Katharinenkreuz

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Katharinenkreuz

Das Katharinenkreuz (französisch croix de Sainte Catherine oder croix de St. Catérine; englisch catherine's cross oder cross of St Catherine; lateinisch crux catharinae) ist in der Heraldik eine seltene Wappenfigur, die in der Regel den Sonderformen der Kreuze zugeordnet ist.

Darstellung

In der Heraldik erscheint die Figur Katharinenkreuz vorgeblich als Kombination

Gewöhnlich liegen die waagerechten Querarme des Kruckenkreuzes über dem Richtrad, die senkrechten darunter; das Kruckenkreuz ist im Kreuzzentrum mit einer runden Radnabe belegt, die wiederum mit einem fünften kleinen griechischen Kreuz belegt ist. Der Heraldiker Christian Samuel Theodor Bernd beschreibt die Gestaltung des komplexe Kreuzmotivs im 19. Jahrhundert folgendermaßen:

„Katharinenk(reuz), ein gol(denes) Krückenk(reuz) mit einem vierspeichigen roten Rade belegt und verschränkt, so daß es oben und unten über das Kreuz, und an den Seiten unter demselben hinweggehet und mitten, dann über den linkslaufenden Speichen vorn, über den rechtslaufenden aber hinten, oben u(nd) unten mit einem gol(denen) Kreuzchen belegt ist (..)“

1782: Katharinenkreuz nach Phiseldek (nachträglich koloriert)

In den Werken anderer Autoren erscheint das Katharinenkreuz teilweise davon abweichend. Beispielsweise zeigt PhiseldekW-Logo.png 1782 unter dem Stichwort Katharinenkreuz eine merkwürdige Figur, die im Detail nicht ganz zu Bernds Beschreibung passt.[5] Siebenkees fragt sich nur wenige Jahre nach Phiseldek, ob ein Katharinenkreuz überhaupt in einem Wappen vorkommt:

„St. Catharinenkreuz, de S. Catharine, divae Catharinae, ist eine Art von Krückenkreuz, die vielleicht in keinem Wappen vorkommt.“

Johann Christian Siebenkees (1789)[6]

Besondere Versionen das Katharinenkreuzes sind stets zu melden. Beispielsweise bestimmen Gert Oswald und das Pierer Universal-Lexikon das Katharinenkreuz nicht als Kombination aus Jerusalemkreuz und Richtrad, sondern lediglich als Zusammensetzung eines Kruckenkreuzes mit einem Richtrad[7][8], was explizit gemeldet werden sollte, da in diesem Fall die vier kleinen griechischen Kreuze des Jerusalemkreuzes in der Gesamtfigur nicht erscheinen.

Die Gesamtfigur wird gewöhnlich einfarbig tingiert, kann aber auch mehrfarbig erscheinen. Im letzeren Fall sind die Teile, die eine unterschiedliche heraldische Farbe besitzen, anzugeben.

Abgrenzung

Moderne oder östliche Varianten des Katharinenkreuzes sind in allen Einzelheiten zu melden, falls sie in einem Wappen erscheinen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Heraldisch-Genealogische Gesellschaft „Adler“: Neues Jahrbuch. Band 1. 1874. Seite 66. Figur Nr. 255.
  2. Biedenfeld, Ferdinand Leopold Carl: Die Heraldik, oder Populäres Lehrbuch der Wappenkunde (..) Als Anhang zu desselben Verfassers Ritterordenswerk: Mit lithographirten Figuren und illuminirten Bildertafel. 1846. S. 27, Figur-Nr. 256.
  3. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 77.
  4. Bernd, Christian Samuel Theodor: Die Hauptstücke der Wappenwissenschaft: Die allgemeine Wappenwissenschaft in Lehre und Anwendung: nach ihren Grundsätzen in Europas Ländern aus den Quellen dargestellt, und mit Tausenden von Beispielen wirklicher Wappen aus jenen Ländern (..). Band 2. Bonn, 1849. (Google). S. 262
  5. Christoph von Schmidt-PhiseldeckW-Logo.png: Handbuch der vornehmsten historischen Wissenschaften. (M. Benjamin Hederichs Rectores der Schule zu Großenhain Anleitung zu den vornehmsten historischen Wissenschaften. Erster Teil ..) Berlin und Stettin, 1782. S. 340. Figur 174.
  6. Siebenkees, Johann Christian: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. 1789. S. 76. (Google)
  7. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Leipzig 1984, S. 222.
  8. Heinrich August Pierer: Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit oder neuestes enzyklopädisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe. Band 16, H. A. Pierer, Altenburg 1843, S. 65.