Sarg (Heraldik)

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1605: Aufgebockter Holzsarg mit Leichnam (Familienwappen von Leichnam; nach Siebmacher)
1889: Aufgebockter Holzsarg mit Leichnam (nach Siebmacher)
1882: Sarg im Mittelschild (Wappen Kloster OsekW-Logo.png, nach Siebmacher)

Sarg (mittelhochdeutsch sarc, sarch; Verkürzung von altgriechisch σαρκοφάγος sarkophágos, deutsch ‚„fleischfressend“‘, lateinisch sarcophagus; französisch cercueil, bière; englisch coffin)[1] ist im Wappenwesen:

  • eine seltene gemeine Figur, die allgemein dem gleichnamigen Behältnis für den Transport, die Aufbahrung und die Beisetzung eines Leichnams nachempfunden ist.
  • ein Oberbegriff, unter welchem die heraldischen Sargfiguren/-formen in einer Gruppe zusammengefaßt sind.

Darstellung

Der allgemeine und vageW-Logo.png Ausdruck Sarg eignet sich nur bedingt zur genauen Beschreibung einer Wappenfigur. Er läßt offen, welche Art eines Sargs (Holzsarg, Steinsarg/Sarkophag, Reliquienschrein) in einem Wappen aufgerissen werden soll. Durch seine Verwendung in einer Wappenbeschreibung ist nicht zwingend eine über Jahrhunderte immer „gleiche“W-Logo.png Darstellung eines Wappens gewährleistet. Der Gebrauch eines bestimmten Sargtyps kann bis heute ein Indikator und Identifikator für den gesellschaftlichen Status des Verstorbenen oder ein Ausdruck der Selbstdarstellung einer Familie sein, die auch im Wappenwesen zu berücksichtigen sind. Darstellungen von Steinsargfiguren sind daher streng von Holz- oder anderen Sargfiguren zu unterscheiden.

Ein frühe Abbildung einer Sargfigur findet sich in den Klosterwappen, die im Zusammenhang mit dem Kloster Morimond/MorimundW-Logo.png stehen. Das Kloster war eine der vier Primarabteien des Zisterzienserordens und wurde 1115 n. Chr. gegründet. Es besitzt zahlreiche Töchterklöster und die Abbildung einer Sargfigur in deren Wappen wurde in der Literatur des 19. Jahrhunderts kolportiert:

„Alle von Morimund abstammenden Zisterzienserklöster führen in ihrem Wappen den Sarg und die Buchstaben MORS (Tod, von mori mundo, das ist „der Welt absterben“). Im Wappen von OssekW-Logo.png nimmt der Sarg den Mittelschild ein, die vier Buchstaben sind an den vier Enden des Kreuzes angebracht.“

Programm der k. k. deutschen Ober-Realschule (1859)[2]

Steinsarg, Sarkophag

Sarkophag
 
Im Wappen von San Justo de la VegaW-Logo.png
 
Vorbild: Frühchristlicher Sarcófago de AstorgaCoat of Arms of Spain klein.png
1909, unten: Stein­sarg/Sarko­phag (Familienwappen Schrek; nach Siebmacher)

Ein (monolithischer) Steinsarg/Sarkophag oder eine steinerne Beerdigungstruhe, wie sie aus der vorheraldischen Zeit bekannt sind, ein Bleisarg oder ähnliches und ein Begräbnis innerhalb der Kirche (im Altarraum, in der Kirchengruft) konnten sich während der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens nur die Wohlhabensten oder hochgestellte Persönlichkeiten leisten. Der Steinsarg/Sarkophag war der Familie des Kirchenstifters, den Kirchherren, kirchlichen Würdenträgern oder anderen Menschen mit vergleichbarem Status vorbehalten.

Steinsarg/Sarkophag-Figuren in Wappen, die man zeitlich eindeutig einer Bestattungskultur lange vor dem Wappenwesen zuordnen kann oder einem konkreten Artefakt nachempfunden sind, widersprechen in gewisser Weise einem eher traditionellen Heraldikverständnis bzw. gelten manchen Heraldikern als unheraldisch.

„Ebenso unheraldisch ist die Darstellung bestimmter Gegenstände (..) zum Beispiel Häuser, Denkmäler, Schlösser (..)“

Handbuch der Heraldik (2017)[3]

Gleichwohl erscheinen in einigen Kommunalwappen, insbesondere im romanischen Wappenkulturraum, Wappenfiguren, die kulturell oder regional bedeutenden Särgen nachempfunden sind. Beispielsweise erscheint im Wappen von San Justo de la VegaW-Logo.png, Spanien ein frühchristlicher Sarkophag aus Astorga (Sarcófago de AstorgaCoat of Arms of Spain klein.png) und im Wappen von San Martín del Rey AurelioW-Logo.png), Spanien der Sarkophag von König AurelioW-Logo.png aus dem 8. Jahrhundert.

Grundsätzlich sollte ein Steinsarg- beziehungsweise eine Sarkophag-Figur dem heraldischen Idealbild eines Steinsargs/Sarkophags entsprechen und im Wappen in Form eines einfachen, zweidimensionalen länglichen Vierecks (eventuell mit einer Pfahlleiste in der Mitte) gestaltet sein; besondere Merkmale der Figur (beispielsweise eine Verzierung mit einem Kreuz) sollten gemeldet werden (vgl. Familienwappen Schrek). Erscheint die Figur im Wappenschild, sollte man sie nicht perspektivisch darstellen; gleichwohl finden sich insbesondere in Kommunalwappen hin und wieder Steinsarg-/Sarkophag-Figuren in dezenter perspektivische Ansicht. In der Tingierung gibt es neben den gewöhnlichen heraldischen Farbregeln keine Beschränkung (vorzugsweise erscheint eine Steinsarg-/Sarkophagfigur in Silber).

