von Bergleuten zu festlichen Anlässen (BergparadeW-Logo.png) geschultert getragen wird. Wird sie im Wappen dargestellt und gemeldet, empfiehlt es sich, sie übertrieben ornamiert darzustellen.

Wappenbilderordnung

Sprichwort

„Schlägst du mich mit der Barte, schlag ich dich mit dem Beile.“

Zitiert nach: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm (1854-1961)[2]

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Vgl.: Brockhaus’ Konversations-Lexikon: 14. Auflage. Vollständig neubearbeitete revidierte Jubiläums-Ausgabe“. 16 Bände. 1 Ergänzungsband A-Z. 1898.
  2. 2,0 2,1 Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971.


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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Barte_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 27. Juni 2012 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.