Honorat Bovet

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15. Jhr.: Beispielseite aus dem Manuskript „L'arbre des batailles“ von Honorat Bovet

Honorat Bovet (auch Honoré Bonet, Honnore Bonner bzw. Honnore Bonnor, Honoré Bonnet, Honnouré Bonet, Honoratus Bonetus, Pseudo-Honoratus Boveti, Honoré Bouvet, Honoré de Bouvet, Honoré Bovet, Honnore Bonhor und anderes mehr; * zwischen 1345 und 1350 in der Provence; † 1409 oder 1410) war ein provenzalischer Autor, Benediktiner, Prior von Selonnet bei Embrun, Unterstützer von Papst Clemens VII. und Rechtsberater des französischen Königs Karl VI.

Nach Siebenkees war er der erste, der nach der Erfindung des Buchdrucks ein Buch über die „Wappenkunst“ veröffentlichte.[1]

Name und Kirchenamt

Honorat Bovet ist seit langem als Honoré Bonet bekannt. Neuere Forschungen gaben ihm zuerst den französischen Namen Honoré Bouvet (wegen seinem Wappen mit einer Ochsenfigur und wegen des Spitznamens Carobovis, den er sich selbst gab)[2]. Angesichts seiner provenzalischen Herkunft erscheint der Name Honorat Bovet jedoch angemessener.[3]

Lange als Prior von SalonW-Logo.png angegeben, wird er jetzt korrekt als Prior von SelonnetW-Logo.png identifiziert.

Leben

Der aus der Region SisteronW-Logo.png stammende Honorat Bovet studierte zunächst in MontpellierW-Logo.png, dann in AvignonW-Logo.png, wo er den Rang eines Lizenznehmers und dann Doktor im Dekret (1386) erlangte. Er trat in das Benediktinerkloster IÎe-Barbe in Lyon ein. Dort wurde er 1399 zum Abt gewählt.[4] 1371 wurde er Prior von Selonnet (Alpes de Haute-Provence) in der Diözese Embrun.

Er begleitete Papst Urban V.W-Logo.png in Italien (wahrscheinlich 1368) und wurde vom Beginn des Großen SchismasW-Logo.png (1378) an ein glühender Verteidiger der Avignoner Partei von Clemens VII.W-Logo.png bis zu dessen Tod 1394. Ab 1390 stellte er sich in den Dienst des französischen Königs Karl VI.W-Logo.png. Der Letztgenannte gewährte ihm 1392 eine jährliche Pension und betraute ihn mit verschiedenen Missionen. 1390 war Bovet einer der beauftragten Kommissare, die nach GuyenneW-Logo.png und LanguedocW-Logo.png gingen, um nach Beschwerden gegen den Herzog von BerryW-Logo.png zu ermitteln.[5] 1400 leitete Bovet im Auftrag des Königs von Frankreich eine Gesandtschaft zum römisch-deutschen König WenzelW-Logo.png, vor dem er eine Rede für die Auflösung des Schismas hält. Es ist auch bekannt, dass Bovet zwischen 1387 und 1392 mehrere Monate im Königreich AragonW-Logo.png verbrachte.

Ab 1402 zog Bovet sich in den Provence zurück, entweder zu seinem Priorat von Selonnet, oder an den Hof von König Ludwig II. von AnjouW-Logo.png in Aix-en-ProvenceW-Logo.png, wo er etwa 1404 zum Maître-rational und zum Leutnant des Juge-mageWp France moderne.png ernannt wurde.[6] Er tritt 1409 zum letzten Mal in kirchlichen Angelegenheiten als einer der Prokuratoren des provenzalischen Klerus beim Konzil von PisaW-Logo.png auf und unterstützt das Absetzungsurteil der beiden Päpste Benedikt XIII.W-Logo.png und Gregor XII.W-Logo.png Vermutlich starb er kurz darauf.

