Virgil Solis

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Virgil Solis, von seinem Gesellen Balthasar Jenichen nach seinem Tod porträtiert. Oben links und rechts die von Solis verwendeten Monogramme.

Virgil Solis, auch Virgilius Solis (* 1514 in Nürnberg; † 1. August 1562 ebenda) war ein deutscher Zeichner und Kupferstecher.

Leben

Virgil Solis wuchs als Sohn eines zugezogenen Malers in Nürnberg auf. In seiner Gesellenzeit besuchte er sicherlich Augsburg, vielleicht aber auch Zürich und Rom. Letzteres wird vermutet auf Grund seiner Mischung klassizierender und barocker Ornamentik. Er heiratete 1539, wurde 1540 Meister und begann in seiner Werkstatt mit zahlreichen Gesellen, darunter bald auch die eigenen Söhne, eine ungewöhnliche Produktivität zu entfalten. Sein Gesamtwerk beziffert sich auf 700 Holzschnitte und 1300 Kupferstiche.[1] “An output of over 2,000 prints and drawings.”:[2] Auf Grund seiner Vorarbeit und der guten Einarbeitung seiner Helfer konnte die Werkstatt gut zehn Jahre über seinen Tod im Jahr 1562 hinaus immer noch Neues hervorbringen, so die Illustrationen zu OvidsW-Logo.png MetamorphosenW-Logo.png (183 Holzschnitte) und die illustrierte LutherbibelW-Logo.png (140 Holzschnitte). Sein Monogramm, ein V, in dessen rechten Schenkel ein S verflochten ist, wurde zum Werkstattzeichen über seinen Tod hinaus.

Virgil Solis: Sturz des Phaeton (aus Ovids Metamorphosen). Deutlich voneinander abgegrenzt Bild und Passepartout.
Ins gleiche Passepartout gesetzt: Die Geschichte von Pygmalion – drei Phasen (Gebet zu Venus, Verwandlung der Statue, die beiden werden ein Paar) in einem Bild.

Um die Fülle seiner Aufträge ausführen zu können, bediente sich Solis zunehmend rationalisierender Maßnahmen. So entwarf er für die 170 Ovid-Illustrationen etwa ein halbes Dutzend PassepartoutsW-Logo.png, also mit Roll- und Bandwerk, PuttenW-Logo.png, Tieren und herbalen Elementen gefüllte Rahmen, in die er die verschiedenen Illustrationen einfügte. Für die Fürstenbildnisse zersägte er einen Holzblock und benutzte den unteren Teil dann auch für andere Porträts. Mit dieser seriellen Fertigung erwies sich Solis als geschickter und einfallsreicher Rationalisierer bei der Befriedigung des in der frühen Neuzeit massiv zunehmenden Bildbedarfs.

Durch seine Stichfolgen mit Laub-, Roll-W-Logo.png und Bandwerk, Bechern und Gebrauchsstücken wurde Solis zu einem vielkopierten Vorlagenlieferanten für Gold- und SilberschmiedeW-Logo.png, für GraveureW-Logo.png, ZiseleureW-Logo.png, TauschiererW-Logo.png und NielleureW-Logo.png, durch seine Illustrationen, durch seine Fürsten- und Söldnerbildnisse, seine heraldischen Sammelwerke, seine zeitüblichen Serien (Planeten, MusenW-Logo.png, TempramenteW-Logo.png, Jahreszeiten, Monate, Freie KünsteW-Logo.png usw.), seine Landschaften, Darstellungen von Raritäten, Exlibris und Spielkarten war er einer der bekanntesten, beliebtesten und meistgenutzten Illustratoren seiner Zeit. Mit Recht ließ Balthasar Jenichen seinen Meister deshalb unter dem Porträt sagen:

Die Künstler mich Vater hissen, In(en) zu dienen war ich gflissen,
Mit Moln, Stechen, Illuminieren, Mit Reißn, Ezn und Viesiren.

Ohne Skrupel bediente Solis sich seinerseits berühmter Vorbilder, insbesondere der Holzschnitte Dürers. Aber auch von Hans Sebald Beham, Peter Flötner, Heinrich Aldegrever, Georg Pencz, Martin Schongauer, Hans Brosamer, Francesco Marcolini, Theodor Galle, Hans Holbein der Jüngere, Albrecht Altdorfer, Augustin Hirschvogel, Urs Graf, Niklaus Manuel Deutsch, Jacques du Cerceau und Cornelis Floris ließ er sich anregen, wobei er die Vorlagen jeweils selbstständig übertrug. Dabei „schaltete er mit fremdem Gedankengut durchaus frei, variierte die daraus geschöpften Anregungen, gruppierte und komponierte um und machte doch schließlich etwas Neues daraus, dem er seinen Geist einhauchte.“[3]

Mit zunehmendem Arbeitsdruck freilich wuchs auch die Zahl der fremden Hände, derer sich Solis bedienen musste, um alle Aufträge termingerecht zu erfüllen. Nach seinem Tod zehrte die Werkstatt noch lange von seinen Vorlagen und seinem guten Namen, zumal seine Witwe den Gesellen Balthasar Jenichen geheiratet hatte. Zu seinem eigentlichen Erben und Nachfolger aber wurde Jost Ammann, der ein Jahr vor Solis’ Tod nach Nürnberg gekommen war und sich dort dauerhaft niederließ.

