Kronenkreuz
Der Oberbegriff Kronenkreuz bezeichnet im Wappenwesen (Heraldik) in einem weiten Sinn Wappenfiguren, die aus den Elementen Krone und Kreuz
in irgendeiner Form bestehen, sei es, dass diese als geometrische/grafische Zeichen miteinander kombiniert sind, einem Körper oder realen Gegenstand nachempfunden sind oder in einer anderen Form eine gestalterische Figureneinheit bilden. Kronenkreuzfiguren sind im Wappenwesen hauptsächlich in folgenden Varianten und Derivaten gebräuchlich:
- als kronenbesetztes Kreuz (französisch croix aux bouts couronnée; lateinisch crux extremitatibus coronata)
- als gekröntes Kreuz (französisch croix supportant une couronne)
- als Diakoniekreuz (englisch crowned cross)
- als von einem Kreuz durchsteckte Krone (englisch a cross passing through a crown)
Kronenbesetztes Kreuz

Die kronenbesetzte Kreuzfigur erscheint gewöhnlich als griechisches Kreuz, bei dem die vier Arme am Ende mit je einer Krone in der gleichen heraldischen Farbe „besetzt“ sind. Wird eine andere Kreuzform verwendet (zum Beispiel ein Lateinisches Kreuz), sollte dies in der Wappenbeschreibung angezeigt werden. Werden die Kronen in einer anderen Tingierung als das Kreuz dargestellt, ist dies zu melden.
Wortgeschichte
Wann genau der Ausdruck „Kronenkreuz“ für eine kronenbesetzte Kreuzfigur zum ersten Mal in Gebrauch kommt, ist unklar beziehungsweise nicht ausreichend erforscht. Er stellt vermutlich eine Verdeutschung des französisch-heraldischen Fachausdrucks croix aux bouts couronnés beziehungsweise des lateinischen crux extremitatibus coronata dar und ist für das 18. Jahrhundert in mehreren Quellen zur heraldischen Terminologie nachweisbar, zum Beispiel in den Werken von Beckenstein, Reinhard und Siebenkees:
„Wie werden die Creutze nach Gestalt ihrer Ende genandt: Es giebt unterschiedliche Bildungen der Ende, bouts, extremitatis, und dazu gehören (1) das Cronen-Creutz, croix aux bouts couronnés, crux extremitatibus coronata (..)“
„So leiden die Kreutze noch mehrere Änderungen; besonders an den Enden. Da ist: das Kronenkreuz (..)“
„Kronenkreuz, aux bouts couronnés, extremitatibus coronata.“
Nur ein Jahrhundert später (19. Jhr.) wird die „Erfindung“ des Ausdrucks „Kronenkreuz“ von Heraldikern wie Querfurt und Maximilian Gritzner vehement kritisiert:
„Kronenkreuz wird ganz nutzloser Weise ein Kreuz dann genannt, wenn es an seinen Enden mit Kronen besetzt ist. Mit dem nämlichen Rechte wie den aparten Kunstausdruck »Kronenkreuz« könnte man aber noch ganze Massen von Ausdrücken erfinden, weil ja die Möglichkeit, Kreuze mit allerhand Gegenständen zu besetzen, eine unbegrenzte ist. Nicht anders verhält es sich mit dem sogenannten »Lilienkreuz«. Siehe auch das unter »Rautenkreuz« Angemerkte.“
„Kronenkreuz = ein an den Enden mit Kronen besetztes Kreuz, (höchst überflüssiger Ausdruck).“
Im 20. Jahrhundert relativiert Oswald die Kritik des 19. Jahrhunderts und spricht lediglich von einem „nicht völlig exakten Ausdruck“:
„Kronenkreuz: nicht völlig exakter Ausdruck für ein gemeines Kreuz, an dessen Enden sich Kronen befinden.“
Walter Leonhard vermeidet kurz vorher (1978) die Verwendung des ungenauen Ausdrucks „Kronenkreuz“ und verwendet statt dessen für entsprechende Wappenfiguren Beschreibungen wie „mit Bügelkronen besetztes Kreuz“ oder „mit Freiherrenkronen besetztes Kreuz“.[7]
Gekröntes Kreuz
In einem weiten Sinn sind „gekrönte Kreuze“ (auch „mit Krone geziertes Kreuz“, „eine Krone tragendes Kreuz“ oder ähnlich genannt; französisch croix supportant une couronne) unter dem Oberbegriff „Kronenkreuz“ zu subsumieren. Beispielsweise zählt das gekrönte Kleeblattkreuz im Wappen von Kruunupyyn, dessen Unterarm in eine Pflugspitze ausläuft, zu den „Kronenkreuzen“.
