Pinguin (Wappentier)

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In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens sind Wappenfiguren, die einem Pinguin nachempfunden sind, nicht gebräuchlich.
Pinguin
 
in der Natur
(Humboldt-PinguinW-Logo.png)
 
in der Heraldik
(Muster, vgl. WBO-Nr. 4371)

Der Pinguin (auch Fettgans genannt; lateinisch spheniscus; französisch pingouin; englisch penguin) ist in der neueren Heraldik ein seltenes Wappentier beziehungsweise eine gemeine Figur und kommt bevorzugt als Schildhalter vor.

Geschichte

Pinguine wurden erst gegen Ende des 15. und mit Beginn des 16. Jahrhunderts durch die Erkundungsfahrten der portugiesischen Seefahrer unter Vasco da GamaW-Logo.png und Ferdinand MagellanW-Logo.png in Europa bekannt. Vor dieser Zeit und auch noch lange danach waren sie keine gebräuchlichen Wappenfiguren. Erst in der neueren Heraldik fanden sie Eingang in das Wappenwesen.

Darstellung

Zwei Pinguine im Wappen der Arturo-Prat-StationW-Logo.png
Vier Pinguine vor einem Gewässer (Wappen der Provinz Tierra del FuegoW-Logo.png)

Die Darstellung der Wappenfigur Pinguin lehnt sich an das IdealbildW-Logo.png der natürlichen PinguineW-Logo.png (Spheniscidae) der Südhalbkugel an. Sie wird nur wenig heraldisch stilisiert und erscheint gewöhnlich in Naturform, wobei das natürliche Äußere kaum abgeändert wird („natürlicher Pinguin“).

Soll in einem Wappen explizit eine spezielle der insgesamt 18 Arten, die man in sechs Vogelgattungen zusammenfasst (Langschwanzpinguine, Großpinguine, Schopfpinguine, Gelbaugenpinguine, Zwergpinguine, Brillenpinguine) als Pinguinfigur erscheinen, so sollte man dies unter Zuhilfenahme des Eigennamens in der Wappenbeschreibung anzeigen (zum Beispiel Königspinguin, Haubenpinguin et cetera).

Dank des charakteristischen Körperbaus seiner natürlichen Vorbilder kann man die Pinguinfigur in Wappen gemeinhin ohne Schwierigkeiten erkennen und deuten. Sie erscheint als flugunfähiger Seevogel mit stämmigen, strommlinienförmigen Körper, schmalen und kräftigen, zu Flossen umgestalteten Flügeln, kurzen Oberschenkeln (die in der heraldischen Stilisierung teilweise weggelassen werden), kurzen und großen, mit Schwimmhäuten versehenen Füßen, stark reduziertem Schwanz sowie mit kurzem und kräftigem Schnabel.

Die Pinguinfigur kann monochrom, mit nur einer heraldischen Farbe gemeldet sein (zum Beispiel nur in Silber oder nur in Schwarz), wird aber überwiegend in Naturfarbe dargestellt (das ist in Schwarz und Silber, gegebenenfalls mit ein wenig Gold). Dabei ist der Bauch der Figur gewöhnlich silbern gefärbt, der Rücken, die Flügel und der Kopf dagegen schwarz. Besonderheiten, wie eine „goldene Vorderbrust“ (angelehnt an die Darstellung der Kaiser-/Königspinguine), eine „goldener Kopfschmuck“ (angelehnt an die Schopfpinguine) et cetera, sind stets zu melden.

Die Pinguinfigur erscheint gewöhnlich nach heraldisch rechts sehend. Im Normalfall wird sie „stehend“ dargestellt. Andere Haltungen der Figur im Schild sind in der Wappenbeschreibung zu melden. Es empfiehlt sich jedoch, die Pinguinfigur im Gegensatz zu vielen anderen Wappenvögeln ausdrücklich nicht „flugbereit“, „auffliegend“ („mit ausgebreiteten Schwingen“), „fliegend“, „als Flugbild“ et cetera darzustellen.

Pinguinkopf

Der Kopf eines Pinguiens erscheint manchmal schwebend in einem Wappen (beispielweise wird im dritten Feld des Wappens der Französischen Süd- und Antarktisgebiete ein gekrönter Pinguinkopf dargestellt). Grundsätzlich wird ein Pinguinkopf nach heraldisch rechts sehend und mit einem federartig gezackten Schnitt, wo er vom Körper abgetrennt wurde, dargestellt. Erscheint ein Pinguienkopf im Visier (der Pinguienkopf ist ganz nach vorne gekehrt) oder mit glattgeschnittenem Federkleid, so ist dies zu melden.

Pinguin als Schildhalter

Pinguine als Schildhalter (Wappen von Edmund HillaryW-Logo.png)

Als Wappenschildhalter hat die Figur Pinguin teilweise eine natürliche Farbgebung und erscheint vergleichsweise wenig heraldisch stilisiert.

Pinguin als Nebenfigur

Der Pinguin erscheint teilweise auch als Nebenfigur. Beispielsweise wird im Wappen Wilhelm (ADW-Nr. 15158 ) als Hauptfigur eine Arche NoahW-Logo.png mit zig Wappentieren als Nebenfiguren dargestellt, darunter auch eine Pinguinfigur.

Pinguin versus Riesenalk

Kein, Pinguin, sondern ein Riesenalk (1867: Wappen Alker, nach Öster­reich­ischem Staatsarchiv, HAA AR 12.2)
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Alk/Riesenalk

Eine Pinguinfigur in einem Wappen ist nur schwer oder gar nicht von einer Riesenalkfigur zu unterscheiden. Eine Pinguinfigur sollte daher zwingend in der heraldischen Darstellung mit deutlich überzeichneten, charakteristischen Pinguinkmerkmalen gestaltet sein, sonst sind Verwechslungen nicht auszuschließen.

Wappenbilderordnung

Paraheraldik

Der Pinguin findet sich als Motiv auch in Logos oder in paraheraldischen Zeichen.

Weblink

 Commons: Pinguine in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Penguin. Internet: mistholme.com, 23. Mai 2014, abgerufen am 1. Juni 2021 (englisch).

Einzelnachweise

  1. Jürgen Arndt und Werner Seeger (Bearbeiter) mit Wappenskizzen von Lothar Müller-Westphal: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo. Zit.: WBO - Wappenbilder. Hrsg.: Herold, Verein für Heraldik Genealogie und verwandte Wissenschaften (= J. Siebmachers Großes Wappenbuch. B). 2., ergänzte und berichtigte Auflage. Band I. Bauer & Raspe, Inh. Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch 1996, ISBN 3-87947-110-X, S. 142, 143 (447 S., zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner; Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).