Werk

Bovet war stark von Bartolus de Saxoferrato (ca. 1313-1357) beeinflusst und schrieb über Philosophie, Recht, Politik und Heraldik. Zu den Hauptwerken von Honorat Bovet gehören folgende Schriften:

L'Arbre des batailles

L' Arbre des batailles (‚Der Baum der Schlachten‘), geschrieben in Französisch und in Prosa, ist eine umfangreiche Synthese verschiedener Quellen (historischer, philosophischer, juristischer und literarischer) zum Kriegsrecht. Ursprünglich wurden zwei Fassungen werden geschrieben: Die erste wurde 1386-87 fertiggestellt, die zweite (längere, mit historischen Entwicklungen, inspiriert von den Werken von Martin von TroppauW-Logo.png und Tolomeo da LuccaW-Logo.png, Karl VI.W-Logo.png gewidmet) 1389. Im dritten und vierten Teil des Werks beschäftigt Bovet sich mit Schlachten und mit Schlachten und dem Kriegsrecht, wobei er sich stark auf die lateinische Abhandlung von Johannes von LegnanoW-Logo.png stützt. Er macht den Krieg zu einer natürlichen Tatsache in der Welt, zu einem nützlichen Phänomen für die Gesellschaft und zu einem Pfeiler der Gerechtigkeit, wenn die Immunität der Nichtkombattanten respektiert wird (in Anlehnung an den heiligen Thomas von AquinW-Logo.png). Dem ritterlichen Heldentum, dem Duellieren und der Rache, die durch die Gewohnheit festgelegt sind, stellt er die aus der kirchlichen Tradition übernommenen Tugenden Disziplin, Loyalität (gegenüber dem König) und Dienst am Gemeinwohl entgegen.

Das Werk war im 15. und 16. Jahrhundert weit verbreitet, wie die große Zahl erhaltener Manuskripte - nach Biu mindestens 90 in französischer Sprache [7] - sowie die zahlreichen Übersetzungen des Werks im 15. Jahrhundert belegen, vor allem 1456 in englischer Sprache auf Rosslyn Castle durch Gilbert de la Haye, Kanzler von Schottland, Earl von Orkney und Caithness.

„Nach derzeitigem Stand überliefern 87 Handschriften den Text. 22 Handschriften sind über alte Inventare nachweisbar, haben die Zeitläufte jedoch nicht überdauert. Zu diesen 109 Codices kommen weitere 13 hinzu, die Übersetzungen ins Katalanische, Okzitanische, Spanische und Schottische enthalten.“

Ralf Lützelschwab (2018)[8]

Christine de PizanW-Logo.png († ca. 1430) hat es mehrfach kopiert und als eine ihrer Hauptquellen angeführt, ebenso Thomas de Saluce († 1416) .[9] Der Herold Sicile, Jean Courtois, der für Alfons V. von Aragon arbeitete, bezog sich in seinem Werk Blason des Couleurs ausführlich auf Bovet.

Editionen

Comites latentes 168 der Universitätsbibliothek Genf ist die älteste datierte Handschrift des Werks, entstanden 1397 in Paris. Sie befand sich einst im Besitz des Herzogs von Berry, wechselte häufiger den Eigentümer, um 1975 auf einer Auktion von einem Privatmann ersteigert zu werden.[8] L' Arbre des batailles wurde früh gedruckt (die erste Druckausgabe in französischer Sprache wurde 1481 in Lyon veröffentlicht). Der Text des Orirginals wurde 1883 von Ernest NysW-Logo.png fehlerhaft editiert und herausgegeben. 1949 folgte eine Übersetzung von G. W. Coopland in die englische Sprache. In neuerer Zeit wurde das Werk 2004 von Hélène Biu (französischer und okzitanischer Text) und 2017 von Reinhilt Richter-Bergmeier kritisch bearbeitet.

  • Honorat Bovet: L'arbre des batailles d'Honoré Bonet publié par Ernest Nys. Hrsg.: Ernest Nys. Brüssel und Leipzig 1883 (französisch, archive.org [abgerufen am 25. August 2021]).
  • Honorat Bovet: The tree of battles of Honore Bonet / an English version with intro. by G. W. Coopland, with a hitherto unpublished historical interpolation. Liverpool 1949 (englisch).
  • Honorat Bovet: L'Arbre des batailles d'Honorat Bovet, étude de l'œuvre et édition critique des textes français et occitan. Hrsg.: Hélène Biu. 4 Vol., thèse de doctorat, Université Paris IV, 2004.
  • Honorat Bovet: L’arbre des batailles. Edition d’après le manuscrit Bibliothèque de Genève (BGE), Comites latentes 168 par Reinhilt Richter-Bergmeier. Hrsg.: Reinhilt Richter-Bergmeier. Genève, Droz 2017.