Diakoniekreuz
Die Diakonierkreuzfigur ist dem Zeichen des (evangelischen) Diakonischen Werkes in Deutschland sowie der Diakonie Österreich
, der polnischen Diakonie und des europäischen Verbandes Eurodiaconia nachempfunden. Es wurde 1925 von Richard Boeland für die Innere Mission
entworfen und erscheint als ein Lateinisches Kreuz, auf dessen Querbalken „eine Krone liegt“ beziehungsweise bei dem Quer- und Längsbalken oberhalb mit je ein Dreiviertelkreis ausgebildet sind.[8] Bruno W. Nikles beschreibt das Erscheinungsbild, die Symbolik und die Geschichte des Zeichens folgendermaßen:
„Ursprünglich handelte es sich um die grafische Verbindung der Buchstaben
I
(für Innere) undM
(für Mission) durch ein Kreuz und war das Zeichen der Inneren Mission, der historisch älteren Vorläuferorganisation des Diakonischen Werkes. Die symbolische Bedeutung des Zeichens als »Kronenkreuz«, zugleich Symbol für das Leiden (Kreuz) wie für die Auferstehung (Krone) Christi kam erst Jahre nach der Einführung hinzu. Die Einführung 1924/25 fiel in eine Zeit der organisatorischen Formierung der freien Wohlfahrtspflege (..)“
Die Diakoniekreuzfigur findet sich in der neueren Heraldik zum Beispiel in den Wappen von Rickling (seit 1978) und Buckenhof
(seit 1969). In beiden Fällen wird in der Wappenbeschreibung der Ausdruck „Kronenkreuz“ verwendet,[10][11] uneingedenk des Umstandes, dass dieser (historisch betrachtet) in der Fachssprache des Wappenwesens für eine „kronenbesetzte Kreuzfigur“ reserviert ist (siehe vorigen Abschnitt).
Von einem Kreuz durchsteckte Krone
Eine von einem Kreuz durchsteckte Krone (auch „Kreuz und Krone“, „Kreuz inmmitten einer Krone“ oder ähnlich genannt; englisch cross and crown oder a cross passing through a crown) wird gelegentlich mit dem Ausdruck „Kronenkreuz“ bezeichnet.
Das Motiv erscheint zum Beispiel als Crest im Familienwappen Buscaglia, aus der Kardinal Ignazio Buscaglia (1731–1803) und der Großmeister des Malteserordens Antonio Buscaglia (1767–1834) stammten.[12]; als gemeine Figur ist es beispielsweise in dem Kommunalwappen von Margetshöchheim[13]
und in einigen Wappen des kirchlichen Wappenwesens enthalten (vgl. das Kardinalswappen von John Joseph Krol
und andere).