Holzsarg

1880: Holzsarg mit Leichnam (Wappen Seelen; aus dem Siebmacher, nach einem Siegel von 1558)

Vorzugsweise sollen in Wappen Figuren dargestellt werden, die auch im Wappenwesen des Mittelalters Verwendung fanden oder zumindest der zeitgenössischen Wappenkultur nicht fremd gewesen wären. Während der Entstehung des Wappenwesens (Anfang des 12. Jahrhunderts) waren „hölzerne Särge“ nicht gebräuchlich. Die Masse der Toten wurden im Kulturraum des Heiligen Römischen Reichs dieser Zeit auf einem TotenbrettW-Logo.png, einer TotenbahreW-Logo.png, in Rinderhäuten oder in einer einfachen hölzernen „Gebeinkiste“ (Totenbaum, Truhe, Lade, Trauf, Hohl, Schrein usw.) zu einer Begräbnisstätte (Kirche, Kirchhof, später Friedhof) transportiert und ohne Holzsarg bestattet.[4]

Erst im ausgehenden Mittelalter kam bei den Wohlhabendsten der Brauch auf, Angehörige in Holzsärgen beizusetzen. Hinterbliebenen, die sich keinen Sarg leisten konnten, stand gemeinhin ein wiederverwenbarer „Klappsarg“ zur Verfügung: „Ab dem 16. Jahrhundert besaßen solche GemeindesärgeW-Logo.png meist einen aufklappbaren Boden.[5] Der Sarg wurde mit der Leiche ins offene Grab heruntergelassen. Der in einen Leinensack gehüllte Leichnam fiel durch die geöffnete Bodenklappe in die Grube und wurde mit Erde und ungelöschtem KalkW-Logo.png bedeckt.“[6]

In der Normalform erscheint eine Holzsargfigur in einem Wappen mit geschlossenem Sargdeckel; ein offener Sarg oder ein Sarg mit einer darin liegenden Figur sind stets zu melden („offener Sarg mit Leichnam“). Erscheinen besondere Merkmale an der Sargfigur oder ist diese mit anderen Nebenfiguren der Begräbniskultur kombiniert, ist dies ebenfalls anzuzeigen (beispielsweise: „Sarg zwischen zwei Ständern mit brennenden Kerzen). Wird im Wappenschild ein Sarg offen oder mit Leichnam dargestellt, so ist in den Grenzen der heraldischen Stilisierung eine dezente perspektivische Ansicht des Motivs möglich, obwohl man sich dabei weitgehend Zurückhaltung auferlegen sollte. In der Tingierung gibt es neben den gewöhnlichen heraldischen Farbregeln keine Beschränkung (vorzugsweise erscheint eine Holzsargfigur in Schwarz).

Schrein

Der mehrdeutige Ausdruck Schrein bezeichnet im Wappenwesen keine gemeine Sargfigur, sondern eine besondere, die gewöhnlich einem rechteckigen oder hausförmigen, mit Edelmetall verkleideten Behälter für die Gebeine eines Heiligen nachempfunden ist (ReliquienschreinW-Logo.png). Ein Altarschrein dagegen -- das ist das sich schrankartig öffnende Mittelstück eines mit Flügeln verschließbaren Schnitzretabels -- und andere im Alltag als Schrein bezeichnete Gegenstände sollten unter ihren Eigennamen gemeldet werden. Eine heraldische Schrein- oder Reliquienschreinfigur erscheint beispielsweise im Wappen von Santiago de Compostela (siehe Escudo de Santiago de CompostelaCoat of Arms of Spain klein.png). Die oben genannten heraldischen Empfehlungen für eine Steinsarg-/Sarkophag- beziehungsweise für eine Holzsargfigur gelten gleichermaßen für abendländische Reliquienschreinfiguren.

Weblinks

 Commons: Särge in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Sarkophage in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wappen auf Sarkophagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wilhelm PapeW-Logo.png, Max Sengebusch (Bearb.): Handwörterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage, 6. Abdruck, Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914. Abgerufen am 29. November 2016.
  2. Drittes Programm der k. k. deutschen Ober-Realschule in Prag. Statthalterei-Druckerei. Prag. 1859. S. 10
  3. Herold, Verein für Heraldik (Hrsg.): Wappen. Handbuch der Heraldik. Als „Wappenfibel“ begründet von Adolf Matthias Hildebrandt, zuletzt weitergeführt von Jürgen Arndt, bearbeitet von Ludwig Biewer und Eckart Henning. Aktualisierte und neugestaltete Auflage. 20. Auflage. Böhlau Verlag GmbH & Cie., Köln, Weimar, Wien 2017, ISBN 978-3-412-50372-7, S. 154 (deutsch: Wappenfibel.).
  4. Peter C. A. Schels: Begräbnis. In: Kleine Enzyklopädie des deutschen Mittelalters. Eine lexikalische Materialsammlung zum Mittelalter, schwerpunktmäßig im deutschsprachigen Raum. Abgerufen am 1. Oktober 2022.
  5. Stefan Hess: Der sogenannte Pestsarg von Mandach – ein aufschlussreiches Zeugnis frühneuzeitlicher Sepulkralkultur. In: ArgoviaW-Logo.png 125 (2013), S. 124–133.
  6. Seite „Sarg“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. Februar 2017, 12:04 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sarg&oldid=162930819 (Abgerufen: 11. Dezember 2017, 03:19 UTC)