Gleve (Heraldik)

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Gleve (auch Glefe, Gläfe, Cleve, Kleve; früher auch: glave, gleive; gleven, glefen; glavîn, glævîn, glevîn, glævîne, glevîne, glavîe, glavî, glevîe, glævei, glavenîe, glevenîe, glefnie; irrig auch „Streitsense“, „Breschmesser“; von franz. glaive, das wiederum vom lateinischen gladius (=„Waffe“) abgeleitet ist[1][2]; mhd.: glævîn, glevie, gleve; mnd.: gleve, glavie, glevinge; engl: glaive) ist ein mehrdeutige Ausdruck und bezeichnet in der Heraldik:

  • eine Stangenwaffe mit einer Schlag- oder Hiebklinge
  • eine gemeine Figur, die der Stangenwaffe Gleve nachempfunden ist
  • eine gemeine Figur, den dem oberen Teil eine heraldischen Lilie nachempfunden ist (im Rheinland dagegen ein gebräuchlicher Ausdruck für die [heraldische] Lilie)[3]
  • eine Bezeichnung für eine militärische Einheit

Inhaltsverzeichnis

Gleve als Stangenwaffe

Gleve als Stangenwaffe
Oben: Glevenklingen mit Sporn
Links: Gleve

Die Stangenwaffe Gleve besitzt eine Schlag- oder Hiebklinge in der Form eines Messers, Pallaschs  oder Malchus/Falchions  mit konvexer Schneide. An der Rückseite der Klinge oder beidseitig einer Stichklinge, befindet sich gewöhnlich ein Sporn zum Brechen von Rüstungen oder als „Parierhaken“ beziehungsweise „Klingenfänger“.[4] Klinge und Sporn(e) zusammen werden in der Heraldik zuweilen „lilienförmige Glevenspitze“ oder „lilienförmiges Gleveneisen“ genannt. Die Klinge befindet sich an einer 2,40 bis 3 Meter langen Stange.

„(..) Lanze, Speer, Spiesz. Zufrühest als Ritterlanze, schwerer Speer des rittermäszig Gewappneten, in der höfischen Epik seit Wolfram, Herbort v. Fritzlar und Wirnt v. Gravenberg als frühester deutscher Bezeugungsschicht, aber auch später noch häufig kennzeichnend als ritterliche Waffe (..)“

Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch (1854-1961)[5]

Gleve als gemeine Figur (Stangenwaffe)

Gleve (Stangenwaffe)

In der Früh- und Blütezeit des Wappenwesen ist die Stangenwaffe Gleve als gemeine Figur nicht gebräuchlich. Erste Abbildungen des realen Vorbilds erscheinen in der bildenden Kunst erst im 14. Jahrhundert. Die Waffe selber wird nach Wendelin Boeheim etwa im 15. Jahrhundert allgemein die Waffe der Fußknechte, teilweise auch der Armbrustschützen.[6] Die gemeine Figur Gleve ist -- heraldisch stilisiert -- der gleichnamigen Stangenwaffe nachempfunden und unterscheidet sich in Wappendarstellungen nur wenig von anderen heraldischen Stangenwaffen. Daher muss durch die Wappenbeschreibung präzisiert werden, wie die Glefe im Wappen darzustellen ist. Alle besonderen Attribute und Formen der Glefe sind zu melden. Die Glefe wird einzeln dargestellt, häufig auch paarweise und gekreuzt oder in einer sternförmigen Dreiergruppe übereinander gelegt. Die Figur könnte auch in größerer Anzahl im Wappen erscheinen. Genaue Anzahl und Position der Figuren sind dann zu melden. Alle heraldischen Farben sind bei dieser Figur möglich.

Glevenspitze

Komplette Gleven im Wappen sind eher selten. Etwas häufiger kommt die Glevenspitze, als gemeine Figur vor. Die Glevenspitze erscheint in Wappen im Prinzip als Glevenklinge mit sehr kurzem oder gar keinem Schaft („Oberteil der Stangenwaffe Gleve“ oder „oberhalber Teil der Stangewaffe Gleve“). Historisch wurde der Ausdruck „Glevenspitze“ manchmal auch dann verwendet, wenn rein waffentechnisch die Klingenform der Wappenfigur nicht exakt mit einer „echten“ Glevenklinge übereinstimmt (sondern vorgeblich der Hellebarde/Lanze beziehungsweise der lilienähnlichen Hellebarden-/Lanzenspitze ähnelt, die in Legende des heiligen Sergios  eine Rolle spielt). In der neueren Heraldik sollte dies vermieden werden; im Zweifelsfalle ist die Form der Figur möglichst genau zu melden, auch wenn dies gewissermaßen gegen eine gebotene Blasonkürze verstößt.