Lateinisches Kreuz, eine schwebende, Krone durchsteckend (Margetshöchheim
)[13]
Links unten: von einem Kreuz durchsteckte Krone (Kardinalswappen John Joseph Krol
)
Symbolik und Paraheraldik (Kreuz inmitten einer Krone)
Eine von einem Kreuz durchsteckte Krone bildet außerhalb der Heraldik (insbesondere in religiös-kulturellen Bilderwelten) ein universelles Dualsystem mit mannigfaltigen konkreten oder übertragenen Haupt- und Nebenbedeutungen. Bildlich besteht es
- einerseits aus einem einfach-geometrisches, universellen Motiv, das aus zwei sich kreuzenden Linien oder Balken gebildet wird, dessen Verwendung bis in die Steinzeit zurück nachweisbar und heute als christliches Glaubenszeichen in der ganzen Welt bekannt ist (das Kreuz);
- andererseits aus dem Abbild einer Realie, die als monarchisches Herrschaftzeichen diente und dient, eine Kopfzier, „die das Haupt des Trägers höher erscheinen läßt“, „diesen auf schmückende Weise über den Kreis der Mitmenschen erhebt“, ihn „als über-menschliches, mit der höheren Welt verbundenes Wesen legitimiert“ (die Krone).[14]
Symbolisch stellen Kronenkreuze beziehungsweise Kreuz und Krone „die Belohnung im Himmel (die Krone) dar, nachdem die Versuchungen in diesem Leben (das Kreuz) überwunden wurden (Jakobus 1,12 LUT)“.[15] Auf den Zusammenhang zwischen dem Leiden der Christen und der Verheißung ewiger Geborgenheit im Sinne von Jakobus 1,12 weist in Johann Sebastian Bachs
Kantate Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen
(BWV 12) die Arie Nr. 4 hin, die mit den Worten beginnt: „Kreuz und Krone sind verbunden“ und im im Mittelteil der Da-capo-Arie
die Worte formuliert: „Christen haben alle Stunden ihre Qual“.[16] Auch in der Literatur wird das Motiv „Krone und Kreuz“ angesprochen (zum Beispiel in dem Werk Effi Briest
von Theodor Fontane
oder in dem Gedicht „Der 22. Januar“ von Clara Müller-Jahnke
).[17][18]
Zusätzlich zum römisch-katholischen und orthodox-christlichen Gebrauch erscheint das Motiv in vielen paraheraldischen Zeichen (Emblemen, Logos et cetera), zum Beispiel bei:
Christian Science![]() |
Im Siegel/Logo der Kirche Christian Science erscheinen Kreuz und Krone mit der Umschrift: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, reinigt Aussätzige, treibt Dämonen aus“, in Anlehnung an ein Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium![]() |
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Kriegsveteranenministerium der Vereinigten Staaten (USVA)![]() |
Im Januar 2020 nahm das Kriegsveteranenministerium der Vereinigten Staaten![]() ![]() ![]() |
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Bibelforscherbewegung![]() |
„Im Banner der Bibelforscherbewegung![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
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Freimaurerei![]() (freimaurerischer Templerorden ![]() |
Das Motiv „Kreuz und Krone“ ist im Zusammenhang mit der Freimaurerei gebräuchlich, insbesondere mit dem Templergrad![]() ![]() ![]() |
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Oranier-Orden![]() |
Das Symbol „Kreuz und Krone“ ist ein Schlüsselemblem der Royal Black Institution![]() ![]() ![]() |
Wappenbilderordnung
- Der Ausdruck „Kronenkreuz“ wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) Stand 1990 nicht aufgenommen (der Redaktion ist 2020 nicht bekannt, ob mittlerweile eine Ergänzung erfolgte).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Johann Simon Beckenstein: Kurtze Einleitung zur Wappenkunst, und zur Art des Blasonirens: in deutlichen Exempeln gezeigt und in drey Sprachen deutsch, französisch und lateinisch erkläret. St. Petersburg. 1731. S. 77. (Google)
- ↑ Johann Paul Reinhard: Vollständige Wappen-Kunst, nebst der Blasonirung des Hochfürstl. Brandenb. Culmbachischen Wappens. 1. Auflage: Lochner, Nürnberg 1747. S. 60 (MDZ München); 2. Auflage: vollständige Wappenkunst. Seligmann, Nürnberg 1778. S. 65 f. (MDZ München; Google) Tabelle XII. Figur 200.
