Kaffeekanne (Heraldik)

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In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens sind Kaffeekannenfiguren nicht gebräuchlich.
 
1732–33: Silberne Kaffeekanne
 
Muster: Kaffeekanne (nach WBO, Nr. 9158)

Die Kaffeekanne (auch Kaffeekännchen genannt; französisch cafetiére; englisch coffee-pot) ist in der neueren Heraldik eine seltene gemeine Figur.

Abgrenzung und Anachronismus

Für die Vertreter eines eher traditionell ausgerichteten Wappenwesens sind nur diejenigen Motive heraldisch, die in der Früh-/Blütezeit des europäischen Wappenwesens (ca. 12. bis 15. Jahrhundert) auf einem Wappenschild als Wappenfigur denkbar gewesen wären. Nach dieser Auffassung ist eine Kaffeekannefigur anachronistisch und gilt als unheraldisch, weil sich Kaffee als Genussmittel frühestens ab dem 16. Jahrhundert im europäischen Wappenkulturraum verbreitete. In der neueren Heraldik beziehungsweise in der Wappenbilderordnung (WBO) des Herold wird dagegen die „Kaffekanne“ unter der Nummer 9158 in der Gruppe Haus- und Küchengerät als Wappenfigur geführt.

Kanne im Wappen KönigheimW-Logo.png, irrtümlich als „Kaffeekanne“ beschrieben

Als Referenzwappen für eine Kaffekannenfigur wird in der Wappenbilderordnung des Herold fälschlicherweise das Wappen von KönigheimW-Logo.png angegeben.[1] Die Figur in dem Wappen Königheim stellt aber keine Kaffeekanne dar, sondern nur eine einfache, gemeine „Kanne“, denn es liegt in diesem Fall ein redendes Wappen vor („Kannenheim“ war der frühere Namen von Königheim -- und nicht etwa „Kaffekannenheim“). Die Wappenfigur erscheint auch auf einem steinernen Bogen des 1499 entstandenen ÖlbergsW-Logo.png von Tilman RiemenschneiderW-Logo.png -- also zu einer Zeit, als es gar keine besondere Kanne namens „Kaffekanne“ in Europa gab, die eigens nur für die Zubereitung und zum Servieren von Kaffee diente.[2]

Darstellung

Die Wappenfigur Kaffeekanne ist in der neuern Heraldik -- heraldisch stilisiert -- dem IdealbildW-Logo.png des gleichnamigen, oft bauchigen Gefässes zur Zubereitung und zum Servieren von Kaffee nachempfunden (mit einem Deckel, einem Henkel, einer Tülle). Die Vorbilder der heraldischen Kaffeekannenfigur sind sehr vielfältig. Es gibt Kaffeekannen aus Porzellan, Steingut, Metall, Glas und in den verschiedensten Farben, Formen und Größen, teils sachlich-funktionell, teils figürlich-kitschig oder noch anders. In einer Wappenbeschreibung sollte daher die Ausprägung einer aufzureißenden Kaffeekannenfigur möglichst genau und verständlich bestimmt sein, um zu gewährleisten, dass Wappenkünstler das Motiv möglichst homogen und immer wieder gleich gestalten.

Wird eine Kaffeekannenfigur in der Wappenbeschreibung nicht näher bestimmt, obliegt die Gestaltung des Motivs der künstlerischen Freiheit und sollte im Rahmen der Gesamtharmonie des jeweiligen Wappen umgesetzt werden. Beispielsweise sind in der Wappenbeschreibung von HaselundW-Logo.png bis auf die Farbgebung die Gestaltungsmerkmale der Kaffeekannenfigur nicht fest vorgegeben, sondern offen, so dass umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten gegeben sind, wie die Figur letztlich aufgerissen wird:

Blasonierung: „Von Grün und Gold durch einen in verwechselten Farben geteilten Schrägbalken geteilt. Oben ein goldener Rinderkopf, darunter eine goldene Kaffekanne, unten ein grüner Torfspaten.“[3]

Wappengenehmigung: 12. November 2014

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Kaffeekanne im Wap­pen von HaselundW-Logo.png
Wappenbegründung: „(..) Die Kaffeekanne verweist auf die im 18./19. Jahrhundert erfolgte Verkuppelung. Darunter verstand man die Aufteilung der gemeinschaftlich bewirtschafteten Dorfländereinen unter der Dorfgemeinschaft. Die hierzu eingesetzte Kommission tagte unter Mitführung dieser überlieferten, im Museumsbesitz befindlichen Kaffeekanne. Neben diesem historischen Aspekt soll die Kanne auch die praktizierte Gastfreundschaft der Haselunder andeuten (..)“[4]

Vorgaben und Farbgebung

Da eine Kaffekannenfigur selten ist, gibt es keine expliziten heraldischen Vorgaben für sie, außer jene, die für Wappenfiguren, insbesondere für Kannenfiguren allgemein gelten. Die Farbgebung des Wappenmotivs, die Stellung und so weiter erfolgen nach den heraldischen Regeln. Alle heraldische Farben sind für die Figur Kaffeekanne gebräuchlich; heraldisches Metall (Silber oder Gold) sind bevorzugt. Erscheint die Tinktur eines Teils der Kaffeekannenfigur anders als der Rest, sollte dies angezeigt werden (z. B.: goldene Kaffeekanne mit roter Handhabe).

Wappenbilderordnung

  • Die Kaffekanne wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Andere Erzeugnisse von Menschenhand: Haus- und Küchengeräte unter der Nr. 9158 aufgenommen.

Weblinks

 Commons: Kaffeekannen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Kaffeekanne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Kaffeekanne. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).

Einzelnachweise

  1. Vgl.: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index. Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
    Band 1: S. 184.
  2. Landesarchiv Baden-Württemberg: Königheim. Abgerufen: 16. Dezember 2019
  3. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein. Abgerufen: 17. Dezember 2019
  4. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein. Abgerufen: 17. Dezember 2019