„Endlich ist noch eine Form der Lanze zu erwähnen, welche wir, wegen der Ähnlichkeit mit der Glefe (Lilie) und weil die Lanze auch als Glefe bezeichnet wird, am besten als Glefenspitze (Tafel XXVI. Figur 65.) blasonieren. Sie ist zum Beispiel das Wappenbild der Anich von Cartätsch (Siebmacher II. 41.), der von Pranck in Bayern und anderen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[7]

Gleve als gemeine Figur (oberer Teil eine Lilie)

Die gemeine Figur Gleve (frz.: fleur-de-lis au pied nourri; engl.: fleur-de-lys couped at the foot) ist eine Abwandlung der heraldischen Lilie, nämlich ihr Oberteil inklusive Querband („heraldische Lilie ohne Unterteil“). In der Praxis und in der Umgangssprache werden die Ausdrücke Lilie (=„heraldische Lilie“) und Gleve (=„heraldische Lilie ohne Unterteil“) oft gleichgesetzt.

„Die Gleve (..), das Oberteil der heraldischen Lilie, die drei Blätter einschließlich des Querbandes, bildet häufig den Abschluß von Stäben, Balken und Kreuzarmen.“

Walter Leonhard (2003)[8]

Gleve als militärische Einheit

„Von der Waffe wurde die Bezeichnung Glefe auch auf eine militärische Einheit übertragen. Eine Glefe oder Lanze hatte eine Länge von 10 Schuh . Die Breite eines Mannes wurde mit zwei Schuh angesetzt, woraus sich die Anzahl fünf für die Gruppe errechnete.[9] Die Zahl der Glefe war jedoch schwankend oder wechselte in den Zeiten. Als Glefe wurde sowohl ein Soldat mit einer Lanze, ein Reiter mit einer Lanze oder einem Speer, ein Haufen von vier oder fünf Mann als auch bewaffnete Reiter einer Vierer- oder Fünfergruppe nach der Kriegsordnung angesehen.[10] Zur Bekämpfung der Hussiten sollte das Haus Württemberg das Reichsheer mit zwanzig Glefen stärken, „die Glefe zu fünf Reisigen  und sieben Rossen.“ [11]

Schon im 14. Jahrhundert regelte das um 1363 entstandene Straßburger Ordnungsbuch Nummer 19, wie sich das Stellen von 102 Glefen auf Patrizier und Handwerker der Stadt verteilte. Dort bestand eine Glefe aus gewöhnlich drei Personen.[12]

Beim Ritterstand wurde zwischen „Glefenern“ und sogenannten „Einspännigen“ unterschieden. Gemeinhin gehörten hier vier bis fünf Reiter zu einer Glefe: der Glefener, zwei Edelknechte  und der Schildknappe , der die Glefe (auch Lanze oder Spieß) trug. Bei einer Heerfahrt saß der Ritter bis zum Kampf auf einem „Telder“ genannten kleineren Pferd. Sein eigentliches Streitroß führte zu seiner Rechten ein auf einem Klepper („Hauspferd“) reitender Page. Vor dem Gefecht wechselte der Ritter das Pferd und gab den Telder in des Pagen Obhut, welcher der Kampfhandlung fernblieb. Die Glefe wurde in späterer Zeit um einen Schützen – einen Knecht mit einer Armbrust – ergänzt. Ein Ritter, der nur einen Knecht oder Pagen mitbringen konnte, wurde als „Einspänniger“ bezeichnet. Zwei Einspännige wurden einer Glefe gleichgesetzt.[13]

Deutsche Wikipedia (2013)[14]

Wappenbilderordnung

  • Die gemeine Figur Gleve (= Lilie ohne Unterteil) wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Verstümmelungen unter der Nr. 2712-789 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

  • Glefe , Stangenwaffe (in Wikipedia)
  • Gleve , militärischer Verband (in Wikipedia)
  • Gleve , als gemeine Figur (in Wikipedia)

Einzelnachweise

  1. Siehe zum Beispiel: Gladius (Waffe) , http://fr.wikipedia.org/wiki/Glaive
  2. Joachim Ehlers: Die Ritter, S. 79
  3. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 162. ISBN 978-3-411-02149-9
  4. Seite „Glefe“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. Mai 2013, 15:35 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Glefe&oldid=118159294 (Abgerufen: 10. Januar 2014, 14:33 UTC)
  5. Lemma glefe. In: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971.
  6. Boeheim, Wendelin: Handbuch der Waffenkunde. Leipzig, 1890. S. 342 ff.
  7. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S.122
  8. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7
  9. Johann W. von Bourscheid: Kaisers Leo des Philosophen Strategie und Taktik. Zweiter Band, Seite 119, Wien 1777, abgefragt am 17. Februar 2010
  10. Johann Christoph Strodtmann: Übereinstimmung der deutschen Alterthümer. Seite 164, Wolfenbüttel 1755, abgefragt am 17. Februar 2010
  11. Karl Pfaff: Geschichte Wirtenbergs. Band 1 Seite 84, Reutlingen und Leipzig 1819, abgefragt am 17. Februar 2010
  12. F. J. Mone (Herausgeber): Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Sechster Band, Seite 54, Karlsruhe 1855, abgefragt am 17. Februar 2010
  13. Johann Sporschil: Die Geschichte der Deutschen von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage. Zweiter Band, Seite 598, Regensburg 1859, abgefragt am 17. Februar 2010
  14. Seite „Glefe“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. Mai 2013, 15:35 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Glefe&oldid=118159294 (Abgerufen: 10. Januar 2014, 22:50 UTC)