- ↑ Johann Christian Siebenkees: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. Nürnberg 1789. S. 73 (Google)
- ↑ Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 76.
- ↑ J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 262.
- ↑ Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 238 (Digitalisat [abgerufen am 29. Februar 2020]).
- ↑ Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 288, Fig. 17, 20 (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).
- ↑ Michael Häusler: Die Geschichte des Kronenkreuzes. 80 Jahre Corporate Identity der Diakonie. In: Diakonie Impulse. Bd. 30, Nr. 6, 2004, ISSN 1611-0137, S. 31–32.
- ↑ Bruno W. Nikles: Symbole der Wohlfahrt: Rettung, Hilfe, Heilung: Eine bebilderte Abhandlung. Opladen, Berlin, Toronto. 2014. ISBN 384740458X. S. 75 f.
- ↑ 10,0 10,1 Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
- Wappenbeschreibung: „In Rot ein schräglinker silberner Wellenbalken, begleitet oben von dem silbernen Zeichen (Kronenkreuz) des Diakonischen Werkes, unten von einem silbernen Pflug.“
- ↑ 11,0 11,1 Eintrag zum Wappen von Buckenhof in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
- Wappenbeschreibung: „Unter blauem Schildhaupt gespalten von Rot und Grün, im Ganzen auf den Teilungen belegt mit einem goldenen Kronenkreuz; vorne ein einspringender, schwarz gefüllter silberner Seitensparren, hinten ein silberner Nadelbaum.“
- ↑ Buscaglia Family Crest (Memento des vom 26. April 2006 im Internet Archive)
Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , abgerufen am 24. Juni 2020 (englisch)
- ↑ 13,0 13,1 Eintrag zum Wappen von Margetshöchheim in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
, abgerufen am 23. Juni 2020.
Amtliche, eher unheraldische Wappenbeschreibung: „In Rot ein links gewendeter, golden bewehrter silberner Drache, hinter dem ein silbernes Kreuz aufwächst, um dessen Stamm sich eine goldene Krone schlingt.“
Genauere, eher heraldische Wappenbeschreibung: „In Rot ein linksgewendeter, rückschauender, zweibeiniger, golden bewehrter, silberner Drache, hinter ihm ein wachsendes silbernes Lateinisches Kreuz mit Prankenenden und vier Winkelstrahlen, eine schwebende, dreikleeblättrige, goldene Krone durchsteckend.“ - ↑ Lexikon der Symbole: Krone. Knaurs Lexikon der Symbole. 1989/1994/1998. S. 632. (vgl. LdS, S. 254).
- ↑ 15,0 15,1 Seite „Kreuz und Krone“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Juni 2020, 11:09 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kreuz_und_Krone&oldid=201262804 (Abgerufen: 24. Juni 2020, 15:55 UTC)
- ↑ Günther Zedler: Die erhaltenen Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs. Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4401-0, S. 67
- ↑ Theodor Fontane
, Effi Briest
:
- „(..) Gerade der Landungsbrücke gegenüber lag Hoppensacks Hotel, ein drei Stock hohes Gebäude, von dessen Giebeldach eine gelbe Flagge, mit Kreuz und Krone darin, schlaff in der stillen, etwas nebeligen Luft herniederhing (..)“
- ↑ Clara Müller-Jahnke
, Der 22. Januar:
- „(..) Nun war's geschehn. Das war der Krieg. / Das erste Opfer lag im Schnee – / und über Kreuz und Krone stieg / die rote Fahne in die Höh' (..)“
- ↑ George D. Chryssides: The A to Z of Jehovah's Witnesses. The Scarecrow Press, Lanham 2009, S. 38–39.
- ↑ Burke Gray: Fraternalism in America (1860–1920). In: www.phoenixmasonry.org. Phoenixmasonry, Inc., abgerufen am 25. Juni 2020 (englisch).
- ↑ Jeff Day: Masonic Emblem and Logo Collection. In: KingSolomonsLodge.org. Abgerufen am 25. Juni 2020 (englisch).