Kugelkreuz (Heraldik)

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Dieser Artikel beschreibt das gemeine bzw. heraldische Kugelkreuz. Andere Kugelkreuze sind unter ihrem jeweiligen Eigennamen aufgeführt (zum Beispiel: Reichsapfel, Kugelbesetztes Kreuz et cetera).
Kugelkreuze
 
In Rot ein goldener Reichsapfel
 
Apfelkreuz / Kugelbesetztes Kreuz
(gemäß WBO, Code 0370)
 
(gemeines) Kugelkreuz
(gemäß WBO, Code 0371)
Kugelkreuz im Wappen Diezenkauzen
(Epitaph 3c von einer Grabplatte mit 16 Ahnen der Maria v. Selbach in der Kirche zu Loppersum, Provinz Groningen, Niederlande; Foto: © Klaas Padberg Evenboer)
Wappen des Ritters v. Diezenkausen

Der mehrdeutige Ausdruck Kugelkreuz bezeichnet im Wappenwesen (Heraldik)

  • in einem weiten Sinn Wappenfiguren, die aus den Elementen Kugel/Kreis Cercle noir 100%.svg und Kreuz Greek cross.svg in irgendeiner Form bestehen, sei es, dass diese als geometrische/grafische Zeichen miteinander kombiniert werden, einem Körper oder realen Gegenstand nachempfunden sind oder in einer anderen Form eine gestalterische Figureneinheit bilden. Kugelkreuzfiguren sind im Wappenwesen in großer Vielfalt, in vielen Varianten und Derivaten gebräuchlich, zum Beispiel als Reichsapfel, als Kugelbesetztes Kreuz oder als gemeines/heraldisches Kugelkreuz et cetera.
  • insbesondere im Kontext von Wappenbilderordnungen ein Ordnungs-/Oberbegriff für alle kugelkreuzförmigen oder kugelkreuzähnlichen Wappenfiguren.
  • in einem engeren Sinn hauptsächlich ein spezielles Kreuz, dessen vier Arme aus sich berührenden Kugeln bestehen (auch Ballenkreuz, Münzkreuz, Paternosterkreuz, Rundscheibenkreuz oder anders genannt; frz.: croix composée de boules; engl.: cross of roundels):

„Kugelkreuz ist -- wie schon der Name annäherungsweise sagt -- ein aus zusammenstossenden Kugeln gebildetes Kreuz und gehört zu den Seltenheiten (..)“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872)[1]

Darstellung

(Gemeines/heraldisches) Kugelkreuz

Die Fläche der Kugeln des (gemeinen/heraldischen) Kugelkreuzes sollten in etwa der Fläche eines gemeinen Kreuzes entsprechen (bzw. eines Lateinischen Kreuzes, welches bis zu den Schildrändern reicht). In überlieferten Darstellungen des Kugelkreuzes sind die Kugeln gewöhnlich vollständige Kreiskörper und zum Schildrand nicht durchbrochen, sondern anstoßend. Um das zu gewährleisten, berühren sich die Kugeln gewöhnlich nicht nicht direkt, sondern von Kugel zu Kugel werden kleine Zwischenräume genutzt, um die Gesamtfigur möglichst symmetrisch im Schild erscheinen zu lassen. Nach der neueren Heraldik bzw. der WBO sind einerseits eher halbe bzw. angeschnittene Kugeln zum Schildrand gebräuchlich, andererseits stoßen die Kugeln mit ihren Rändern direkt aneinander.

Nach Querfurth empfiehlt es sich, statt des mehrdeutigen Ausdrucks „Kugelkreuz“ dasselbe nur durch Angabe der Zahl und der Stellungen der zusammenstossenden Kugeln zu blasonieren, beispielsweise „neun goldene (zusammenstossende) Kugeln im gemeinen Kreuz oder „neun goldene Kugeln 1:1:5:1:1 zusammengestellt mit dem Rand sich berührend“.[1] Die Blasonierung, welche die Zahl und die Stellung der Kugeln angiebt, ist treffender als die mögliche Verwechslung mit anderen Kugelkreuzen (wie beispielsweise dem Reichsapfel).

Sind die Kugeln im Umfang signifikant groß, klein oder sehr klein, sollte dies angezeigt werden. Die heraldischen Literatur verwendet zahlreichen Ausdrücke, um die Kugelgröße für ein aus zusammenstossenden „Kugeln“ gebildetes Kreuz anzugeben (Kugelkreuz, Perlenkreuz, Münzenkreuz et cetera); je nach Quelle und Zeitgeist werden diese Ausdrücke jedoch bezüglich der Anzahl/Größe der Kugeln uneinheitlich definiert, teilweise sogar widersprüchlich bestimmt. Grob sollte differenziert werden, beispielsweise zwischen:

Name Beschreibung: Kreuz, das sich aus ... Beispiel
„Kugelkreuz“
(gemeines, heraldisches)
ca. fünf bis neun großen Kugeln zusammensetzt
(nach Siebmacher)
„Münzenkreuz“ ca. zehn bis 15 kleinen Kugeln („Münzen“) zusammensetzt
Illustrationsbeispiel
„Perlenkreuz“[2] ca. 15 bis 20 oder mehr (sehr) kleinen Kugeln („Perlen“) zusammensetzt
Illustrationsbeispiel

„Stoßen die Kugeln nicht aneinander, so spricht man von kreuzweise gelegten Kugeln.

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

Verwendung

Das seltene Kreuz befindet sich zum Beispiel im Wappen der Familien de Meester (Brüssel); außerdem nach Zobel bei einigen Familien im Raum Rheinland-Pfalz: Adendorf, genannt Blanes (1366), Dintzeckhausen/Diezenkausen/DeycenhusenW-Logo.png (1304), Dintzeckhausen, genannt Ellingen (1533), Holtzheim, Kaltenbach (1543), Rondorf/Rundorp (1383, 1394).

Goltzkugler.jpg
Um 1463 bis 1500: Kugelkreuz, teils mit neun goldenen (zusammenstossenden) Kugeln im gemeinen Kreuz, teils mit elf.
Schreibweise des Geschlechts unklar.
Wahrscheinlich: Holtzing, Houlthuisen, Holtzhheym/Holtzseym graff va[n]/vo[n] colne, Holtzsem/Holtßsem, Haylthuysen/r, Holtzheim ...
Teilweise wird statt „H“ ein „G“ gelesen: Goulthuysen, Golzem, Goulthussen, Goltzkugler (=Goldkugel, redendes Wappen), Goltzkupfer, Goltzhupfer ...?)

Abgrenzung

Grundsätzlich sollte man das Kugelkreuz nicht mit Kreuzen verwechseln, die ebenfalls mit Hilfe von Kugeln oder kugelartigen Stilmitteln gestaltet sind und in in gewissem Sinne ähnlich aussehen (Kugelbesetztes Kreuz, Kolbenkreuz und andere).

Wappenbilderordnung

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 78 und S. 112
  2. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. S. 289. Abbildung 10. ISBN 3-8289-0768-7
  3. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 241. und S. 302