Schlüssel (Heraldik)

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zwischen 1305 und 1315: Schlüssel (im Wappen von Gliers, nach Codex Manesse)
1882: Schlüssel im Wappen der Familie von Bremen
Schlüssel (Kelleramt)

Der Schlüssel (frz.: clé; engl.: key) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

Die Darstellungsmöglichkeiten oder optischen Besonderheiten für einen Schlüssel sind überschaubar. Der Schlüssel kann als Einzelstück im Wappenschild alle Lagen einer gemeinen Figur annehmen. Die Lage pfahlweise, balkenweise oder schragenweise. Schwebend oder in den Händen/Fängen haltend kann er abgebildet sein. Der Bart, seltener ein Doppelbart, kann nach unten oder oben zeigen und wird durch eine recht einfache Form abgebildet. Kreuze sind beliebte Bartformen. Die Bartlage muss blasoniert werden. In Wappen werden auch gekreuzte oder verschlungene in den Ringen, sowie gegeneinandergelegte Schlüssel verwendet. Letztere können auch mit dem Ring am Bart liegen. Diese Ringe sind oft als gotische Vierpaßreite geformt. Bei der Verwendung im Oberwappen wird der Knauf auf einer Figur abgebildet oder zur eigenständigen Figur, auf der Krone oder dem Helm stehend. Bevorzugt sind "Metall" bei der Farbwahl, Gold oder Silber (weiß). Der oder die Schlüssel sind in der kirchlichen Heraldik beliebt und liegen gekreuzt hinter dem Wappenschild. Schlüssel und Zepter, Bischofsstab usw. werden auch mit Bänder oder Kordelschnüre zusammengehalten.

Schlüssel (Tafel XXVIII. Figuren 61. bis 64.): (..) Bei Letzteren, ist hinsichtlich der Stellung stets die Richtung des Bartes massgebend also: Tafel XXVIII. Figur 61. silberner Schlüssel in Rot, Bart rechts und oben, woraus von selbst hervorgeht, dass der Griff oder das Schliessblatt unten, also der Schlüssel aufrecht stehen muss. Bei 2 gekreuzten Schlüsseln (Figur 62.) ist, wenn nicht Anderes gemeldet wird, der Bart stets oben, aber nach abwärts gekehrt, bei querliegenden Schlüsseln (Figur 68.) ist das Letztere ebenfalls selbstredend. Figur 64. bezeichnet man als 2 abgewendete aufrechte Schlüssel, wobei es sich wiederum von selbst versteht, dass die Bärte nach oben und auswärts gekehrt sind. Zu melden ist vom Schliessblatt noch, ob es rund (Figur 62. 64.) oder viereckig (Figur 61. 63.) ist, respektive ob mit gothischem Vierpass versehen. Der Bart des Schlüssels hat meistentheiis oben und unten einen Einschnitt und auf der freien Seite einen Kreuzeinschnitt; andernfalls wird man gut thun, zu melden, wie derselbe ist (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Einzelschlüssel

Zwei Schlüssel

Gekreuzte Schlüssel

Doppelschlüssel

Doppelschlüssel
(Wappen Nidwalden)

Eine Besonderheit ist die Figur Doppelschlüssel (frz.: clé à deux pannetons; engl.: key with two wards). Hier wird ein Schlüssel mit zwei entgegengesetzten Bärten, oft schon knapp über der Reite geteilt, oder an einem Schlüsselschaft mit zwei Bärten dargestellt,

Doppelschlüssel (Tafel XXVIII. Figur 65.): wie ihn zum Beispiel das Wappen des Cantons Unterwalden, sowie das Wappen der im Sächsischen Reichsvicariat geadelten Starke aufweist. Er hat statt eines Bartes deren zwei.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Schlüssel als Nebenfigur

Symbolik

Der Schlüssel ist allgemein ein Zeichen der „Aufgeschlossenheit“ oder - umgedreht - der „Verschlossenheit“. In der Heiligenverehrung ist er ein Attribut für Petrus. Die sogenannten Schlüssel Petri, also die gekreuzten Schlüssel insbesondere im Papst- und Vatikanwappen, interpretiert man als Sinnbilder für die Macht des Papstes als Stellvertreter Jesu Christi auf Erden.

Wappenbilderordnung

  • Die gemeine Figur Schlüssel wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Andere Erzeugnisse von Menschenhand: Haus- und Küchengeräte unter der Nr. 9038 aufgenommen.
  • Die gemeine Figur Doppelschlüssel wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Andere Erzeugnisse von Menschenhand: Haus- und Küchengeräte unter der Nr. 9037 aufgenommen.

Weblinks

 Commons: Schlüssel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 133


Muster-Wappenschild-Info.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Schlüssel_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 04. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.