Pelikan (Wappentier)

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heraldischer Pelikan
 
(gemäß Siebmacher)

Der Pelikan (frz.: pélican; engl.: pelican) ist in der Heraldik als gemeine Figur ein Wappentier, das in zwei Ausprägungen gebräuchlich ist:

  • Heraldischer Pelikan
  • Natürlicher Pelikan

In den Darstellungen der jüngeren Heraldik sind die optischen Unterschiede zwischen einem heraldischen und einem natürlichen Pelikan teilweise „verwässert“ oder ganz aufgehoben. Die Bestimmung, welches Motiv gezeigt wird, ist in diesen Fällen mittels der Wappenbeschreibung oder gemäß dem Wunsch der Wappenführenden zu treffen.

Heraldischer Pelikan

Pelikan (Blockbuch Defensorium inviolatae virginitatis b. Mariae von J. Eysenhut (Regensburg, 1471)[1]
Pelikan im Manuscript LUDWIG XV 4 (Getty Center, 13. Jahrhundert, nach 1277)
Pelikan im Wappenbuch von Conrad Grünenberg (1480 bzw. 1602/04

Das Wappenmotiv heraldischer Pelikan ist weniger an natürliche PelikaneW-Logo.png aus der Gattung und der Familie (pelecanidae, pelecanus) angelehnt, sondern eher an sagenhafte Fabelwesen, die hauptsächlich adler- und nebensächlich rohrdommel- und schwanenartige Merkmale in sich vereinen[2]. Die Darstellungen in der Heraldik orientieren sich zwanglos an entsprechenden Abbildungen von Fabelwesen in der frühchristlichen Naturlehre (PhysiologusW-Logo.png) und der mittelalterlichen Tierdichtung (BestiarienW-Logo.png und BlockbücherW-Logo.png).

Wenn nichts anderes gemeldet wird, erscheint der (gemeine) heraldische Pelikan mit ganz oder halb ausgebreiteten Flügeln, in einem Vogelnest mit drei Jungvögeln („Küken“) stehend, sich mit dem Schnabel die Brust ritzend („brustritzend“; engl.: vulning itself), die Jungvögeln mit den aus der Brustwunde fließenden Blutstropfen atzend („ätzend“, „äsend“)[3]. Nach Ottfried Neubecker wird die Figur ohne (sic!) Futter-/Kehlsack am Schnabel dargestellt[2]. Die Stellung der Flügel oder Federn (angeschlossen, gesenkt, erhebend, ausgebreitet et cetera) wird in der Regel nicht gemeldet, sondern folgt den grafischen Erfordernissen des jeweiligen Wappenaufrisses beziehungsweise der Gesamtharmonie des Wappens. Hintergrund der eigenartigen Erscheinung des heraldischen Pelikans liefert ..

„(..) möglicherweise die Tatsache, dass sich die Jungen (eines lebenden) Pelikans ihr Futter tief aus dem Kehlsack der Eltern holen, was den Eindruck erweckt, sie würden sich an deren Brustfleisch nähren. Außerdem färbt sich beim Krauskopfpelikan während der Brutzeit der Kehlsack rot und erinnert an eine blutige Wunde.“

Wikipedia (2003)[4]

Abweichungen/Varianten von der genannten Darstellung sind genau zu beschreiben. Beispielsweise sollte der Blason eines Wappens darauf eingehen, wenn ein heraldischer brustritzender Pelikan ohne Nest oder ohne Jungvögel erscheint. Auch wenn in einem Wappen die Anzahl der Jungvögel nicht drei beträgt, sondern zwei oder vier oder mehr (bis zu neun), sollte dies gemeldet werden.

Pelikan (Tafel XIX. Figur 29): erscheint sehr häufig in Wappen, stets in der Stellung wie hier abgebildet, mit ganz oder halb erhobenen Flügeln, sich mit dem Schnabel die Brust ritzend, um seine (3, 4, 5, 6, 7 bis 9) Jungen mit seinem Blute ernährend. Gewöhnlich im Nest, kommt er indess auch ohne solches, auf Rasen vor. Auch wird, statt des Pelikans manchmal der Schwan (wohl irrtümlich) in der Pelikandarstellung dargestellt.

Ob die „Löffelgans“ im Wappen der Löffler von Tuxenhausen in Tirol und Löffler von Haunritz (Tafel XIX. Figur 28.) nicht richtiger als „Schwan“ zu blasonieren wäre, lassen wie dahingestellt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[5]

Für den heraldischen Pelikan gelten die gleichen heraldischen Farbregeln wie für das Wappentier Adler, das heißt, die natürliche Farbe eines lebenden Pelikans -- Weiß -- ist im älteren Wappenwesen nicht die bevorzugte Tinktur für die heraldische Figur, sondern ist rein qualitativ wie die anderen heraldischen Farben zu bewerten. Erst in der neueren Heraldik oder bei Wappenneustiftungen neigt man teilweise dazu, den Pelikan nicht mit einer heraldischen Farbe, sondern mit dem Ausdruck Naturfarbe zu beschreiben.[6] Rein quantitativ finden sich in Wappen überwiegend silberne/weiße (naturfarbene) heraldische Pelikan auf blauem Feld. Alle Besonderheiten des heraldischen Pelikans (Blutstropfen, Nest, Jungvögel, Bewehrung) können mit einer vom Rest der Figur abweichenden heraldischen Farbe eingefärbt sein, was zu melden ist.

