Bogen (Heraldik)

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Bogen
 
ungespannt
(hier: schräglinks gestellt)
 
gespannt
(hier: nach oben gerichtet mit Pfeil)
(nach Siebmacher)
Im Schild: ungespannter aufrechter Bogen; in der Helmzier: gespannter Bogen in den Händen eines Mannes
(Stammwappen der von Arco; GHdA-Adelslexikon)

Der Bogen (Plural: Bogen oder Bögen; auch Pfeilbogen genannt; frz.: arc; engl.: bow) ist im Wappenwesen (Heraldik) eine gemeine Figur, die hauptsächlich in folgenden Varianten in Wappen erscheint:

  • ungespannter Bogen (stets ohne Geschoss)
  • gespannter Bogen (stets mit Geschoss)
  • Bogen ohne Bogensehne (selten vorkommend beziehungsweise teilweise eine nicht eindeutig bestimmte Wappenfigur, die kontrovers interpretiert wird.)

Darstellung

Die Figur Bogen ist einer Abschussvorrichtung beziehungsweise der gleichnamigen (Jagd-/Kriegs)Waffe (zumeist für Pfeile) nachempfunden. Sie erscheint in Wappen wenig heraldisch stilisiert und wird vergleichsweise realistisch („in natürlicher Form“) aufgerissen.

  • Üblicherweise blasoniert man allgemein oder unbestimmt einen (gemeinen) „Bogen“, dessen genaue Ausführung/Form in diesem Fall dem Wappenkünstler obliegt, wobei eine zur Früh- und Blütezeit des Wappenwesen gebräuchliche Bogenform im Wappen erscheinen sollte (zum Beispiel ein einfacher, stab-/halbmondförmig geformter Bogen oder ein kompakter, mittelalterlicher Recurvebogen, bei dem die Bogenenden nach vorne gebogen [„recurved“] sind oder ähnliches).
  • Oder man benutzt bei der Wappenbeschreibung einen mehr oder weniger umgangssprachlichen oder traditionellen Ausdruck, um die gemeine Bogenfigur genauer zu charakterisieren, die entsprechend im Wappen dargestellt wird (zum Beispiel LangbogenW-Logo.png, ReiterbogenW-Logo.png, Mongolischer BogenW-Logo en.png, Türkischer BogenW-Logo en.png, Skythenbogen oder ähnlich).

In Normalform ist die Figur Bogen aufrecht („pfahlweise“) gestellt. Der eigentliche Bogen (mit oder ohne Griffbereich) ist im Wappen bei dieser Stellung zum heraldisch rechten Schildrand ausgebogen und die Bogensehne bildet bei einem „ungespannten Bogen“ gewissermaßen eine senkrechte Linie im Wappenschild oder bei einem „gespannten Bogen“ eine Art Entsprechung zum heraldisch linken Schildrand. Andere Stellungen („schräglinks“, „schrägrechts“, „zum oberen Schildrand gerichtet“) sollten nach den heraldischen Regeln gemeldet werden. In der Farbe ist alles möglich, dennoch herrschen die Metalle, Rot und Schwarz beim Bogen vor; ein farblich hervorgehobener Griffbereich sollte gemeldet werden.

„Der Bogen: das heißt der zum Schiessen, richtiger als Pfeilbogen bezeichnet, kommt gespannt, dann stets belegt mit Pfeil (Figur 40., zum Beispiel im Stammwappen Luk) -- oder mit Bolz (Figur 43., so im Wappen der von Schütz in Sachsen -- oder ungespannt (im Wappen der Grafen Arco in Bayern (Figur 41. 42.) sehr vielfach in Wappen vor.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Ungespannter Bogen

Ein ungespannter Bogen erscheint stets ohne Abschußgegenstand und mit gerader oder lediglich leicht durchhängender Bogensehne; bei abgespannter Bogensehne ist das Gesamtbild des Bogens mit Bogensehne eher „D-förmig“.

