Jüngling (Heraldik)

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1605: Jüngling/Junge im Wappen der Familie Jung
Helmhaltender Jüngling im Wappen von Slaný (dt.: Schlan)
Wachsender rotgekleideter Jüngling im Wappen von Oberschuepf
Ein wachsender lorbeerbekränzter Jüngling in von Schwarz, Silber und Rot gespaltenem Gewand im Wappen derer von Bitter

Der Ausdruck Jüngling (frz.: jouvenceau; engl.: youngster, youth) bezeichnet in der Heraldik eine seltene gemeine Figur, gewöhnlich männlichen Geschlechts (auch Junge, „junger Mann“ oder ähnlich genannt; seltener, mißverständlich und in der Wertung des Worts unterschiedlich Knabe, Bub, Bube, Bursche oder ähnlich).

Darstellung

Die gemeine Figur Jüngling erscheint in Wappen gewöhnlich nackt und ist dem JünglingW-Logo.png nachempfunden. Die Nacktheit ist stets als etwas Reines, Makelloses zu deuten, was als Konnotation die heraldische Jünglingsfigur begleitet. Wappen, in denen eine Jünglingsfigur erscheint, sind nicht immer einheitlich gestaltet. Teilweise erscheinen Jünglinge in ein- und demselben Wappen je nach Wappenaufriss mal bekleidet, mal nackt, mal mit durch gestalterische Mittel verhüllter Mannheit. Beispielsweise erscheint der Jüngling unterschiedlich, der im Wappen von Slaný (dt.: Schlan) in heraldisch außergewöhnlicher Form dargestellt wird:

„Die böhmische Stadt Slaný (Schlan) führt das unveränderte königlich böhmische Wappen einschließlich Helmzier, doch zur Unterscheidung wurde ein außergewöhnliches Zeichen hinzugefügt - an der äußeren rechten Seite der Helmdecke kniet die Gestalt einen nackten Jungen, der nach links gewendet mit beiden Händen den Helm hält.“

Milan Buben (1987)[1]

In der neueren Form ist der Jüngling (blau) gekleidet und die linke Seite der Helmzier entfällt.[2]

Das Wappenmotiv Jüngling wird in der Regel in Ein- oder Zweizahl und im Gegensatz zum Kind/Knäblein ohne Spielgeräte in Wappen dargestellt. Alle heraldischen Farben sind für die Figur gebräuchlich, bevorzugt wird Silber, Schwarz oder Naturfarbe.

Jüngling: d. h. unbärtiges Maskulinum, (in Fig. 52 (Anm.: Fig. 51) breitspurig vorwärts gekehrt, nackt auf Dreiberg; in Fig. 52 in Fechterstellung, mit 2 verschlungenen Schlangen in der Rt., gleichfalls nackt die linke Faust in die Hüfte gestellt. Diese Stellung eines Armes dessen Hand Nichts hält, ist bei allen Menschenfiguren die natürliche, wenn also nichts anderes gemeldet ist, so stemmt die Figur beide Handrücken in die Hüfte und wenn von den zwei Armen nur die Hand des einen etwas hält, so versteht es sich von selbst, dass der Handrücken des anderen sich an die Hüfte stemmt.
Es ist bei nackten Menschen üblich, die Genitalien nicht anzu deuten, meistens wird die Hüfte übrigens durch Schurz- oder Laubwerk verdeckt.“

Siebmacher / Maximilian Gritzner (1889)[3]

Heiliger Jüngling

„Heiliger Jüngling“
 
 
Hans BöhmW-Logo.png im Wappen von NiklashausenW-Logo.png

Im Wappen von NiklashausenW-Logo.png erscheint als Wappenfigur der „Heilige Jüngling“ (auch als Pfeifer von Niklashausen, Pfeiferhannes, Pfeiferhänslein, Henselins, Pauker von Niklashausen, Hans BöhmW-Logo.png, Hans Behem oder ähnlich beschrieben):

  • In Silber auf einem (entweder aus dem unteren Schildrand wachsenden oder schwebenden) schwarzen Fass der mit rotem Gewand und Hut bekleidete „Heilige Jüngling“ (=„Pfeifer von Niklashausen“; =„Hans Böhm“; teilweise erscheint die Figur in Wappenaufrissen mit silbernen Spiel-/Bordunpfeifen oder Paukenschlägeln in den Händen).