Traumschriften

Das Prosawerk Somnium super materia scismatis wurde 1392 in Paris in Latein verfasst. Darin erscheint dem Autor die vom Unglück übermannte Kirche im Traum und beauftragt ihn, die wichtigsten Könige und Fürsten der Christenheit davon zu überzeugen, sich für die Lösung des Schismas einzusetzen.

Das Werk Apparicion maistre Jehan de Meun ist ebenfalls eine Traumerzählung. Der Autor schläft im Haus Tournelle in Paris, das Jean de Meun, dem Verfasser des Rosenromans, gehörte, und sieht, wie der verstorbene Dichter ihm nacheinander einen Arzt, einen Juden, einen Sarazenen und einen Dominikaner vorstellt, die ihrerseits das Unglück Frankreichs heraufbeschwören und für eine umfassende Reform des Königreichs plädieren.

Beide Werke wurden 1926 von Ivor Arnold veröffentlicht.

  • Ivor Arnold: L'Apparicion maistre Jehan de Meun et le Somnium super materia scismatis d'Honoré Bonet, Paris, 1926 (Publications de la Faculté des Lettres de l'Université de Strasbourg, 28).

Literatur

  • Hélène Biu: Les traductions en occitan et en catalan de L’Arbre des batailles d’Honorat Bovet. In: Hervé Lieutard und Marie-Jeanne Verny (Hrsg.): Estudis occitans Lieu d’édition. Presses universitaires de la Méditerranée Collection, Montpellier 2003, ISBN 978-2-36781-071-3, S. 211–228 (französisch, openedition.org [abgerufen am 25. August 2021] Veröffentlichung auf OpenEdition Books: 01. Juni 2015; EAN (Édition imprimée): 9782842695880).
  • Hélène Biu: Honorat Bovet. Histoire littéraire de la France, 43/1. 2005. S. 83-128.
  • Hélène Millet und Michael Hanly: Les batailles d'Honorat Bovet. Essai de biographie. In: Romania, 114. 1996, S. 135–181 (französisch, persee.fr [abgerufen am 25. August 2021]).
  • Gilbert Ouy: Honoré Bouvet (appelé à tort Bonet), prieur de Selonnet. In: Romania, 85. 1959, S. 255–259 (französisch, persee.fr [abgerufen am 25. August 2021]).

Einzelnachweise

  1. Johann Christian Siebenkees: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. Nürnberg, 1789. S. 39. (Google)
  2. Gilbert Ouy: Honoré Bouvet (appelé à tort Bonet), prieur de Selonnet (= Romania. Nr. 80). 1959, S. 255–259 (französisch).
  3. Hélène Millet et Michael Hanly: Les batailles d'Honorat Bovet. Essai de biographie (= Romania. Nr. 114). 1996, S. 135–181 (französisch).
  4. Nicholas A. R. Wright: Honoré Bouvet and the abbey of Ile-Barbe (= Recherches de théologie ancienne et médiévale. Nr. 39). 1972, S. 113–126 (englisch).
  5. Charles DezobryW-Logo.png und Théodore BacheletW-Logo.png: Dictionnaire de biographie, t.1, Ch. Delagrave, 1876, S. 329
  6. Fernand Cortez: Les grands officiers royaux de Provence au Moyen Âge. Aix-en-Provence, S. 272 (französisch).
  7. Hélène Biu: Honorat Bovet (= Histoire littéraire de la France. Nr. 43/1). 2005, S. 83–128 (französisch).
  8. 8,0 8,1 Ralf Lützelschwab: Reinhilt Richter-Bergmeier: Honoré Bovet: L'arbre des batailles. In: Ausgabe 18 (2018), Nr. 10. www.sehepunkte.de, 2018, abgerufen am 25. August 2021 (Rezension).
  9. Hélène Biu: Les traductions en occitan et en catalan de L’Arbre des batailles d’Honorat Bovet. In: Nouvelle recherche en domaine occitan [en ligne], Montpellier. Presses universitaires de la Méditerranée; Hervé Lieutard et Marie-Jeanne Verny, 2003, S. 211-228, abgerufen am 24. August 2021 (französisch, ISBN 9782367810713).
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