Gespannter Bogen

Ein gespannter Bogen erscheint stets mit aufgelegtem Geschoss („Pfeil“, „Bolz“) und mit deutlich gespannter Bogensehne. Zwischen dem eigentlichen, eher halbmondförmigen Bogen und der dreieckig- bis ovalförmig angespannten Bogensehne befindet sich in diesem Fall eine (lediglich gedachte) Symmetrieachse. Art, Form und Ausprägung des Abschußgegenstands ist zu melden (zum Beispiel: „Bogen mit ein-/aufgelegtem Pfeil“, „Bogen und Bolz“, „schrägrechtsgerichteter, gespannter, goldener Bogen mit goldenem Pfeil mit silberner Pfeilspitze, silbern gefiedert“).

Bogen ohne Bogensehne

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Wurfeisen (Heraldik)

Ein „Bogen ohne Bogensehne“ kommt nur selten im Wappenwesen vor (beispielweise in dem modernen, erst 1992 eingeführten Wappen Abchasiens, wo ein Reiter einen Bogen benutzt, dessen Bogensehne vermutlich aus stilistischen Gründen fehlt). Eine Figur, die in der Heraldik überwiegend als Wurfeisen interpretiert wird, bezeichnet Gritzner mißverständlich als „gespannten Bogen ohne Sehne“:

„Das polnische Wappen Odrowaz (Figur 44.) ist lediglich ein gespannter Bogen ohne Sehne mit aufgelegtem oder wachsenden Pfeil.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Wappen Arco und Derivate

Der Bogen aus dem Stammwappen der Familie von ArcoW-Logo.png erscheint noch heute in einigen Wappen.

„Das Stammwappen zeigt nach dem GHdA in Gold einen aufrechten blauen Bogen. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein bärtiger wachsender Bogenschütze mit blau gegürtetem Gewand, blau-goldenem Stirnband (Tortillon) mit flatterndem Ende und gespanntem goldenen Bogen und aufgelegtem Pfeil.

Nach Hupp liegen in Gold drei blaue Bögen übereinander, die Sehnen nach unten gekehrt. Auf dem Helm ein wachsender Mann in goldener Kleidung und goldenem Spitzhut mit blauer Krempe, einen Bogen mit Pfeil gespannt haltend.

Das Wappen der bayerischen Linie zeigt denselben Schild, als Helmzier eine Laubkrone aus der ein goldbewehrter schwarzer Doppeladler wächst. Das Wappen der tiroler Linie ist geviert, 1 und 4 der Stammschild in verwechselten Farben, 2 und 3 ein senkrecht gestellter blauen Bogen in Gold.“

Deutsche Wikipedia (2015)[2]

Bogen als Nebenfigur

Der Bogen erscheint teilweise im Wappenwesen als Nebenfigur, die von einem Tier, einem Menschen, einem Arm oder einer anderen Hauptfigur gespannt oder gehalten, präsentiert oder in irgendeiner Form „benutzt“ wird. Auch die Zusammenstellung Bogen, Pfeil und Pfeilköcher kommt in Wappen vor.

Symbolik

Innerhalb der Heraldik dient die Figur Bogen teilweise als Anspielung auf den Namen der wappenführenden Familie oder Institution (redendes Wappen, beispielsweise im Wappen der Familie Łuk [ponlisch für „Bogen“], im Wappen der Familie Arco [frz. arc für „Bogen“] oder im Wappen der Stadt „Bogen“).

Paraheraldik

Bogen und Pfeil sind auch in der Paraheraldik beliebte Motive.

Wappenbilderordnung

Der Bogen wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt C. Schuß- und Schleuderwaffen unter der Nr. 9664 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 121
  2. Seite „Arco (Adelsgeschlecht)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. Juni 2015, 11:39 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Arco_(Adelsgeschlecht)&oldid=143545972 (Abgerufen: 9. August 2015, 16:00 UTC)