Pflugeisen (Heraldik)

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Komponenten eines Pfluges, Nr. 4: (Messer-) Sech
Wappen von Sulzbach Malsch (Karlsruhe) mit Pflugsech

Das Pflugeisen oder Sech (auch Pflugsech, Pflugmesser, Messersech, Vorschneider oder Vorschäler genannt; französisch coutre; englisch coulter oder colter) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

Die Darstellung der Wappenfigur Pflugeisen lehnt sich an das reale, gleichnamige Gerät Pflugeisen/Pflugmesser/SechW-Logo.png an, also an das Vorarbeitswerkzeug beim Pflug, das den Boden vor dem Pflugschar senkrecht einschneidet und meistens die Form eines langen, leicht gekrümmten Messers hat.[1] Eine Pflugeisenfigur wird in unterschiedlicher Anzahl (eine bis drei sind gebräuchlich) und Positionen im Wappen dargestellt.

Pflugeisen: (Tafel XXX. Figur 27-30.) welches am Pfluge vor (der Pflugschar) steht, (ist von dieser gut zu unterscheiden) und zwar dadurch, dass (das Pflugeisen) immer mehr einer Messer- oder Sensenklinge ähnelt und schmal ist, wogegen die Pflugschar breit, oft an den Enden (Fig. 25 26.) aufgerollt ist, überhaupt mehr den Charakter des Spatens hat.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]
1889: Pflugeisen/Sech/Pflugmesser (nach Siebmacher)

Pflugmesser im Wappen derer von Schwingrist

1380: Pflugmesser im Wappen von Martin Schwinkrist (Grabplatte, Augsburg, Dom, Kreuzgang, Westflügel, 5. Joch)

Eine frühe Darstellung der Pflugmesser-Figur (= Sech, Pflugeisen) aus dem 14. Jahrhundert findet sich im redenden Wappen derer von Schwingrist (Schwingkrist, Schwynckrißt), Schwaben (zum Beispiel in der Züricher Wappenrolle bzw. auf Grabplatten). Die Figur wird bis heute in der Literatur fälschlichweise für eine Schäferschippe, eine Schwangstock (zum Reinigen des Hanfes), ein Schermesser, ein Schabeisen oder ähnliches angesehen.[3][4] Im Siebmacher wird das Motiv nichtssagend als „Werkzeug“ beschrieben und mit einer „Schaufel“ verglichen:

„In Rot drei quergelegte goldene Werkzeuge, wie Schaufeln, doch mit einer Kerbe in dem löffelartigen Teil, der Griff am Ende mit einem Haken versehen. Helm: wachsende golden-gekleidete und gekrönte Jungfrau mit abhangendem Zopf, in den ausgestreckten Händen je eines der Werkzeug halten. Decken: rot golden (Cotta'-scher Codex; Wernigeroder Wappenbuch, Teil I.) Im Puchberg'schen Wappenbuch hat die Jungfrau auf dem Helm aufgesteckte Zöpfe.“

Siebmacher (1911)[5]

Solche Interpretationen vernachlässigen alle den Umstand oder erkennen die Tatsache nicht, dass es sich um ein redendes Wappen handelt und das Wappenmotiv nicht willkürlich gewählt wurde: die „(schwingenden) Pflugmesser“ symbolisieren den Familiennamen Schwingrist, der sich ableitet von „schwing“ (Nominalbildung zu „schwingen“; mittelhochdeutsch swinc)[6] und „Rist“ (= Pflugschar, Pflugeisen, Pflugmesser)[7].

Pflugsech auf einem Steinkreuz in der Schwalm (Landschaft)

Verbreitung

Das Pflugsech findet sich häufig auf bäuerlichen Steinkreuzen und Kreuzsteinen aus dem Mittelalter, aber auch auf Grabplatten, Handwerkerwappen und Ortswappen.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Pflugeisen/Pflugscharen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Seite „Sech (Landtechnik)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Juli 2016, 21:33 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sech_(Landtechnik)&oldid=155902135 (Abgerufen: 28. Juni 2018, 14:58 UTC)
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  3. Friedrich zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst: Culturhistorische Bilder aus der Züricher Wappenrolle. In: Neues Jahrbuch. Band 8. Heraldisch-Genealogische Gesellschaft „Adler“ (Hrsg.). 1881. S. 1 Nr. 253 Tafel II.
  4. Scheibler Armorial: die Schwynckrißt (2017, August 18). Wikimedia Commons, . Retrieved 16:20, Juni 28, 2018 from https://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=Scheibler_Armorial&oldid=255682142.
  5. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 1. Abteilung, 3. Teil; Abgestorbener Bayrischer Adel; Verfasser: G.A. Seyler; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1911. S. 80. Tafel 50.
  6. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Schwing. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  7. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Rist. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  8. Wappenbeschreibung: „Unter blauem Schildhaupt, darin drei goldene Schlüssel mit den Bärten links und unten, in Gold ein mit der Spitze nach oben weisendes rotes Pflugeisen.“