Hand (Heraldik)
Die Hand (mhd. hant; lateinisch manus; französisch main; englisch hand) ist in der Heraldik eine gemeine Figur im Wappen.
Darstellung
Das Motiv Hand wird je nach Haltung im Wappenfeld verschieden beschrieben. Grundsätzlich sind die rechte und linke Hand zu unterscheiden. Bei der Wappenbeschreibung heißt es dann Rechthand oder Linkhand. Gelegentlich wird auch ein Teil des Armes mit dargestellt. Der Sachverhalt sollte blasoniert werden. Allgemein bezeichnet man in der Heraldik mit Hand:
- die Darstellung einer Hand
- die Darstellung einer „Hand mit einem Arm“, wobei die Armdarstellung vor der Beuge aufhören muß.
Wichtig ist, ob der Handrücken oder die Innenhand zum Betrachter gerichtet ist. Beim Zeigen des Handrückens spricht der Heraldiker von einer Verkehrthand. Auch betende Hände sind ein Wappenmotiv.
Die Hand kann auch zur Faust geballt sein.
Die Hände werden zum Halten der verschiedensten Dinge genommen. Sie können zu diesem Zweck auch durch Rüstteile geharnischt oder mit Flügel versehen sein. Die Hand kann auch einen Handschuh tragen, oder dieser ist alleine dargestellt.
„Die menschliche Hand erscheint, wenn nicht anders gemeldet, stets nackt und in Fleischfarbe. Man unterscheidet hier:
° die offene Hand
° die Verkehrt-Hand
° die Faust
Bei der offenen Hand sieht man das Innere, bei der Verkehrthand den Rücken der Hand. Ferner ist bei der aufgerichteten Hand noch zu unterscheiden die offene Rechthand, bei welcher der Daumen nach (heraldisch -- Anm. Redaktion) links, und die offene Linkhand (Tafel XIV. Figur 17.), wo der Daumen nach (heraldisch -- Anm. Redaktion) rechts gerichtet ist, ferner die rechte und die linke Verkehrthand, wo die Daumen umgekehrt stehen.“
Linke Hand (Fig. 258. a sinister hand; nach Fox-Davies, 1909)
- Complete Guide to Heraldry Fig257.png
Rechte Hand (Fig. 257. a dexter hand; nach Fox-Davies, 1909)
- Escudo de Totatiche.svg
Gestürzte Hände mit Schnittwunden (Wappen von Totatiche
)
- Escudo da Galiza no Sammelband mehrerer Wappenbücher (c. 1530) - 2.jpg
ca. 1530: Schrägrechte Hand (Wappen der kunig von galicius; vgl. Rote Hand von Ulster
)
Varianten
Schwurhand
Als Schwurhand (frz.: main jurante; engl.: swearing hand, the first two fingers raised) wird eine erhobene Hand, oft mit den zum Schwur gestreckten Fingern, dargestellt. Hierzu sind der Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger aufwärts und die anderen Finger abwärts gebogen. In der englischen Heraldik wird diese Hand als Beizeichen genommen. Eine rote, abgeschnittene, aufrechte linke Hand ist ein Zeichen der Baronetwürde. Es ist dem Badge von Ulster entnommen und in vielen Geschlechterwappen wiederzufinden. Außerhalb der Heraldik kann diese Geste z. B. für die „Heilige Dreifaltigkteit“ stehen (wenn Zeige- und Mittelfinger zusammen dargestellt sind – nicht getrennt – bzw. eine Einheit bilden, dann kann man das Gesamtmotiv auch als Symbol für die „Hand Gottes“ deuten).
„Eine Schwurhand ist eine offene Rechthand, deren Daumen-, Mittel- und Zeigefinger ausgestreckt, die übrigen eingekniffen sind.“
- Tri prsta.jpg
- Complete Guide to Heraldry Fig259.png
(1909, nach Fox-Davies)
- Gempen-blason.png
Rechte Schwurhand (Gempen
, Schweiz)
- Gommiswald-blazono.png
(Gommiswald
, Kanton von St. Gallen, Schweiz)
- Wappen Zisterzienserstift Heiligenkreuz.svg
Drei Schwurhände (Anjala
, Finnland)
Segnende Hand
Ist die Hand gesenkt, so wird diese als segnende Hand beschrieben. Hierbei sind Mittelfinger und Zeigefinger zum Segnen gestellt, der Daumen aber eingeschlagen. Im Wappen wird sie quer und auf Pfahlmitte gelegt. Bei Leonhard werden zwei zum Schildfuß gestürzte Hände, bei denen alle Finger (bis auf die Daumen) leicht nach Innen gebeugt beziehungsweis wie eine kleine Schüssel geformt sind („hohle Hand“), segnende Hände genannt[3].
„Sind die Daumen, Zeiger und Mittelfinger in die Höhe gestreckt, so ist es eine schwörende Hand (..) Ist auch der Daumen eingeschlagen, so ist sie segnend.“
Treue Hände
Die gemeine Figur Treuhand (auch treue Hände, Händeschütteln und anderes mehr genannt; engl.: handshake, two hands conjoined iin fess oder a dexter and a sinister hand couped at the wrist an clasped) ist der Begrüßungsgeste beziehungsweise dem Begrüßungsritual nachempfunden, bei denen sich zwei Hände erfassen. Die Haltung zweier Hände mit der Innenhand nach vorn wird als abgewendet bezeichnet.