Die Figur ist zeigenössischen Darstellungen von Hans BöhmW-Logo.png (* um 1458; † 19. Juli 1476) nachempfunden, der ungefähr im Alter von 17/18 Jahren öffentlich in Würzburg auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde.

Abgrenzung

Jüngling versus Kind/Knabe versus Mann

Die Übergänge vom Kind zum Jüngling und zum erwachsenen Mann sind in der heraldischen Darstellung teilweise fließend bzw. nicht eindeutig. Ob in einem Wappen ein (männliches) Kind (nach deutschem Recht, wer noch nicht 14) oder ein (männlicher) Jugendlicher (wer 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist) dargestellt wird, ist häufig nicht eindeutig bestimmbar. Die ältere Heraldik kennt derartige Unterscheidungen ohnehin nicht. Im Zweifelsfalle kann nur die Blasonierung oder der Wappenführende Auskunft erteilen, welches Motiv in einem Wappen erscheint.

Beispiel: Nackter Knabe/Jüngling im Stammwappen derer von ScheuchenstuelW-Logo.png (1579)
  • Bei Maximilian Gritzner einmal als „Jüngling“ bezeichnet (auf S. 77 als Fig. 52), einmal als „Knabe“ (bei Erklärungen zur Tafel XIII. als Nr. 51).[3] Die Darstellung ist nicht eindeutig.
Jüngling nackt auf Dreiberg.jpg
Stammwappen derer von Scheuchestuel 1579.png
Beispiel: Nackter Knabe/Mohrenmann im Stammwappen derer von Reitmaier/Reitmor/Reitmohr(en) (1501 Wappenbrief; 1587/88 Erwerb des Reichsadels)
  • Bei Maximilian Gritzner als „Mohrenknabe, auf Hirsch reitend bezeichnet“ (S. 77 als Fig. 57 und Tafel 13. Fig. 56);[3] im neuen Siebmacher und bei Hugo Gerard Ströhl jedoch als Mohr(enmann) gestaltet und beschrieben (Tafel XLV, Fig. 5.)[4][5][6] Die Darstellung ist nicht eindeutig.
Siebmacher Knabe 02 Mohr.jpg
Ströhl Heraldischer Atlas t45 2 d5 Reitmohr.jpg

Weiblicher „Jüngling“

Das Pendant zum Jüngling ist in der Heraldik die Jungfrau (=„junge Frau“), die stets als solche zu melden ist.

Wappenbilderordnung

Webseiten

Einzelnachweise

  1. Milan Buben, Heraldik. Albatros Prag. 1987. S. 141.
  2. Seite „Slaný“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. April 2016, 16:34 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Slan%C3%BD&oldid=153652595 (Abgerufen: 29. Mai 2016, 16:06 UTC)
  3. 3,0 3,1 3,2 Quelle: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889 - Menschen und Deren Körpertheile - Jüngling)
  4. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 1. Abteilung, 1. Teil; Abgestorbener Bayrischer Adel; Verfasser: G.A. Seyler; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1884. Seite 87. Tafel 86.
  5. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, VI. Band, 1. Abteilung, 3. Teil; Abgestorbener Bayrischer Adel; Verfasser: G.A. Seyler; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1911. Seite 39. Tafel 25.
  6. Hugo Gerard Ströhl: Heraldischer Atlas. Eine Sammlung von heraldischen Musterblättern für Künstler, Gewerbetreibende, sowie für Freunde der Wappenkunde. Stuttgart 1899 (Nachdruck: Heraldischer Atlas. Sammelwerk=Heraldische Reihe. Band=IV. PHV Verlag. Offenbach. 2000. ISBN= 3-934743-08-0).