Jiří Louda

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Wappen von Jiří Louda
(Aufriss Gerd Hruška)

Jiří Louda (* 3. Oktober 1920 in Kutná HoraW-Logo.png; † 1. September 2015 in OlomoucW-Logo.png ) war ein tschechischer Berufssoldat, Autor und Heraldiker.

Leben

Jiří Louda wurde als Sohn eines Zeichenprofessors in Kutná Hora geboren, wo er 1938 sein Abitur ablegte. Sein Studium an der Technischen Universität in PragW-Logo.png wurde 1938 durch einen BefehlW-Logo.png zur allgemeinen Mobilmachung in der TschechoslowakeiW-Logo.png unterbrochen. Im Jahre 1939 (nach oder während dem Einmarsch in die TschechoslowakeiW-Logo.png und der Zerschlagung der Rest-TschecheiW-Logo.png) wurde er aus der tschechischen Armee entlassen und ging ins Ausland, durch Polen und Frankreich, wo er sich der Fremdenlegion anschloss und nach Algerien geschickt wurde. Nach dem deutschen Angriff auf Frankreich wurde er zur tschechischen Einheit versetzt, die an der Seite Frankreichs kämpfte. Als Frankreich fiel, machte er sich auf den Weg nach Großbritannien, wo er ab 1941 in Luftlandeeinheiten (Fallschirmjäger) diente. Während des Fallschirmtrainings brach er sich den Meniskus und wurde zu einem Geheimdienst-Radiosender geschickt. Gleichzeitig erwarb er sich Kenntnisse in der Heraldik und wurde stark von den Praktiken der britischen Heraldik beeinflusst.

Nach dem Kriege kehrte er 1946 in die Tschechoslowakei zurück, wo er für seine Verdienste im Militärdienst das tschechoslowakische Tapferkeitskreuz erhielt. Insbesondere mit Hilfe von Prinz Karel VI. von SchwarzenbergBehan ZW.jpg setzte er zu dieser Zeit sein Studium der Heraldik fort. Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahre 1948 wurde er als Hauptmann aus der Armee entlassen und, obwohl er nicht degradiert war, ohne Gerichtsverfahren in der Strafanstalt MírovW-Logo.png inhaftiert. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahre 1950 arbeitete er einige Zeit in der Forstwirtschaft. 1953 fand er eine neue Stelle in der Wissenschaftlichen Bibliothek in OlmützW-Logo.png, wo er bis 1976 blieb. Seitdem widmete er sich voll und ganz der Heraldik. 1968 wurde er rehabilitiert und in den Rang eines Majors befördert.[1] 1991 erhielt er Physiotherapie und wurde im Ruhestand zum Oberst befördert.

Familienwappen

Jiří Louda entwarf sein eigenes Wappen:

Blasonierung:
„In Rot ein silberner Balken, darüber ein sechszackiger silberner Stern zwischen zwei hersehenden, schreitenden goldenen Löwen, darunter ein geflügelter silberner Fallschirm. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken zwei rote Flügel, dazwischen angestemmt ein steigendes silbernes Schwert mit goldenem Griff.

Heraldisches Wirken

Flagge des tschechischen Präsidenten (Seitenverhältnis: 1:1)

Zu den wichtigen heraldischen Werken von Jiří Louda zählen der Entwurf des tschechischen Wappens, Wappenaufrisse für die Tschechische und Slowakische Föderative RepublikW-Logo.png und die Gestaltung der Flagge des Präsidenten der Tschechischen Republik (Vlajka prezidenta České republikyBehan ZW.jpg). 1966 entwarf er in HavířovW-Logo.png ein erstes Wappen und entwickelte 1968 eine erstes Konzept eines Wappens für Böhmen, Mähren und Schlesien, auf dem das aktuelle basiert. Er kritisierte das sozialistische Wappen der Tschechoslowakei, weil es unheraldische Elemente enthielt und wurde deshalb 1989 von Präsident Václav HavelW-Logo.png auf die Prager Burg eingeladen, um ein neues Wappen zu entwerfen. Sein Entwurf stieß auf reges Interesse und er wurde eingeladen, das Wappen für eine unabhängige Tschechische Republik zu erstellen.

Daneben entwarf er etwa 200 Wappen und Symbole für tschechischer Gemeinden, Städte und Dörfer, 2003 zum Beispiel das Wappen und die Flagge von BohdalecW-Logo.png in der Region VysočinaW-Logo.png.[2]

Mitgliedschaft

Jiří Louda war der erste Tscheche, der Mitglied in der Académie Internationale d´Héraldique in Genf wurde. Außerdem war er Mitglied der Heraldry Society in London, der Society of Heraldic Arts, der Société française d'héraldique et de sigillographie und der heraldischen Kommission des tschechischen Parlaments.

Ehrungen

Am 28. Juni 2004 wurde ihm von der Palacký-Universität in Olomouc für seine lebenslange heraldische Arbeit die Ehrendoktorwürde verliehen. Am 10. Oktober 2006 ernannten ihn die Vertreter von Kutná Hora zum Ehrenbürger. Er war auch Mitglied des parlamentarischen Unterausschusses für Heraldik.[3]

  • Tschechoslowakisches Kriegskreuz 1939W-Logo.png (1946)
  • Tschechoslowakische Militärmedaille für Verdienste (tschech. Československá vojenská medaile za zásluhy)
  • The Julian Bickersteth Memorial Medal (1983) [3][4]
  • Medaile za věrnost (‚Medaille für Loyalität‘, 1995)
  • Medaille zum 50. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkriegs (tschech. Medaile k 50. výročí ukončení druhé světové války, 1995)
  • Preis der Stadt Olomouc (tschech. Cena města Olomouce, 1998)
  • CZE Medaile Za zasluhy 2st (1994) BAR.svg Tschechische VerdienstmedailleW-Logo.png, 2. Stufe (28. Oktober 2000)

Werke

Jiří Louda schrieb oder illustrierte unter anderem:

  • Europäische Stadtwappen. Ohne Ort. 1969
  • Blasons des villes d’Europe, Guidé illustré, Paris, Gründ, 1972
  • Česká města, Prag, Albatros, 1974
  • Česká města: pro čtenáře od 9 let, Prag, Albatros, 1984
  • Česke erby (zusammen mit Josef Janáček), Prag, Albatros, 1988
  • Lines of Succession (zusammen mit Michael Maclagan), London, Orbis Publishing, 1981

Weblinks

 Commons: Jiří Louda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Zemřel autor českého státního znaku, heraldik a válečný veterán Jiří Louda, rozhlas.cz. 2. September 2015. Abgerufen am 03. September 2020. 
  2. Jiri Louda, armorist - obituary. In: The Telegraph, 01. Oktober 2015. Abgerufen am 03. September 2020. 
  3. 3,0 3,1 Vězení bez soudu? To je komunismus, říká olomoucký heraldik Jiří Louda, olomouc.eu. 20. März 2008. Abgerufen am 03. September 2020. 
  4. The Institute of Heraldic and Genealogical Studies: The Julian Bickersteth Memorial Medal. Internet: www.ihgs.ac.uk. Abgerufen: 03. September 2020
Behan ZW.jpg    Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Jiří_Louda“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 03. September 2020 (Permanentlink: [1]). Er steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.