Varianten

Vom heraldischen Pelikan gibt es mehrere Varianten. Die jeweilige Abweichung vom gemeinen heraldischen Pelikan sollte entsprechend blasoniert werden. Zu den gebräuchlichen Varianten zählen unter anderem:

Stilblüten

Im Neuen Siebmacher und in den Gotha-Blasonierungen finden sich teilweise „phantasievolle“ Details und viele Schachtelsätze, um den heraldischen Pelikan oder eine seiner Ausprägungen zu umschreiben (mal trinken Pelikane ihr eigenes Blut oder sie „nähren“ beziehungsweise „tränken“ die Jungvögel et cetera). Und im Wappen Schultz erscheint ein „fliegender Pelikan, den Schnabel an die Brust gesetzt“, was in gewissem Sinn eine unheraldische Stellung eines Vogels, mindestens kein gebräuchlicher heraldischer Stil ist.

Natürlicher Pelikan

Die gemeine Figur natürlicher Pelikan ist nicht einem fiktiven oder sagenhaften Vogel, sondern den lebenden Wasservögeln nachempfunden. Sie erscheint im Gegensatz zum heraldischen Pelikan gewöhnlich mit Futtersack am Schnabel, aber ohne Brustverletzung, ohne Blutstropfen, ohne Nest und ohne Jungvögel und in Naturfarbe (Weiß). Abweichungen von dieser Darstellung des natürlichen Pelikans sollten gemeldet werden.

In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens war der natürliche Pelikan nicht gebräuchlich. Die Wappenfigur findet sich in der neueren Heraldik hauptsächlich als Schildhalter.

Symbol, Ikonographie und Volksglauben

Die Gemeinde Pélissanne führt den Pelikan als redendes Symbol
Pelikan (Blockbuch Defensorium inviolatae virginitatis Mariae von Franciscus de Retza, 1470)
  • Im Rahmen der Heraldik findet man die Pelikanfigur als redendes Motiv für Familiennamen wie Pelet, Pelian, Peliani, Pelikan, Pe(l)lissier, Pelisson, Pell oder ähnlich. Auch bei Gemeinden wie Pélissanne ist ein Zusammenhang zwischen dem Namen der Gemeinde und dem gezeigten Wappenmotiv vorhanden.
  • Außerhalb der Heraldik ist der Pelikan mit etlichen Vorstellungen verbunden, die über einen Wasservogel hinausweisen.

„Als Symbol für Jesus Christus sind Pelikane auch Teil der christlichen Ikonographie. Nach dem Physiologus, einem frühchristlichen Tierkompendium, öffnet sich der Pelikan mit dem Schnabel die eigene Brust, lässt sein Blut auf seine toten Jungen tropfen und holt sie so wieder ins Leben zurück. Dies wurde allegorisch in Bezug zum Opfertod Jesu Christi gesetzt, wodurch der Pelikan zu einem in der kirchlichen Heraldik und der gesamten christlichen Kunst häufig verwendeten Motiv wurde. Als Symbol für das christliche Abendmahl findet er sich oft auch auf sakralen Gegenständen wie dem Hostienkelch und an Altären (..)
Ikonographische Darstellungen des Vogels unterscheiden sich in der ursprünglichen Darstellungsform durch geringere Größe, einen kürzeren, spitzen Schnabel sowie die Farbe des Gefieders (gelb, manchmal grün im Gegensatz zu weiß bzw. braun) vom tatsächlichen Pelikan.“

Wikipedia (2013)[4]

Sprachgebrauch

Die Ausdrucke „brustritzend“, „pelikanartig“ oder ähnlich gehören zum Vokabular der heraldischen Kunstsprache. Sie werden teilweise auch verwendet, um andere Wappenvögel (Adler, Schwan, Hahn und so weiter) zu beschreiben, wenn sich diese in einem Wappen die Brust mit dem Schnabel blutig aufritzen oder wie der Pelikan erscheinen.

Paraheraldik

Auch außerhalb oder am Rande der Heraldik ist der Pelikan ein gebräuchliches Motiv.

Wappenbilderordnung

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Lexikon der Symbole: Pelikan. Knaurs Lexikon der Symbole- S. 820. Vgl. LdS, S. 328. 1989, 1994, 1998 Verlag Droemer Knaur.
  2. 2,0 2,1 Neubecker, Ottfried: Heraldik. Wappen - ihr Ursprung, Sinn und Wert. Battenberg Verlag 1990. ISBN 3-89441-275-5. S. 129.
  3. Vgl.:
    Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma atzen. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
    Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma ätzen. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
    Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma äsen. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  4. 4,0 4,1 Seite „Pelikane“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 31. August 2013, 23:35 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pelikane&oldid=122105464 (Abgerufen: 6. September 2013, 15:19 UTC)
  5. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  6. Vgl. Arthur Charles Fox-Davies: A Complete Guide to Heraldry. Dodge Pub. Co., New York NY 1909, S. 89–90 (Nachdruck. Bonanza Books, New York NY 1978, ISBN 0-517-26643-1).