„Zwei treue Hände (Tafel XIV. Figur 18): gewöhnlich wie hier „aus Wolken reichend“ sind Hände, welche sich fassen, so daß man von der Rechthand den Rücken und die Finger und den Ballen des Daumens, von der linken nur den Daumen nebst Ballen sieht.“
1889: Treue Hände
(nach Siebmacher)- Coat of arms of Argentina.svg
Treue Hände im Wappen Argentiniens
- Coat of arms of Aruba.svg
Treue Hände im Wappen Arubas
- Egg-blazon-variant.svg
Egg ZH
- Wappen von Knöringen.png
Knöringen
- DEU Druisheim COA.svg
Zwei verschlungene, hochgestreckte Hände (Druisheim
)
Eisenhand
Im Wappen von Berlichingen erscheint in Anlehnung an die Eiserne Hand
des Götz von Berlichingen
eine sogenannte „Eisenhand“ beziehungsweise eine „Handprothese aus Eisenblech“.
Die erste „Eiserne Hand“ (unrestaurierter Zustand mit abgebrochenem kleinem Finger)
- Wappen Berlichingen.png
Schwarze Eisenhand (Berlichingen
)
Betende Hände
In der neueren Heraldik sind betende Hände ebenfalls ein Wappenmotiv.
(Betende Hände
; Zeichnung von Albrecht Dürer)
Faust
Die gemeine Figur Faust (frz.: poing: engl.: fist oder closed hand) ist einer Geste nachempfunden, bei der die Finger einer menschlichen Hand zusammengeballt werden.
Faust einer rechten Hand
Nach rechts gewendete Faust in Naturfarbe („aus Ärmel hervorstoßend“; Cappel-Neufeld
)[5]
Interdisziplinarität und Symbolik
Handmotive, Handgesten und Handgebärden sind Grundmotive in allen Zeiten und in zahllosen Bereichen der menschlichen Kultur. Heraldisch stilisierte Hände unterscheiden sich nicht oder nur kaum von anderen stilisierten Handmotiven, wie man sie zum Beispiel im Bereich der Gebärdensprache
, beim Fingeralphabet
oder in anderen Darstellungen findet. Hinter vielen Darstellungen von stilisierten Handmotiven und Handgebärden
liegt außerhalb der Heraldik oft eine starke symbolische Aussage, die die Wappenlehre nur am Rande oder gar nicht untersucht. Davon unabhängig kann jede Handsymbolik in ein Wappen übernommen werden, solange sie ausreichend heraldisch stilisiert im Wappen erscheint.
- Stilisierte Hände
in einem Fingeralphabet zum Zählen (Holzschnitt aus dem Jahre 1494 von Luca Pacioli
; ursprünglich von Beda Venerabilis
710 beschrieben)
in einem Handerinnerungssystem (ursprünglich veröffentlicht in „Thesavrvs Artificiosae Memoriae“, in Venedig, 1579)
- Brockhaus and Efron Encyclopedic Dictionary b16 910-3.jpg
in einem Fingeralphabet (Brockhaus and Efron Encyclopedic Dictionary; 1890—1907)
- Asl alphabet gallaudet.png
in einem amerikanischen Fingeralphabet (1991)
Die erhobene Faust (engl. Raised fist
) ist außerhalb der Heraldik ein Symbol für „Solidarität“, „Unterstützung“, „Freiheit“ oder ähnliches.
- The hand that will rule the world.jpg
Solidarität, Cartoon 1917
- Civil Liberties in War Times by Max Lerner 1940.jpg
Bürgerliche Freiheit, Poster 1940
Feminismus
- LibrariansAgainstDRM.svg
Bibliothekare gegen Digital rights management (DRM)
- Otpor-serbian.jpg
Otpor!
- Piotr Uklanski - Untitled (Fist).jpg
Piotr Uklanski, Untitled (Faust) 2008
Flagge von Ulster, Irland/Nordirland
Wappenbilderordnung
- Treuhände wurden in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: D. Hauptteile und Seitenteile: 3. Menschen unter der Nr. (7011)-753 aufgenommen.
- Die Schwurhand wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: D. Hauptteile und Seitenteile: 3. Menschen unter der Nr. (7011)-754 aufgenommen.
- Die Faust wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: D. Hauptteile und Seitenteile: 3. Menschen unter der Nr. (7011)-755 aufgenommen.
- Die rechte Hand wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: D. Hauptteile und Seitenteile: 3. Menschen unter der Nr. (7011)-756 aufgenommen.
- Die linke Hand wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: D. Hauptteile und Seitenteile: 3. Menschen unter der Nr. (7011)-757 aufgenommen.
- Die Rückhand wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen: D. Hauptteile und Seitenteile: 3. Menschen unter der Nr. (7011)-758 aufgenommen.
Siehe auch
Weblinks
- Händeschütteln
, in der Wikipedia
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Maximilian Gritzner: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie. Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
- ↑ Adliga ätten Hand nr 59 †. In: www.adelsvapen.com. 23. April 2014, abgerufen am 10. November 2023 (schwedisch).
- ↑ Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. S. 176. Abbildung 15. ISBN 3-8289-0768-7
- ↑ Siebenkees, Johann Christian: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. 1789.
- ↑ Landkreis Wesermünde
(Hrsg.): Wappen des Landkreises Wesermünde. Grassé Offset Verlag, Bremerhaven/Wesermünde 1973, OCLC
469321470 (201 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 23. Oktober 2021]).
Wappenbeschreibung: „Geteilt, oben in Gold eine nach rechts gewandte Faust in Naturfarbe, aus einem schwarzen Ärmel hervorstoßend, unten in Grün ein silberner welliger Schildfuß.“
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