Facettiertes Kreuz

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Facettiertes Kreuz
alternative Beschreibung
1300-1333: Kreuz ohne (!) Facettierung
1500-1550: Facettiertes (gemeines) Kreuz (nach BSB Cod.icon 392d; Phantasiewappen Sanct Jörg )

Ein facettiertes Kreuz (auch geschliffenes Kreuz genannt; engl.: cross facetted) ist nach dem Wappenkundler Gert Oswald in der Heraldik ein (gemeines) Kreuz, welches

„mit einer meist schwarzen Zeichnung und Schattierung versehen ist, die dieses plastisch erscheinen läßt.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

Darstellung

Die Facettierung eines (gemeinen) Kreuzes besteht in der Regel aus einfachen Linien innerhalb der Kreuzfläche, die das Kreuz in gewisser Weise „räumlich“ erscheinen lassen. Es gibt zahlreiche Facettierungsvarianten, darunter beispielsweise:

Ein gemeines Kreuz „mit Facettierung“ ähnelt dem optischen Eindruck nach einem (von oben betrachteten) „kreuzförmigen Dach“ (Dachaufsicht, Draufsicht). Wenn die durch die Facettierung entstehenden Felder des Kreuzes verschiedene heraldischen Farben besitzen, sind die Art und Weise der Facettierung und die Farbkombination(en) in einer Wappenbeschreibung detailliert zu melden.

Facettierung bei besonderen Kreuzformen

Facettierungen kommen im Wappenwesen nicht nur Aufrissen des gemeinen und des griechischen Kreuzes vor, sondern werden auch bei besonderen Kreuzformen angewendet (zum Beispiel bei einem Lateinischem Kreuz, einem Doppeltatzenkreuz und so weiter).

Facettierung und Abtönung/Schattierung

zwischen 1450-1580: Facettiertes Mühleisenkreuz, welches nicht in Vollfarbe, sondern in Hell-/Dunkel-Abtönungen tingiert ist (Wappen HofwartW-Logo.png, nach Scheiblers Wappenbuch)

Manchmal sind facettierte Felder oder Figuren in einem Wappenschild zusätzlich zur eigentlichen Vollfarbe in Teilen oder ganz mit Schwarz-/Grautönen beziehungsweise mit Hell-/Dunkel-Abtönungen tingiert, um einen räumlichen Eindruck zu unterstreichen oder eine „Schattierung“ anzudeuten; die Facettierungen mit Schwarz-/Grautönen bzw. mit verschiedenen Farbtonabstufungen verstoßen in gewisser Weise gegen heraldische Gestaltungsgrundsätze wie den der guten Fernwirkung und sind nach einem eher puristisch ausgerichteten Heraldikverständnis als unheraldisch anzusehen.

Geschliffen

Im 19. Jahrhundert kolportiert der Heraldiker Maximilian Gritzner, dass der Ausdruck fascettiert „veraltet“ ist; in seinem Werk zur heraldischen Terminologie wendet er statt dessen den Begriff geschliffen an:

Geschliffenes Kreuz (Tafel 5. Figur 82.): nennt man ein Kreuz, welches aus 4 gewissermassen auf eine Kante gestellten oder nach Art der Edelsteine geschliffenen Balken besteht. Der Ausdruck fascettirt ist veraltet.“

Galerie

Abgrenzung

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Facettiert

Facettierung ist nicht nur bei Kreuzen gebräuchlich. Auch andere Wappenfiguren (zum Beispiel Sterne, Rauten et cetera) werden zuweilen in der Heraldik facettiert.

Einzelnachweise

  1. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 123 (Digitalisat [abgerufen am 29. Februar 2020]).
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889/1890. S. 34. Tafel 5. Figur 82. Reprint on Demand. Universitäts- und Landesbibliothek Tirol. 2009. ISBN 3-226-00671-1.