Keltenkreuz (Heraldik)

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Dieser Artikel behandelt die Wappenfigur Keltenkreuz;
zur Wappenfigur Questenkreuz („gleichschenkliges Keltenkreuz“) siehe Questenkreuz
zum Keltenkreuz allgemein siehe Keltenkreuz.
Keltisches Kreuz (weitgehend übereinstimmend mit WBO, Nr. 0392)

Das Keltenkreuz (auch Keltisches Kreuz, Hochkreuz, Irisches Kreuz und anders genannt; frz.: croix celtique; engl.: celtic cross) ist in der neueren Heraldik eine seltene Wappenfigur, die -- heraldisch bis geometrisch stilisiert -- einem wirklichen Keltenkreuz nachempfunden ist. In der Früh- und Blütezeit der Heraldik war das Motiv nicht gebräuchlich.

Das Keltenkreuz wird in der heraldischen Literatur unter anderem den Sonderformen Kreuz oder den Heroldsbildern zugeordnet (wenn das Kreuz bis zu den Schildrändern reicht) respektive den gemeinen Figuren (wenn das Keltenkreuz nicht bis zu den Schildrändern reicht, es also schwebend im Wappen erscheint).

Darstellung

Das Wappenmotiv Keltenkreuz erscheint in der Heraldik allgemein in der Form eines Balkenkreuzes mit verlängertem Stützbalken (lateinisches Kreuz), bei dem um den Schnittpunkt der Balken ein Ring liegt („Ringkreuz“, teilweise auch mit dem Ausdruck Radkreuz umschrieben). Die Kreuzenden ragen über den Kreis und die Kreissektoren sind freie Durchbrüche.

Je nach Ausmaß der heraldischen Stilisierung sind im Wappenwesen zwei grundsätzliche Ausprägungen des Keltenkreuzes zu finden:

  • (gemeines) Keltenkreuz
  • geometrisches Keltenkreuz

(Gemeines) Keltenkreuz

Das heraldische (gemeine) Keltenkreuz ist dem gleichnamigen, meist steinernen Objekt aus der frühmittelalterlichen und mittelalterlichen sakralen Kunst nachempfunden. Bei weitgehender Reduzierung und Abstrahierung auf die wesentlichen Aspekte und Merkmale der Originale und der Abkehr von einer naturalistischen Darstellungsweise erscheint das gemeine Keltenkreuz in seiner heraldischen Stilisierung noch hinreichend gegenständlich. Die keltenkreuzartige Form bleibt in dieser Ausprägung der Wappenfigur erhalten, auch wenn keine (oder kaum) Perspektive vorhanden ist und die wirklichen Farbmerkmale durch eine heraldische Tingierung ersetzt sind.

Wenn der Ring des gemeinen Keltenkreuzes kein fester Bestandteil desselben ist, sondern durch Begrenzungslinien vor oder hinter dem Kreuz zu liegen scheint respektive durch eine andersfarbige Tingierung hervorgehoben ist, sollte dies gegebenenfalls gemeldet werden. Erscheint ein Keltenkreuz mit besonderen Ornamenten oder Verzierungen im Wappen, sollten diese ebenfalls in allen Einzelheiten gemeldet werden.

Geometrisches Keltenkreuz

Teilweise wird das Keltenkreuz in der heraldischen Darstellung auf eine rein geometrisch-abstrakte Form reduziert („geometrisches Keltenkreuz“), bei der wesentliche Merkmale eines wirklichen, meist steinernen Keltenkreuzes völlig aufgegeben sind.

Variante

Ein gleichschenkliges Keltenkreuz, bei dem die vier Arme des Kreuzes annähernd gleich lang aus dem Ring herausragen bzw. ein Keltenkreuz, das wie ein griechisches Kreuz mit Ring erscheint, ist in der Heraldik ein sogenanntes Questenkreuz.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Questenkreuz

Abgrenzung

Durch die heraldische Stilisierung gibt es eine „Grauzone“ zwischen Wappenmotiven, die man den Keltenkreuzen zurechnen könnte und jenen, die man als Darstellung eines SteinkreuzesW-Logo.png (Kreuzstein, Sühnekreuz, Gedenkstein) oder eines frühchristlichen, zumeist piktische SymbolsteinesW-Logo.png (Kreuzplatte [engl.: cross slab], Pfeilerkreuz [engl. pillar cross] oder ähnliches) bezeichnet. Lediglich eine heraldische Einzelfallforschung kann in diesen Fällen eine endgültige Zuordnung schaffen.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Keltische Kreuze in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Literatur

  1. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 317
  2. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 153.