Medusa (Heraldik)

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Medusenhaupt/Gorgoneion
 
in der bildenden Kunst
(1597-1598; nach CaravaggioW-Logo.png)
 
in der Heraldik
(1596: Wappen Heinrich Porsch)

Medusa (auch Gorgo; griechisch Μέδουσα; französisch méduse; englisch medusa) ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur.

Darstellung

 
 
(Medusen­haupt in unterschiedliche Gestaltungen; Wappen FerrièresW-Logo.png, Belgien)

Die Darstellung der heraldischen Figur lehnt sich an überlieferte Motive der gleichnamigen GorgoneW-Logo.png aus der griechischen Mythologie an, die dort die Tochter der Meeresgottheiten Phorkys und Keto sowie die Schwester von Stheno und Euryale ist. Im Wappenwesen finden sich hauptsächlich drei Ausprägungen der Medusa:

  • Medusen-/Gorgonenhaupt („Gorgoneion“)
  • (gemeine) Medusa: Frau in ganzer Figur (gewöhnlich mit Schlangenhaaren oder anderen Attributen der Medusa)
  • Medusentriskele: drei radialsymmetrisch angeordneten Beine, die mit einem Medusen-/Gorgenhaupt belegt sind

Gorgoneion

Im Wappenwesen erscheint die gemeine Figur „Medusa“ gewöhnlich als GorgoneionW-Logo.png (auch Medusenhaupt, Gorgonenhaupt, Haupt der Medusa oder ähnlich genannt, griechisch Γοργόνειον; frz.: tête de Medusa; engl.: gorgoneion oder head of Medusa), das heißt als abgeschlagenes Haupt, „welches nach der griechischen Sage Athene (bzw. Minverva -- Anm. der Redaktion) als versteinerndes Schreckbild in die Mitte ihrer AigisW-Logo.png versetzte und als solches auf ihrem Schild (en face -- Anm. der Redaktion) trägt“[1].

1889: Ovalschild mit Medusen­haupt (nach Siebmacher)

Medusenhaupt: in deutschen Wappen wohl nur vom Schild der Minerva her bekanntes Bild: ein verzerrtes Weibs-Gesicht (mit Schlangen statt der Haare vorstellend).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Alle besonderen Attribute der heraldischen Figur Medusen-/Gorgonenhaupt sollten gemeldet werden. Die Wappenbeschreibung kann anführen, an welche Medusenhaupt-Grundform sich die gemeine Figur anlehnt, um Verwechslungen zu vermeiden. Beispielsweise sind im Wappenwesen folgende Grundformen des Medusen-/Gorgonenhauptes konsistent und signifikant voneinander zu unterscheiden (wobei die zeitliche Einordnung zu einer Grundform für das Wappenwesen nicht wesentlich ist, sondern die genaue Beschreibung der Wappenfigur im Fokus steht):

Name Zeit Eigenschaften
(evtl. in der Wappenbeschreibung anzuführen)
„Löwenmaske- Typus“ und andere vor dem 7. Jahrhundert v. Chr., aber auch lange danach Von verschiedenen Kulturen sind Artefakte überliefert, die „gorgonen-ähnlich“ aussehen oder wie Vorläufer der archaischen Medusa anmuten (vergleiche zum Beispiel Artefakte der phönikischen Kunst, den Besa-W-Logo.png bzw. Löwenmasken-Typus[3] et cetera); teilweise zeigen diese ein dämonisches Fratzengesicht, einen breitverzogenen Mund, eine herausgestreckte Zunge, Eberzähne, eine Löwenmähne, Haare schlängenähnlich oder schneckenförmig stilisiert.
Archaischer Typus ca. 7. bis Mitte/Ende 5. Jahrhundert v. Chr.
  • breitverzogener Mund
  • hervorgehobenen Zähne (Eckzähne/Hauer groß wie die eines Raubtiers)
  • mächtige Kinnbacken
  • oft herausgestreckte Zunge
  • glotzende, sehr großen Augen
  • mehr oder weniger kreisrunde Gesamtform der Fratze
  • Kinn unten etwas heraustretend
  • Haare glatt um die Stirn geordnet (Löckchen, gewellte Partien)
  • an den Hauptseiten breite Haarflechten
  • Schlangen als Beiwerk/Nebenfigur, weniger oder gar nicht als Haare
  • Ohren mit kreisrunden Ohrringen
Mittlerer Typus ca. 6./5. bis 4./3. Jahrhundert v. Chr.
  • weniger bedrohlich
  • eher „natürliches“ Antlitz
  • Meist ohne Eckzähne/Hauer
  • Schlangen stilisiert (auch in Form von Schlangenhaaren)
  • Schild oder anderes Artefakt gewöhnlich nicht ganz ausfüllend, sondern eher mittig und kleiner
Schöner Typus ca. ab Ende des 5. v. Chr. bis 1. Jahrhundert v. Chr., auch lange n. Chr.
  • Mund ohne breites oder entstellendes Verziehen
  • „Schönes“ Gesicht, weder fratzenhaft, noch verzerrt
  • meist mit Schlangenhaaren (aber nicht immer)
  • Häufig Flügel am Kopf
Moderner Typus viele Umbildungen ab ca. 3. Jahrhundert v. Chr. bis heute
  • oft ein im Todeskampf erstarrtes, pathetisch-schönes Frauengesicht
  • einerseits das Haar durchzüngelnde Schlangen, andererseits „schlangenartige“ flatternde Haare
  • Manchmal mit Flügeln am Kopf

(Gemeine) Medusa in ganzer Figur

(Nackte) Medusa in ganzer Figur (mit Eberzähnen, Schlangenhaaren, Hüfte und Schritt von Schlangen umschlungen)

Soll in einem Wappen das Haupt der Medusa auf einem Körper erscheinen, ist das zu melden (zum Beispiel „Medusa mit ganzer Figur“,, „Medusa mit Körper“, „Medusa mit Rumpf“ o. ä.). Gewöhnlich ist eine Medusa in ganzer Figur in einem Wappen nackt; wird sie mit Bekleidung dargestellt, ist dies anzuzeigen.

Medusentriskele

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Trinacria (Heraldik)

Die Medusentriskele (auch Trinacria genannt) erscheint gewöhnlich als Kombination einer Triskele in Form von drei radialsymmetrisch angeordneten menschlichen Beinen mit dem Gorgoneion (en fance) im Zentrum des Motivs. Bekannt wurde das Motiv vor allem als Symbol für den früheren Namen Siziliens.

Wappenbilderordnung

  • Die gemeine Figur Medusa wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Zusammensetzungen aus Tieren und Menschen mit Tierköpfen und anderen Teilen von Tieren unter der Nr. 6840 aufgenommen.

Paraheraldik

Auch in der Paraheraldik (zum Beispiel in der Militärheraldik) erscheint die Medusa-Figur beziehungsweise eine ihrer Ausprägungen.

Symbolik

Medusa-Symbole erscheinen außerhalb der Heraldik oft als Unheil abwehrendes magischen Schutz- und Schreckmittel (ApotropaionW-Logo.png), Schreckbild).

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Medusa in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Seite „Gorgoneion“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 31. März 2013, 13:13 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gorgoneion&oldid=116362898 (Abgerufen: 9. Mai 2014, 21:38 UTC)
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 270
  3. Siehe zum Beispiel: commons:Bes)
  4. Nach hellenistischen Original, Adolf Furtwängler, Meisterwerke der griechischen Plastik, 1893 datierte das Modell in die Mitte des 5. Jh., er hatte es zuvor in das 4. Jh. datiert, in Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie