Rost (Heraldik)

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Dieser Artikel befasst sich mit der gemeinen Figur Rost / Laurentiusrost;

zu weiteren Namensträgern siehe in der Wikipedia LaurentiusW-Logo.png, zu Kirchengebäuden siehe LaurentiuskircheW-Logo.png

Redendes Wappen mit Rost (Rost, Kirchherr zu Sarnen, aus: Codex Manesse zwischen 1305 und 1340)
Rost
 
als Küchengerät
(im Wappen der Familie Roost aus Schaffhausen, zwischen 1744 und 1773)
 
als Folterinstrument
 
als Viehgitter (welches z. B. Kirch-/Friedhöfe vor eindringenden Tieren sicherte)

Der Rost (auch Laurentiusrost, Gitterrost, Grillrost, Kirchrost, Pfarr- oder Kirchhofeisen, Hexen- oder Teufelsgitter sowie Beinbrecher oder ähnlich genannt; lateinisch crurifragium, crates ferrea oder craticula; frz.: gril; engl.: gridiron) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

Die Heraldik unterscheidet in ihrer stilisierten Darstellung im Wappenschild nicht wirklich zwischen

  • dem Rost als Folterinstrument („Laurentiusrost“),
  • dem Rost als bodengleich angeordnetes ViehgitterW-Logo.png („Gitterrost“, „Beinbrecher“), welches vor allem Kirch-/Friedhöfe im Eingangsbereich vor eindringenden Tieren sicherte und dem die magische Funktion zugesprochen wurde, bocksbeinigen Gesellen den Zutritt zum Friedhof zu verwehren und gleichzeitig zu verhindern, dass Wiedergänger diesen verließen[1]
  • und dem Rost als Küchengerät („Gitterrost“), der gewöhnlich zum Grillen von Fleisch, Fisch, Gemüse verwendet wird.

Der Rost wird in der Regel in Einzahl als einfaches Gitter mit einem viereckigen Rahmen, mit kreisrunden Griff beziehungsweise entsprechender Anhängevorrichtung an der Stirnseite und ohne Beine dargestellt. Besonderheiten, die von der Grundform abweichen (vier oder mehr Beine, Haken als Griff, abgerundeter Rahmen et cetera) sind bei der Blasonierung zu melden, was in der Praxis jedoch oft vernachlässigt wird. Wird explizit ein Laurentiusrost gemeldet, erübrigt sich eine Beinangabe, da das Folterinstrument gewöhnlich vier Beine besitzt.

Ohne weitere Angaben ist der Rost gerade („pfahlweise“) ausgerichtet darzustellen. Besondere Positionen (über Eck gestellt, balkenweise und so weiter) sind zu melden. Wenn der Rost zum Beispiel in Form einer Raute bzw. rautenförmig im Wappenschild dargestellt wird, spricht man von einem auf die Spitze gestellten Rost. Zuweilen erscheint der Rost als Nebenmotiv und wird von einer anderen gemeinen Figur gehalten.

Der Rost kommt in allen heraldischen Farben vor. In der traditionellen Heraldik wurde der Rost möglichst zweidimensional bzw. perspektivlos stilisiert. Diese heraldische Regel wird vom neueren Wappenwesen teilweise ignoriert, so daß zunehmend Wappen mit perspektivischen Gitterrosts zu finden sind.

Galerie

Abgrenzung

Zwischen 1500-1561: Arbeit mit einer Egge (nach Simon Bening)
Die gemeine Figur Rost wird in der Heraldik manchmal mit der Egge verwechselt. Im Gegensatz zur Egge besitzt der Rost in der heraldischen Darstellung keine über das Gitter verteilte Zinken oder andere senkrecht abstehende Bestandteile (allenfalls vier bis sechs Beine an den Ecken). Wappenabbilungen, wo beispielsweise ein Laurentius mit Egge oder ein als Rost beschriebenes Motiv als Egge dargestellt wird, sind zu hinterfragen.
Manchmal wird auch die durchbrochene Fläche bei Feuerungsanlagen, die zur Auflage von Brennmaterial dient, in der Heraldik als „Rost“ blasoniert und entsprechend dargestellt.

Wappenbilderordnung

Weblinks

 Commons: Gitterrost in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Rost – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Barbara Happe, Christoph Engels: Friedhof I (im Christentum)Icon rdklabor.jpg. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. X (2012). Sp. 902–961. In: RDK Labor - Permanentlink. Abgerufen: 17. Dezember 2017
  2. Wappenbeschreibung: „In Gold der oberhalb runde schwarze Rahmen einer Esse, auf deren Rost eine rote Flamme lodert. “