Schiffshaken (Heraldik)

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Schiffshaken-Oberteil
(Tülle, mit kräftigem, gebogenen Widerhaken nach rechts und einem kleinen nach links; nach Siebmacher)
 
Bootshaken
(nach WBO, Nr. 9355)
Schiffshaken
(Watson und der HaiW-Logo.png, engl.: Watson and the shark; von John Singleton Copley, zwischen 1778 und 1782)

Die Ausdrücke Schiffshaken (auch Schifferhaken, Schiffhaken, Schifferstachel genannt), Enterhaken, Bootshaken (frz.: gaffe, croc de bâtelier; engl.: boat hook), Fischerhaken oder ähnlich bezeichnen im Wappenwesen gemeine Figuren, wobei die Darstellungen der Figuren in der heraldischen Stilisierung nicht scharf oder eindeutig voneinander getrennt und die Begriffe zum Teil synonym verwendet werden. Name, Form und spezifische Eigenschaften der jeweiligen Wappenfigur sollten in der Wappenbeschreibung möglichst genau gemeldet werden.

Darstellung

Die Figuren Schiffs-, Enter-, Boots- und Fischerhaken sind ihren gleichnamigen Vorbildern nachempfunden. Die realen Objekte erscheinen gewöhnlich als Schaftholz, auf welches am hinteren Ende eine konische (metallene) Tülle gesteckt ist. Diese läuft (teils abgerundet, teils scharfkantig) als Spitze aus („Tüllenspitze“), besitzt aber immer mindesten einen von der Spitze zur einen Seite abgebogenen Zinken oder Widerhaken. Die genannten Gebrauchsgegenstände unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Funktion und können zur optimalen Durchführung trotz ähnlicher Bauart unterschiedlich konstruiert sein (teils mit langer Stange, teils mit kurzer et cetera). Es existieren regional unterschiedliche Konstruktionsformen für jede Hakenform, die mit ihren Merkmalen zu melden sind, wenn sie als Wappenfigur erscheinen. Gemeinsam ist all diesen Gebrauchsgegenständen, dass sie im weitesten Sinn mit der Schifffahrt und/oder der Fischerei zu tun haben. Als ursprünglich von ihrer Funktionalität beherrschte Gebrauchsgegenstände sind viele dieser Haken Werkzeug und Waffe in einem.

Die Figuren kommen einzeln im Wappen vor, werden teilweise aber auch in Mehrzahl (zum Beispiel schräggekreuzt) oder mit anderen Wappenfiguren kombiniert.

Schiffshaken, Enterhaken: oben stark gebogener Haken, zum Beispiel im Wappen derer von Oppel und von Bischodwerda.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

In der Regel ist die Lage des Widerhakens bzw. der widerhakenförmigen Vorrichtung nach heraldisch rechts gewendet. In anderen Fällen sollte man sie in der Wappenbeschreibung angeben (zum Beispiel nach links gewendet, auswärtsgekehrt oder ähnlich). Wenn der Aufsatz mit der Spitze und seinem hakenförmigen Teil zum oberen und der Stab der Figur zum unteren Schildrand gerichtet sind, muss dies nicht unbedingt gemeldet werden, kann aber zum Beispiels als „aufrechter Schiffshaken“ oder ähnlich beschrieben sein. Sind die Schiffshaken gestürzt oder in einer anderen Weise im Schild oder Feld gestellt, ist dies anzuzeigen. Alle heraldischen Farben sind als Tingierung der Figur gebräuchlich. Wird der obere Teil des Schiffshakens anders tingiert als der Stab, ist dies zu melden.

Name Funktion/Beschreibung Überschrift
Schiff(s)haken:
Der Ausdruck Schiffshaken ist in der Heraldik ein eher unbestimmter Oberbegriff für alle Haken, die auf Wasserfahrzeugen verwendet werden („Haken auf Schiffen und für Schiffe“[2]; in der Regel an langen Stangen, aber auch ohne oder nur mit kurzer Stange). Zu den Schiffshaken zählen beispielsweise Bootshaken, Enterhaken oder ähnliche Haken.
BootshakenW-Logo.png Der Bootshaken (manchmal auch Kanthaken, Kenterhaken sowie im niederdeutschen Peekhaken genannt, angelehnt an peek=Piek/Spitze, „Haken mit einer Spitze“) wird im Gegensatz zum Enterhaken gewöhnlich nicht als Waffe genutzt, sondern um ein Wasserfahrzeug an andere Boote, Schiffe oder einen Anleger heranzuziehen oder abzudrücken sowie um Sachen oder Personen aus dem Wasser zu fischen. Manchmal wird er auch beim Straffen oder Niederholen von Segeln genutzt. Bootshaken erscheinen gewöhnlich mit einer kräftigen konischen Tülle und gebogenem Haken, teilweise mit Vierkantspitze, insgesamt weniger scharfkantig, sondern eher mit einer abgerundeten Spitze. In der heutigen Zeit hat sich die Form der Bootshaken im Großen und Ganzen erhalten, nur sind die Spitzen noch stumpfer und man verwendet andere Materialien.
Einsatz eines modernen Bootshakens (bei der Bergung eines U-Boots zur Minenabwehr)
EnterhakenW-Logo.png „Enterhaken“ ist ein mehrdeutiger Begriff vor allem für Waffen, die man zum Beispiel in das Tauwerk eines feindlichen Schiffes wirft oder an der Reling einhakt, um es heranzuziehen. Der Gebrauchsgegenstand erscheint in zwei Varianten:
Enterhaken-Bootshaken.jpg
  • Als sehr lange Stangen (bis zu fünf Meter) mit einem Eisenhaken am Ende. Man benutze sie nicht nur zum Heranziehen, sondern auch als Waffe im Kampf sowie zum Zerschneiden von Tampen.
Grappling hook 2 (PSF).png
  • Als mehrendige Wurfhaken/-anker, sogenannte Enterdreggen /EnterdraggenW-Logo.png mit mindestens vier Widerhaken/Klauen. Am unteren Ende einer Enterdregge ist an einem Ring ein Tau oder eine Kette befestigt. In kleinen Schiffen diente der Gegenstand nicht nur als Waffe, sondern auch zur Verankerung.
Einsatz von Enterhaken
(1895, Roman-Illustration)
Fischerhaken Der Fischerhaken ist eine Harpune (Fischhaken, Wurfspieß, Wurfspeer, Fischspeer; russisch: Багор), die mit nur einem (maximal zwei) Widerhaken ausgestattet ist. Er wird bei der Jagd auf Fische verwendet (zum Beispiel fangen Kosaken im Winter bei der „Bagrenye“ Störe aus dem Fluß Ural mit entsprechenden Fischhaken). Der Widerhaken am Fischerhaken verhindert, dass die aufgespießten Tiere wieder vom Speer rutschen und verloren gehen.
Einsatz von Fischerhaken