Heraldisches Wirken

Leseprobe

Solis führte Einzelblätter mit Wappen und ein sogenanntes Wappenbüchlein aus. Letzteres befindet sich im Original oder als Digitalisat in unterschiedlichen Versionen im Bestand diverser Archive und Bibliotheken, darunter zum Beispiel:

Die Zusammenstellung der Wappen, die im „Wappenbüchlein“ erscheinen, erfolgte auf der Basis des Concilienbuchs von Ulrich von Richental.[4] Auf dem Titelblatt des Werkes heißt es:

Wappenbüchlein / Zu Ehren Der Römischen Kay. vnd Kn. Mt. auch Bäbstlicher Heyligkeit, smbt anndern der furnemsten auslendischen Könirreichen Churfusten, Fürsten vnd gemeinen stennden. Darauf des Heyligen Römischen Reychs grundtveste gepflantzet vnd geordnet ist. Souil derselben Wappen zubekhumen sind gewesen, mit Iren namen vnd farben. Durch Virgilj Solis Maler vnnd Burger zu Nurmberg, mit sonderm fleys gemacht.“

Virgil Solis (1560 bzw. 1590)

Das Wappenbüchlein ist ursprünglich nur schwarz gedruckt. Damit der Leser einen Eindruck von den Farben eines Wappens erhielt, fügte Solis in die Wappendarstellungen kleine Buchstaben für die jeweilige Farbe ein. Dabei ging er nach folgendem Schema vor:

 b. Blaw Coelestinus
 w. Weys Albus
 g. Gelb Croceus
 gr. Grun Viridis
 r. Rot Ruber
   br. Braun Purpureus Die Farbe ist unklar: meint Solis „Braun“ oder „Purpur“?
BurningFlame0.gif f. Feuerfarb Igneus Die Farbe ist unklar: meint Solis „Rot“, „Rotbraun“, „Rotgelb“, „Gelb“ ...?
 Schwarz Niger Hat kein selbr aigne farb.
Niger suo ipsius colore expressus est.

Auffällig ist, dass sich Solis bei der Darstellung der Wappen nicht an realen Kampf- oder Turnierschilden orieniert, sondern „Papierschilde“ entwirft beziehungsweise Schildformen zeichnet, von denen manche nur eine „papierne Existenz“ besitzen (Ausdruck nach Seyler):

„In dem Wappenbüchlein von Virgil Solis (..) sieht man deutlich, wie der Künstler sich bemüht, um unter den zwölf Schilden, die er auf einer Seite anbringt keine Muster zu wiederholen. Da kommen dann die verschiedenartigsten und willkürlichsten Aus- und Einschnitte, Aufrollungen der Enden, eiförmige, rautenförmige und ziegelförmige Schilde vor.“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[4]

Überhaupt scheint es Solis eher um eine abwechslungsvolle Darstellung zu gehen, weniger um heraldische korrekte Motive. Seyler bemerkt in diesem Zusammenhang folgende Besonderheiten:

„Das Wappenbuch von Virgil Solis (1955) enthält unter den Freiherrn zahlreiche Wappen, die statt Helmdecke einen Helmmantel zeigen (..) In dem Wappenbüchlein des Virgilius Solis von 1555 (..) sind nur die Wappenschilde der Königsreiche (soweit sie nicht eigentümlich geformte Kronen haben) mit der Laubkrone bedeckt.“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[4]

Auktionen

  • 1825 in Nürnberg: 1570 aus der Werkstatt † Virgil Solis: In einer reichen Einfassung mit Figuren und Wappen verzieret, stehet im Vordergrund einer Landschaft der Heiland am Kreuz, an dessen Stamm knieen zur Linken, Caspar Nützel (Rath Kaisers Carl V.) nebst seinen fünf Söhnen. Zur …[5]

Werke (Auswahl)

  • Etlicher gutter conterfectischer Laubwerck Art, 1553 (Vorlagen für Treib- und Punzarbeit der Goldschmiede)
  • Passio vnsers Herren Jhesu Christi. Aus den vier Evangelisten gezogen etc.. Valentin Geyssler, Nürnberg 1553
  • Wappenbüchlein zu Ehren der Röm. Kay. und Kön., 1555, 1882 in der Hirthschen Liebhaberbibliothek erneut erschienen.
  • Biblia, das ist die gantze Heylige Schrifft Teutsch D. Mart. Lut. Verlag von Sigmund Feyerabend, Frankfurt am Main, 1560 (Digitalisat)
  • P. Ovidii Metamorphosis Oder: Wunderbarliche unnd seltzame Beschreibung von der Menschen, Thiern und anderer Creaturen Veränderung etc., allen Poeten, Malern, Goldschmiden, Bildhauwern und Liebhabern der edlen Poesi und fürnembsten Künsten nützlich und lustig zu lesen. Sigmund Feyerabend, Frankfurt am Main 1563, 1581

Literatur

Einzelnachweise

  1. Das grosse Künstlerlexikon von P. W. Hartmann., abgerufen am 29. Juni 2014
  2. The J. Paul Getty Museum., abgerufen am 29. Juni 2014
  3. Fritz Tr. Schulz: Virgil Solis. In: Ulrich ThiemeW-Logo.png, Felix BeckerW-Logo.png u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur GegenwartW-Logo.png. Band 37 , E. A. Seemann, Leipzig 1950.
  4. 4,0 4,1 4,2 Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 463, 475, 544, 591, 673
  5. VERZEICHNISS ÜBER DAS v.DERSCHAUISCHE Kunstkabinett zu NÜRNBERG…. Nürnberg, bei dem verpflichteten Auctionator Schmidmer., 1825., 250 S., Verzeichniss der seltenen Kunst-Sammlungen.,1825., Google Books, online, S. 84, (42.)

Weblinks

 Commons: Virgil Solis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Virgil Solis – Quellen und Volltexte
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Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Virgil_Solis“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 25. Januar 2018 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der ursprünglichen Autoren verfügbar.