Schiffergesellschaft

Wappen der Schiffergesellschaft Lübeck
(1401 zunächst als St.-Nikolaus-Bruderschaft gegründet)

Zwei schräggekreuzte Schiffshaken, oben mit einer angestemmten Krone erscheinen im Wappen der SchiffergesellschaftW-Logo.png Lübeck, die ein Zusammenschluss von Seefahrern zum Zwecke des gegenseitigen Schutzes, des Zusammenhaltes und der sozialen Absicherung von Hinterbliebenen ist. Mit Beginn der seefahrenden Hanse gründeten sich Schiffergesellschaften ursprünglich als BruderschaftenW-Logo.png oder ZunftorganisationenW-Logo.png (oft unter dem Patronat eines namensgebenden Heiligen). Eine der vermutlich frühesten Schiffergesellschaften ist die Danziger Schifferzunft, deren Vorläufer in einem Dokument vom 4. März (Estomihi) 1386 urkundlich erwähnt wurde.

Stecknitzfahrer

Die GildeW-Logo.png der StecknitzfahrerW-Logo.png führt in ihrem Wappen zwei ihrer Berufssymbole: den Staken und den Bootshaken, wodurch ein direkter Vergleich zwischen diesen Werkzeugen möglich ist. Im Gegensatz zum Bootshaken erscheint der Staken (auch Stake genannt) als lange Stange, die am oberen Ende eine Gabel besitzt und am unteren Ende teilweise einen Griff.

Fischerhaken

Der Fischerhaken ist, was seine Funktion anbetrifft, ein Art Fischspeer und Packhaken oder GaffW-Logo.png in einem. Mit ihm kann man Fische vom Ufer oder Einbaum aus sowie durch Eislöcher stechen respektive durchbohren und mittels des Widerhakens auch bergen oder an Bord ziehen.

Abgrenzung

In vielen Fällen ist nicht schlüssig bestimmbar, ob ein Haken mit mindestens einem Widerhaken, der in einem Wappen erscheint, tatsächlich eine Ausprägung eines Schiffshakens (Enterhaken, Bootshaken, Fischerhaken etc.), eine Harpune oder eine ganz andere Wappenfigur (Floßhaken, Feuerhaken, Heuriffel, Gleve oder ähnliches) darstellt.

Oppell und Wappensagen

Schrägrechts aufwärts Oberteil eines Enterhakes (Wappen der von Oppell und Oppeln-BronikowskiW-Logo.png)

Nach einer Wappensage sollen die von Oppell einen Schiffshaken im Wappen führen, weil Mitglieder der Familie die Sarazenen mit solchen Haken in die Flucht geschlagen haben; eine zweite Sage geht davon aus, dass zur Zeit von Karl dem Großen zwei Brüder der Oppell-Familie einige Sarazenenschiffe mit solchen Haken erst geentert und dann versenkt hätten.[3]

Ehingen und Derivate

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Heulicher

Im Siebmacher werden die Stangen mit Spitze und Widerhaken im Wappen der Familien von Ehingen/Ehinger meist als Heuriffel/-haken beschrieben, das ist hakenartiges Gerät, um Heu aus dem Heustock zu rupfen. Die gleichen Wappenfiguren werden später manchmal als Schiffshaken, Fischhaken oder ähnliches interpretiert (zum Beispiel bei Otto von Alberti).

Wappenbilderordnung

Weblinks

 Commons: Bootshaken in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 344.
  2. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Schiffhaken. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  3. Kneschke, Ernst Heinrich: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien: In genauer, vollständiger und allgemein verständlicher Beschreibung: mit geschichtlichen und urkundlichen Nachweisen. 1856. S. 341, 342.